Eine provisorische Zeltstadt, Kinder sind zu sehen
DIE LITERATURAUSGABE 2017

Wir wurden namenlos

Gedichte von Flucht und Heimat.
18 Februar 2017, 5:00am

Fotos: Martin Dudek
Aus dem Englischen von Monika Essl und Maria Wölflingseder

Anlässlich unserer Literaturausgabe lesen Ammar Fadloun und Elias Hirschl am 17. Februar um 19:00 im Wellmann – Eintritt frei. Hier geht's zum Facebook Event.

Aus der Literaturausgabe 2017.

Die Rede über unsere Situation

Wenn du die Stille fürchtest
            und die Schreie der Leidenden,
            die Dunkelheit und die Kälte,
            den Hunger und den Verlust......

Wenn das Sirenengeheul,
            das Brüllen und Heulen der Bomben und Granaten
            und das Knattern der Maschinenpistolen
            alltäglich werden.....

Wenn deine Freunde
            entführt, vermisst, getötet werden
            oder wenn deine Freunde ihren Besitz verkaufen,
            um mit Todesbooten
            ein Ufer der Sicherheit zu erreichen.......
            dann weißt du: es ist KRIEG.

WENN DER TOD ALLGEGENWÄRTIG IST - DANN IST KRIEG.

Ammar Fadloun, Februar 2016

Die Rede über unsere Sehnsucht

Als ich Damaskus verließ
            war mein Kummer größer als meine Träume,
            aber die Hoffnung auf  Rettung
            half mir, die Ängste zu überwinden.

Die Städte, die mich umarmten,
            konnten meinen Schmerz nicht aus dem Gesicht wischen
            und den Durst nach meiner geliebten Stadt nicht löschen.

Ich komme aus einer Stadt,
            die tausendmal am Tag geschlagen wurde.
            Ihr blauer Himmel ist von rauchschwarzen Wolken verhüllt.

Ich komme aus einem Land,
            das jeden Tag meine Seele nährt.
            Aus einem Land, das jeden Tag den Stürmen widersteht.

Alles erinnert mich  an Damaskus, meine Stadt.
            Mit jedem Augenblick liebe ich sie mehr
            und meine Sehnsucht wird größer und größer.

Ammar Fadloun, Februar 2016

Die Rede über unsere Hoffnung

Ich bin ein Erbe von Palmyra, Amrit, Ugarit und Mary.
            Ich habe Anteil an der Zitadelle von Aleppo.
            Alle sieben Tore von Damaskus
            weisen ihre Wege durch mein Herz.

Ich kam in euer Land, um den Frieden zu finden.
            Ich kam hierher, um euch von uns zu erzählen,
            um meinem Volk eine Stimme zu geben.

            Wir leben.
            Wir denken.
            Wir schaffen Neues.

            Wir heilen unsere Wunden,
            wir lächeln einer Zukunft entgegen.

            Es ist unser Schicksal,
       „Söhne und Töchter des Lebens" zu sein.

Ammar Fadloun, Februar 2016

Kennst du unsere Geschichte?

Unsere Geschichte ist ein Traum …
Wir träumten in unserem Heimatland zu leben …
Unsere Träume sind eine Anklage geworden
vor der wir uns fürchten …

Alle sprachen über uns.
Jeder wusste etwas über uns.

Alle vergossen großzügig ihre Tränen für uns.
Jeder prangerte die Situation an und missbilligte sie.

Alle weinten, wenn sie die verstreuten Körper
unserer Kinder, Frauen und Alten sahen.

Diese Situation kann von Menschen nicht ertragen werden.
Daher demonstrierten alle ihre Menschlichkeit für uns, aber …

Nachdem die Party vorüber war, gingen alle nach Hause
und wir blieben heimatlos zurück …

Wir blieben heimatlos,
während wir auf der Landkarte der Zeit reisten
wie die Blätter im Herbst, vom Wind getrieben.

Ammar Fadloun, März 2016

Die Erinnerung an Agonie

Unser größtes Problem sind die Erinnerungen,
die sich weigern zu sterben.
Unsere Erinnerungen, die unsere Seelen auffressen.

Unsere Erinnerungen wachsen wie verrückte Kriechpflanzen,
die ihre Wurzeln in unsere müden Wunden krallen.

Unsere Erinnerungen wachsen wie eine Baum,
der das Sonnenlicht abhält, und uns jede Hoffnung raubt.

Unsere Erinnerungen verwandelten sich
in eine schmarotzerische Pflanze,
die unsere Körper umschlungen hält
und in unserer verschütteten Seele wohnt.

Ammar Fadloun, März 2016

Wir wurden namenlos

Wir wurden namenlos.
Unsere Namen wurden zu Nummern.
Unsere persönlichen Sehnsüchte wurden zu Illusion.
Unsere Hoffnungen wurden zur bitteren Enttäuschung.

Wie bitter, wenn sich dein Wasserglas mit deinen Tränen füllt.
Wie bitter, wenn der Geschmack des Salzes zur Farbe deines Lebens wird.
Wie bitter, wenn du zum Blatt eines Baumes im Herbst wirst.

Meine lieben Freunde.
Wir wurden heimatlos.

Ammar Fadloun, März 2016

Die Wahl

Entweder das entwürdigende Leben eines Sklaven
                  oder das Grab, das schon bereit steht,

entweder ein Leben ohne Freiheit
                  oder das Recht die Farbe des Totentuches zu bestimmen,
                  in das du gewickelt werden möchtest,
                  nachdem man dich getötet hat.

Das ist der ganze Luxus, der uns angeboten wird:
                  Das volle Recht, die Farbe zu wählen,
                  aber nicht die Art zu sterben.
                   Wie schade!

                                                                                  Ammar Fadloun, März 2016

So geschehen

                       Sie raubten unsere Namen
                                               unsere Träume
                                               unsere Freiheit!

                       So wurden wir zu Sklaven,
                       so wurde unsere Liebe zur Illusion,
                       so wurde unsere Freiheit zum Gefängnis.

                                                                                  Ammar Fadloun, März 2016

Verlust der Heimat – Verlust der Seele?

            Die Liebe bestimmte unser Leben.
            Voll Güte und Zuneigung waren wir einander.
            Den Hass kannten wir nicht.

            Nun aber ist alles anders.
            Über unsere Lippen kommen
            keine Worte der Liebe mehr.

            Wir wussten es nicht:

            Beim Verlassen der Heimat
            verließ auch die Seele unseren Körper
            und dabei ging das Herz verloren.

            Entschuldigung,
            würden Sie mir bitte sagen,
            wie kann ein Mensch leben und lieben ohne Herz?

                                                                                  Ammar Fadloun, März 2016

Ich vermisse das Kind in mir

            Mein Papier ist zerrissen.
            Meine Feder zerbrochen.
            Ein Fluss von Schmerzen
            wirft mich in ein tosendes Meer.
            Ich suche mich selbst in der Dunkelheit der Tage.
            Ich vermisse mich.
            Ich vermisse das Kind in mir.

            Ich vermisse jenes Kind, das sich weigert erwachsen zu werden.
            Ich vermisse seine einfachen Träume - -
            Bunte Stifte und farbiges Papier -
            seinen Drachen.

            Ich vermisse seine Freuden und seine Wut.
            Glück und Trauer.
            Leichtsinn und Ruhe.
            Ich vermisse seine Unschuld.

            Ich ersehne das Herz eines glücklichen Kindes.
            Ich brauche das Herz eines leidenschaftlichen Kindes.
            Ich ersehne das vergebende Herz eines Kindes.
            Ich brauche das vergessende Herz eines Kindes.

            Ich will klagen wie ein Kind, ohne jede Eitelkeit.
            Ich will trauern wie ein Kind, das jede Qual schnell vergisst.

            Ich wünsche, ich wäre ein Kind geblieben
            und nie erwachsen geworden.
            Kind in mir – ich vermisse dich.

                                                                      Ammar Fadloun, April 2016

Ein Ahnen streift sanft meine Seele

                       Ich verliere die Bilder der Sprache.
                       Die poetische Rede entgleitet meinem Gedächtnis.
                       Ich stehe verstört zwischen dem, was ich weiß
                       und dem, was ich nicht weiß.
                       Aber eines ist sicher:
                       Sie ist so wunderbar wie die Fantasie.

                       Ein Wasserstrom, der aus den Bergen kommt,
                       gibt sein Geheimnis nicht preis.
                       Du kannst seinen Ursprung und sein Ziel nicht ergründen.
                       Aber er ist ein Teil der Schönheit der Natur und
                       du fühlst dich gedrängt,
                       ihm deine Aufmerksamkeit zuzuwenden.
                       Er beschenkt dich mit Heiterkeit und Gelassenheit.

                       Duftende Blumen verbreiten vage Botschaften,
                       aber was diese bedeuten, bleibt uns verborgen.
                       Und dennoch erfüllen sie uns mit Glück.

                       Sie geht fort und kehrt zurück ohne jegliche Erlaubnis.
                       Aber wenn sie mir in den Sinn kommt,
                       malt sie mir ein schönes Lächeln ins Gesicht.

                                                                                  Ammar Fadloun, April 2016

Fürchte dich nicht

                       Sie geht fort und kehrt zurück
                       ohne jegliche Erlaubnis.
                       Aber wenn sie mir in den Sinn kommt,
                       zeichnet sie mir ein schönes Lächeln ins Gesicht.

                       Bisweilen ist sie mir gegenüber ängstlich und scheu.
                       Vielleicht weil sie meine Geschichte nicht kennt
                       und von meinen Lebensumständen wenig weiß?

                       Fürchte dich nicht meine Schöne!                        Trotz aller Katastrophen und Kriege:
                       Ich habe noch einen Rest von Anstand und Respekt.

                       Schreib mir, wenn du mich hasst.
                       Schreib mir über deine Sorgen und Freuden,
                       über dein Glück und deinen Schmerz.

                       Alles, was du schreibst, sind schöne Geschichten,
                       die mich erfreuen und mich aufrichten.
                       Sie heben mich über den Alltag meines Lebens hinaus.
                       Sie ermöglichen mir, Mensch zu sein.

                                                                                  Ammar Fadloun, April 2016

Sie nicht.

            Ich stehe und staune             und bewundere den Himmel über Europa.
            Der Frühling ist gekommen.
            Die Sonne hat das Land             und die Wasser des Nordens wieder erwärmt.
                        Scharen von Zugvögeln reisen über den Himmel.
            Wildgänse, Enten und Schwäne zeichnen             mit ihren Formationen phantastische Muster in das Blau.
            In Freiheit reisen sie             über Länder und Seen,             über Gebirge und große Städte und Dörfer.

Sie nicht.
Sie müssen nicht vor den Toren einer Botschaft anstehen,
um Pass und Visum zu bekommen und nach Europa zu dürfen.
Sie müssen keine Grenzzäune überwinden und auf jemanden warten,
der ihnen den Weg in das verheißene Land zeigt.
Sie brauchen keine Launen der Polizisten zu fürchten,
die sie festnehmen könnten.
Sie sind auf keinen Schlepper angewiesen,
der ihr Geld nimmt und über ihr Schicksal bestimmt.
Brauchen keine Niedertracht aus einem Sicherheitsrat zu fürchten,
der mit ihnen Sklavenhandel betreibt.
Brauchen keine UN-Resolutionen, die über ihr Schicksal entscheiden.

Denn sie fliegen in Scharen über alle Grenzen hinweg,
ohne dass Glaube oder Religion sie verbindet oder trennt.
Fliegen so, wie ihr Instinkt es vorgibt,
ohne Erniedrigung durch andere.
Müssen keinem Diktator huldigen, der ihnen schwer auf der Brust hockt.
Fliegen so, wie die ihnen innewohnende Kraft sie leitet,
ohne zu fürchten, als Zeichen des Terrors zu gelten.

Sie denken weder an erdrückende Steuerlasten,
noch müssen sie Geld zählen;
keine Schulden, die ihnen schlaflose Nächte bereiten.

            Das ist Emanzipation von den Fesseln der Knechtschaft.
            DAS ist Sicherheit. IN ALLEM.
            DAS ist Geschenk unseres Schöpfers.
            Das Geschenk, das wir Menschen
            der Gier nach Materiellem geopfert haben.

            Als einer von ihnen, einer aus dem Schwarm,
            schaue ich hinunter auf die Menschen,
            wie sie streiten und kämpfen,
            wie sie einander betrügen und quälen,
            foltern und töten.

            Als einer von den Schwänen sehe ich die Menschen,
            von Gott auserwählt,
            sogar mit der Gnade des Verstands gesegnet.
            Verspielen sie alles, bis heute?

            Und ich sage, als einer von den Vögeln:
            „ Danke Gott, dass wir keine Menschen sind!"

                                                                                  Ammar Fadloun, Mai 2016

Wann wird der Vorhang fallen?

Sechs dürre Jahre
            Und Jahre gefolgt von Jahren,
            und die Vorstellung ist noch nicht zu Ende...

Auf unsere Seelen! Auf unsere gebrochenen Rippen! Auf die zerfetzten verstreuten toten Körper
unserer Kinder!! Auf die Tränen unserer Frauen, die Blut weinen
Auf die Zerstörung dieses Zuhauses.

Was für ein verrückter Krieg, der sich nur an uns entfacht,
an unseren Kindern, Frauen und alten Leuten.

***

Würde es nie einen Regen geben,
der unser Land bewässert, anstelle unseres Blutes?

Verdient es dieses Leben, dass man sich dafür opfert?

***

Hast du deinen Durst noch nicht gestillt, indem du unser Blut trinkst?
Hast du es uns noch nicht genug heimgezahlt?
Ist es nicht Zeit, dass du den Vorhang fallen lässt?

Unsere Vorstellung geht weiter.
Die Theaterkasse ist gerammelt voll.
Das Publikum vergnügt sich noch.
Alle versammeln sich um diesen Tisch mit ihren Lügen,

Häme,
Heuchelei,
Und Erbärmlichkeit.

Sie reden noch immer über unsere Probleme.
Unsere Probleme mit unserem langsamen Tod.
Unsere verschiedenen neuen Arten es Todes.
Unseren Tod durch Hunger und Verzweiflung,
Gewehrkugeln,Wir hier sind jederzeit bereit zu kosten.

Können wir nicht einen schnellen Tod bekommen
und dann kann der Vorhang fallen?

Ei ei ei mein Heimatland! Wann wird der Vorhang fallen?

                                                          Ammar Fadloun, Mai 2016

Die Botschaft von einem törichten Mann

            Das ist ein Brief von einem törichten Mann.
            Hast du jemals einen Brief von einem törichten Mann erhalten, my lady?

            Wie auch immer, lies weiter, bitte!             Mein Name ist …
            Wie war mein Name?

            Lassen wir doch die Sache mit den Namen, wo doch die dümmsten
            Dinge, die wir annehmen, die Namen sind.

            Manchmal fürchte ich zuzugeben, woran ich denke …..
            Ich fürchte, wenn ich dies auch täte, würde der Himmel herunterfallen.

            Dein Westen, my Lady, hasst die Fremden,
            dein Westen hasst, was man die Vielfalt der Kulturen nennt.
            Dein Westen kennt weder Liebe noch Trauer.
            Ihr Westlichen betrachtet Liebe als ein Bildnis, gemalt ohne Farben.
            Weinen ist für euch eine Art von Lüge.

            Dein Westen hasst die FRÜHLINGE DES SÜDENS. er ordnet sie,
            um einen neuen zu schaffen, den er Jahreszeit des Blutes nennt
            Dein Westen tötet im Geheimen unsere Gedanken und
            ermordet unsere Träume.
            Dein Westen baut Schlösser der Freiheit für euch,
            aus Schädeln elender, unglücklicher Menschen.
            Und er baut Denkmäler großer Ehre, aber diese sind aus Blut!

            Du kannst von mir sagen, was du willst:
            töricht, dumm, verrückt, idiotisch ...ich mach mir
            nichts aus Beschreibungen oder Adjektiven.

            Ich schreibe diesen Brief für dich heimlich.
            Ich schreibe ihn ohne meine Anschrift.

            Auf den Umschlag schreibe ich:   
            Der Absender ist ein törichter Mann,
            der einmal ein menschliches Wesen war.

            Frag nicht nach mir, dein Wächter steht am Tor
            und wenn er mich sieht, wird er mich festnehmen.
            Obwohl bereits gefangen, wird er mich festnehmen
            und mich wegen Dummheit verurteilen.

            Es tut mir schrecklich Leid.
            Fühl dich durch meinen Brief nicht gestört.

            Ich sagte dir, er ist von einem törichten Mann.

                                                                      Ammar Fadloun, Mai 2016

         An eine außergewöhnliche Frau

         An eine außergewöhnliche Frau aus der Geschichte der Rosen
                                                                           und der Geschichte des Schreibens,
            an die eine, die als Schiff durch ein Meer von Tränen reist...
            die, während ich schreibe, zwischen der Feder und den
                                                                           schmachtenden Blättern wohnt.

            Trotz aller Sorgen und Bedrängnisse...
            Trotz aller Agonien und Schmerzen...
            Ich erinnere mich noch an jenen Tag.
            Es war ein außergewöhnlicher Tag.

            Ich erinnere mich noch an den Geschmack
            des Kaffees aus deiner Hand.
            Es war süßer Kaffee ohne Zucker.

            Ich erinnere mich noch daran,
            wie sie uns rief, während es regnete.
            Ich erinnere mich noch,
            wie sie sich für uns vor dem kalten Regen fürchtete.

            Sei nicht ängstlich my Lady.
            Die Wärme deiner Gefühle reicht aus,
                                den Regen zu stoppen.
            Sie reicht aus, um ein Licht
                                 in dieser Dunkelheit zu entzünden.
            Sie reicht aus, um ein Bild
                                 vom Geschmack des Lebens zu malen.
            Sie reicht aus, um uns zu sagen,
                                     dass es da etwas Wunderbares gibt im Leben.

            ***

            Ich versuchte, sie mit meinen Worten zu beschreiben,
            aber ich war dazu nicht fähig.
            All die Alphabete und Buchstaben, die ich gelernt hatte,
            konnten mir nicht helfen.

            Sie ist wunderbar.
            Nein, sie ist viel mehr als das.
            Sie ist menschlich.
            Nein, sie ist viel mehr als das.

            Sie ist so lebendig wie ein Mosaik,
            das die Geschichten der ganzen Menschheit erzählt.

            ***

            Ich versuche, mich deiner Eigenschaften zu entsinnen,
            aber mein Gedächtnis betrügt mich.
            Es zeigt mir nur Bilder deiner edlen Erscheinung
            und den Reichtum deiner Gefühle.
            Ich aber erinnere mich an ein Wesen,
            das durch keine Worte eingegrenzt werden kann.

            Wenn ich dir etwas schenken könnte,
            würde ich dir die Fähigkeit geben,
            dich mit meinen Augen zu sehen.
            Erst dann erkennst du, wie großartig du bist.

            An eine außergewöhnliche Frau
            An dich Elisabeth ……

                                                           Ammar Fadloun, Juni 2016

Aufruhr der Seele

Verzeih meinen Wahnsinn und mein unmögliches Benehmen.
Vergib mir, dass ich alle Längen- und Breitengrade überschritten habe.
Verzeih, dass ich alle Traditionen und Regeln der Höflichkeit ignoriert habe.
Bitte, vergib mir, ich muss nämlich gestehen,
ich mich geirrt habe.
Denn wenn ich meine Augen schließe,
wird die Sonne wieder aufgehen und auf mein Gesicht scheinen.

***

Liebe und Tod......
Sie sind einander gleich....

Wir wissen nicht, wann sie kommen
und wissen nicht, was nach ihnen sein wird.
Sie kommen und gehen ohne Erlaubnis
und wir können sie nicht hindern.

***

Ich nahm an, dass deine Liebe etwas Vorübergehendes war.
Ich nahm an, es wäre eine leichte Verletzung, die schnell wieder heilt.
Ich glaubte, es wäre Wetterwechsel oder eine Klimaschwankung.
Und nach jedem Zweifel sagte ich mir, ach ja, das vergeht schnell.

       Es war aber eine tiefe unheilbare Wunde im Herzen.

       Ich dachte, dass du dich auflösen würdest, wie eine Sommerwolke.
       Ich dachte, dass mein Verlangen nach deinen Augen
       ein kurzes Aufflammen wäre
       und mein Reden über dich nur törichtes Geschwätz.

       Ich erkannte erst später, dass ich mich ganz und gar geirrt hatte.
       Durch das Verschließen meiner Augen,
       konnte ich mich beruhigen mit der Vermutung,
       es sei doch nur eine leichte Irritation wie eine Unpässlichkeit.

       Nein es ist im Gegenteil eine Wunde im Herzen.

       Ein abgrundtiefer Schmerz der Seele.

       Ein erster Schritt zum Wahnsinn.

       Erster Schritt zum Leben.

                                                                                  Ammar Fadloun, Juni 2016