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Clubkultur

10 Dinge, die ich an Clubs in New York hasse

Wen kennst du? Bist du auf der Gästeliste? Welchen Underground-House-DJ hörst du gerade so?

von Michelle Lhooq
24 März 2015, 9:45am

Photo by Jens Karlsson/Flickr

New York City: strahlendes Mekka zerbrochener Träume, obszöner Mietpreise und von Grünkohl-Smoothies befeuerten Raves. Alles in dieser wunderschön beschissenen Stadt ist ein verdammter Kampf. Dein Vermieter ist verrückt. Deine Freundin will Carrie Bradshaw sein. Dein Nachbar, der den Feinkostenladen betreibt, hat aufgehört, deine High-Fives zu erwidern. Manchmal ist der Gedanke daran, dieses ganze Gewühl hinter sich zu lassen, um für immer billiges Bier vor deinem Hauseingang zu trinken, wirklich sehr verlockend. Um ehrlich zu sein gibt es nur einen Moment, der mich davon abhält, den nächstbesten Fremden abzustechen, der mich heimlich dabei fotografiert, wie ich in der U-Bahn esse: wenn ich freitags meinen Laptop in die Ecke schmeiße und in den Club gehe. Aber selbst dann muss ich mich immer noch mit all den unzähligen Formen von Idiotie herumschlagen, die unten beschrieben werden. Hier sind zehn Dinge, die ich am Clubbing in New York City hasse:

10. Hype-Kreisläufe

Foto von Stuart Tracte

New Yorker sind launische Kreaturen, die den Listen des Gothamist-Blogs hörig sind. Wenn es um Clubbing geht, dann ist es so, als wären wir auf einem immerwährenden Cronut-Hype hängengeblieben, doch statt von leckerem Gebäck sind wir besessen von Frühstücks-Raves und DJ-Schulen für Babys. Dieser stetige Durst nach Neuem führt dazu, dass wirklich gute Läden einfach vergessen werden und dicht machen müssen, weil die Leute vergessen haben, eine Review bei Yelp darüber zu schreiben. Wir verlassen uns blind auf den Hype-Kreislauf und es sieht nicht so aus, als würde sich das bald ändern.

9. Keine 24-Stunden-Party-Palaste

Foto von Daniel Leinweber / Razberry Photography

New York City hat ein paar coole Clubs: Output, Verboten, Cielo, Le Bain, Good Room ... selbst Boom Boom Room, Space, Marquee, Westway, Webster Hall und Le Baron haben ihre Momente. Wir haben auch ein paar wirklich gute Bar-Clubs: Bossa Nova, Bembe, Up&Down, Baby's Alright und so weiter. Aber wir haben immer noch kein eigenes Fabric oder Berghain – House- und Techno-Festungen, die für dreitägige Marathons voller Hedonismus geöffnet sind und in denen man sich die ganze Zeit am Rande der Ekstase bewegt. Da hilft es auch nicht, dass viele unserer Megaclubs europäische Importe sind. Lasst die Clubs länger als 6 Uhr morgens auf, wo ist das Problem?

8. Schlechtes Kokain

Foto von Max Sparber/Flickr

New York ist eine Stadt, die durch Kokain am Laufen gehalten wird. Selbst der stille, pummelige Manager, der in der Mittagspause Buzzfeed-Quizze macht, fragt dich bei der Weihnachtsfeier nach einer Nase. Diese unglaubliche Nachfrage bedeutet, dass hier jede Klo-Schlange unnötig lang ist, weil sich vor dir fünf Mädchen wie Clowns in ein Auto in die nächste freie Kabine zwängen. Wenn die Betrunkenen nach Hause gegangen sind, um ihren Rausch auszuschlafen, wirst du mit dem furchteinflößenden Abschaum aus zugedröhnten Fremden zurückgelassen, die Klimmzüge an der Bar machen. New Yorker: Wir müssen weniger Kokain nehmen. Oder besseres Kokain. Was auch immer.

7. Die bessere Party ist immer woanders

Egal, wie unglaublich die Party ist, bei der du gerade bist, wie sehr du dich abschießt und wie viele Frauen dir beim Tanzen zusehen, es gibt immer eine bessere Party irgendwo da draußen. Es passiert jede Nacht einfach so viel, du wirst nie die ganze Rave-Palette erleben können, die die Stadt zu bieten hat—und du musst damit die ganze traurige Taxifahrt nach Hause überleben. Aber zumindest kannst du ja deinen betrunkenen Unmut bei Twitter loswerden.

6. Elitismus

Wen kennst du? Bist du auf der Gästeliste? Welchen Underground-House-DJ hörst du gerade so? Elitismus im Nachtleben ist vielfältig – hochnäsige Stammgäste im Lavo sind genauso schlimm wie Resident Advisor-Kommentar-Spinner im Bossa Nova – und du findest einen bunten Strauß an Protzigkeit in jedem After-Hour-Laden in dieser machtbesessenen Stadt.

5. Die Tyrannei des Bottle Service

In der Theorie ist nichts falsch daran, eine Frau auf hohen Schuhen dafür zu bezahlen, dir Flaschen an den Tisch zu bringen, wenn du ungewöhnlich reich oder ungewöhnlich faul bist. Das Problem mit diesem Bottle-Service ist jedoch, dass er, sobald er einmal in einem Club angeboten wird, jedes Eck des gesamten Clubs vereinnahmt. Irgendwann siehst du nur noch reiche Mädels, die Champagner saufen, damit ihr Freund sie dabei fotografieren kann.

4. Amateure

Foto von Ram Wood/Flickr

New York City ist die beste Stadt der Welt, weil du machen kannst, was auch immer du willst, solange du einer goldenen Regel folgst: Sei gegenüber den Leuten um dich herum kein Arschloch. Unglücklicherweise folgt nicht jeder dieser Regel und wenn es ums Ausgehen geht, dann sind die schlimmsten Nervensägen die Noobs. Ich spreche von den Girl-Gangs, die über die Tanzfläche walzen wie eine Bowlingkugel aus Ellbogen; die Euro-Techno-Bros, die versuchen, mit fünf Bieren in der Hand einen Breakdance hinzulegen und von jedem, der Selfies macht. Diese unhöflichen Nichtsnutze vermiesen jedem den Abend, weil sie einfach nicht die Verhaltensregeln im Club kennen. Ja es gibt so etwas, also lernt sie.

3. Die Polizei

Foto von Stewart Butterfield/Flickr

In der Zeit nach Giuliani ist es etwas besser geworden, aber nicht viel. Die Task Force der NYPD schnüffelt immer noch in Facebook-Events rum und bringt Veranstalter dazu, sich aus Angst vor unangemeldeten Besuchen und einer Flut von Strafzetteln in die Hose zu pissen. Die Belästigung des Nachtlebens seitens der Polizei macht es für jeden Club in dieser Stadt fast unmöglich, seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Und lasst uns gar nicht erst damit anfangen, wie schwierig es ist, eine Cabaret License zu bekommen. Wenn du nicht gerade Millionär mit Unmengen an Verbindungen bist, dann ist es oft schwieriger, deine Party am Laufen zu halten, als deinen Dealer zum pünktlichen Auftauchen zu bringen. Und du weißt, wie schwierig das ist.

2. Die Heuchelei von „DIY"

Trip House in Brooklyn (RIP). Foto von Rebecca Smeyne

Dafür bekomme ich einen auf den Deckel, aber egal. Wir müssen aufhören, uns über das Sterben von DIY-Läden wie 285 Kent, Glasslands oder Death By Audio zu beschweren. Diese Orte waren wunderbare Einöden, die sehr vermisst werden. Aber sie lagen in Gegenden, in denen 70-Quadratmeter-Lofts seit Langem für 2,5 Millionen Dollar verkauft werden. Erwürg mich und dann komm drüber hinweg. Jeder, der sich über Gentrifizierung beschwert, ist wahrscheinlich selbst Teil des Problems.

1. Yuppie-Abschaum

Foto von Sean Ganann/Flickr

Wo wir beim Thema sind: Reiche Leute erschaffen keine Kultur. Arme, junge Leute schon. Was reiche Leute erschaffen, ist eine Stellvertreterkultur – eine verwässerte Annäherung an die echte Sache, die von Geld anstelle von Kreativität am Leben gehalten wird. Leute aus Manhattan, die ihren Uber-Fahrer fragen: „Oh, Blkmarket im Bushwick Warehouse steht an, weißt du, wo das ist?", das sind die wirklich Proviniziellen.

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Michelle Lhooq macht genauso gern Party, wie sie sich beschwert. Folgt ihr bei Twitter.

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