Körpersprache

Warum wir Zwinkern so sexy finden

Egal ob als Einstieg zu einem kurzen Flirt oder als Emoji am Ende in einer betrunkenen SMS—nichts wirkt so verführerisch wie ein kurzes Zwinkern. Nur warum eigentlich? Wir haben nachgefragt, woran es liegt, dass wir Zwinkern so sexy finden.
4.10.16
Image by Guille Faingold via Stocksy

Ein Zwinkern ist die schnellste und sexyeste Art, mit einem fremden Menschen zu flirten. Es ist das unmissverständlichste Zeichen, um unserem Gegenüber ohne falsche Bescheidenheit deutlich zu machen, wie sexy wir sind und darüber hinaus rundet es als Emoji so gut wie jede Nachricht, die wir nach 2:00 Uhr nachts verschicken, auf charmante Art und Weise ab. Unklar ist aber, was genau so heiß daran sein soll, ein Auge zuzukneifen—es ist sogar so unklar, dass sich bisher noch nie jemand die Mühe gemacht hat, um der Sache auf den Grund zu gehen.

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Es gibt keine Aufzeichnungen über das allerste Mal, als ein Mensch einem anderen zugezwinkert hat, doch wir wissen, dass das deutsche Wort „zwinkern" auf das altenglische Wort twinclian zurückgeht, was vermutlich so viel hieß wie „die Augen zusammendrücken."

Mithilfe unserer Augen nehmen wir die äußere Erscheinung des Objekts unserer sexuellen Begierde wahr. Diese antworten wiederum freiwillig als auch unfreiwillig, wenn uns jemand oder etwas antörnt. In den 1960er- und -70er-Jahren hat der US-amerikanische Psychologe und Ethnologe Eckhard Hess die Pupillometrie—die Messung des Pupillendurchmessers in der Psychologie—begründet, nachdem er entdeckt hat, dass sich unsere Pupillen weiten, wenn wir jemanden ansehen, den wir sexuell attraktiv finden. In Körpersprache der Liebe schreibt Dr. David Givens, Direktor des amerikanischen Center for Nonverbal Studies, dass „ein schneller Lidschlag (oder ein ‚Wimpernzucken') bedeutet, dass man den psychologischen Erregungszustand seines Gegenübers erhöht hat—schnelles Blinzeln könnte daher ein Zeichen für sexuelle Erregung sein." Außerdem stehen die Chancen, den Grundstein für eine leidenschaftliche, vertrauensvolle Beziehung zu legen, umso besser, je länger man in die geweiteten, zuckenden Augen seines Gegenübers schaut.

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Patti Wood ist eine Expertin für Körpersprache und erforscht die Bedeutung des Zwinkerns in ihrem Buch SNAP: Making the Most of First Impressions, Body Language, and Charisma. Sie konzentriert sich bei ihrer Betrachtung nicht darauf, was das Zwinkern zur Kommunikation beisteuert, sondern legt den Fokus vielmehr darauf, was es ihr nimmt: die Bedrohlichkeit.

„[Zwinkern] ist eine Möglichkeit, um den langanhaltenden und potenziell bedrohlich wirkenden Blickkontakt zu entspannen", sagt sie. „Ich habe die Körpersprache des Weihnachtsmanns aus dem englischen Original von Als der Nikolaus kam analysiert. Darin heißt es wörtlich übersetzt: ‚Er drehte sich um und zwinkerte mir zu.' Diese Geste soll beruhigend wirken, wie um zu sagen: ‚Ich bin zwar durch den Kamin in euer Haus gekommen, aber ich bin harmlos.'"

Man kann winken, lächeln und den Kopf neigen, aber Zwinkern ist sehr viel schneller, diskreter und aussagekräftiger.

Joa Navarro ist ein Experte für Körpersprache, der früher als FBI-Agent gearbeitet hat. Er merkt auch an, dass der Mensch nur eine begrenzte Zahl an Möglichkeiten hat, um wortlos mit jemandem zu kommunizieren, der einige Meter weit entfernt steht. Man kann winken, lächeln und den Kopf neigen, aber Zwinkern ist sehr viel schneller, diskreter und aussagekräftiger.

Ein Zwinkern, sagt er, ist die schnellste und leichteste Art, mit jemandem zu kommunizieren, der sich am anderen Ende des Raums befindet. „Selbst in einem überfüllten, lauten Raum wird die Nachricht ankommen", sagt er.

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Auch jenseits von reellen Pupillen und Wimpern hat das Zwinkern seinen Platz in der nonverbalen Welt virtueller Kommunikation gefunden und zwar in Form von Emojis und Emoticons. In einer von Match.com im Jahr 2015 veröffentlichten Studie zu Singles in Amerika hat die Dating-Website über 5.600 US-amerikanische Singles aller Altersgruppen zu Flirtnachrichten, Sexting und sonstigen Gewohnheiten befragt. Dreiundfünfzig Prozent der Befragten gaben an, dass sie den „Zwinkersmiley" verwenden, wenn sie versuchen zu flirten. Damit erreichte der Zwinkersmiley einen beachtlichen Vorsprung vor dem „einfachen Smiley" (38 Prozent) und dem „Kusssmiley" (27 Prozent).

Jeffrey Hall, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität von Kansas und Autor von The Five Flirting Styles, hat eine eigene Interpretation für diese Statistik. Er ist der Meinung, dass der Zwinkersmiley zum Ausdruck bringen soll, dass man „verspielt, witzig oder unterhaltsam ist", was nicht weit von der Bedeutung eines Zwinkerns im wirklichen Leben abweicht.

„Ich denke [ein Zwinkergesicht] lässt die Informationen unbeschwerter beziehungsweise einladender wirken, genau wie beim Schäkern zu Beginn eines Flirts", sagt Hall. „Wenn Menschen Zwinkersmileys in Nachrichten oder auf Dating-Seiten wie Match.com verwenden, dann ist ihnen vielleicht klar, dass übermittelte soziale Interaktionen mit einer natürlichen Distanz einhergehen, die es zu überbrücken gilt—ähnlich, wie wenn man Augenkontakt zu jemandem in einer Bar oder einem Club herstellt. Vielleicht wird der Zwinkersmiley dazu genutzt, diese Distanz zu überwinden, die Übermittlungslücke zwischen den beiden Menschen zu schließen und eine Verbindung zwischen ihnen herzustellen."

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Foto: David Antis | Flickr | CC BY 2.0