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Popkultur

"Stranger Things 2": Wir haben mit den Machern über die neue Staffel gesprochen

Die Duffer-Brüder über ihre Netflix-Hitserie, 'Ghostbusters', Kindheitsträume und das Spiel mit der Nostalgie.

von Charles Moss
30 Oktober 2017, 2:55pm

Foto mit freundlicher Genehmigung von Netflix

Es sind nur noch drei Wochen, bis Stranger Things 2 auf Netflix erscheint, als ich mit Matt und Ross Duffer telefoniere. Gerade sind sie damit beschäftigt, die letzten visuellen Effekte für die zweite Staffel ihres Serienhits fertigzustellen. Trotz des knappen Zeitfensters und der unfassbar hohen Erwartungen der Fans machen die beiden einen recht entspannten Eindruck.

Im Laufe unserer Unterhaltung wird mir schließlich auch klar, warum Stranger Things so erfolgreich ist. Neben den vielen popkulturellen Anspielungen auf die 1980er Jahre, der tollen Besetzung, den erstklassigen Effekten und der Liebe zum Detail ist es vor allem Leidenschaft, die die Serie so besonders macht.


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Und diese Leidenschaft macht Stranger Things so authentisch. Auch wenn die 80er Ästhetik und die vielen Popkulturreferenzen dabei helfen, die Geschichte von Will Byers und dem Upside Down – der anderen Seite – zu erklären, wollen Matt und Ross auf keinen Fall, dass diese den eigentlichen Kern der Serie überschatten: die Freuden, das Wundern und die Ängste des Kindseins.

Die Duffer-Brüder selbst haben die Sommer ihrer Kindheit damit verbracht, Filme mit ihren Freunden zu drehen. Von der vierten Klasse an sind sie mit einer Super-8-Kamera und einem Stativ im Gepäck auf Abenteuer in ihrer Heimatstadt Durham, North Carolina, gegangen. Ihre Eltern hatten dabei keine Ahnung, was sie genau trieben. Zusammen mit ihren Freunden sind einfach in den Wäldern verschwunden.

"Der größte und wichtigste Teil unserer Kindheit bestand darin, Filme zu machen", sagt Ross. "Es war unser Hauptantrieb im Leben, das auch hauptberuflich machen zu können und dabei gleichzeitig zu versuchen, das Gefühl dieser Sommer einzufangen."

Dazu schauten sie auch noch eine Menge Filme wie Stand by Me, E.T. und Poltergeist immer wieder und wieder auf VHS. Filme gucken, auf Abenteuer gehen und Geschichten kreieren, machte einen großen und wichtigen Teil der Kindheit der 33 Jahre alten Zwillingsbrüder aus. Vor allem Matt erinnert sich, wie er zum ersten Mal Die Goonies gesehen hat: "Dieser Film hat so einen unfassbaren Eindruck auf uns gemacht, weil er sich wirklich anfühlte, als würden wir uns selbst bei unseren Abenteuern zuschauen. Die Kinder in dem Film waren uns und unseren Freunden so ähnlich."

Stranger Things hat bei Rotten Tomatoes eine stattliche Wertung von 96 Prozent

Matt und Ross wollen, dass das Publikum von ihren Geschichten so mitgerissen wird, wie sie es bei den Filmen ihrer Kindheit waren. Bislang scheint das wunderbar zu funktionieren. Stranger Things ist laut Business Insider eine der erfolgreichsten Netflix-Sendungen und hat bei Rotten Tomatoes eine stattliche Wertung von 96 Prozent erhalten. Auf die hohen Erwartungen der Fans reagiert Ross recht bodenständig: "Du musst einfach nur versuchen, dir selbst gerecht zu werden oder dem, was du cool findest", erklärt er. "In dem Augenblick, in dem du zu überlegen beginnst, was einem großen Publikum gefallen würde, versagst du."

Eine Sache, die über all die Jahre bei ihnen geblieben ist, ist diese bestimmte Art des Geschichtenerzählens, die man aus vielen Filmen der 80er kennt: Coming-of-Age-Storys verpackt als Abenteuer-Thriller. Bei fast allen Filmen, die die Duffer-Brüder bewunderten, ging es um Kinder wie sie, die in diesen epischen und persönlichkeitsverändernden Abenteuern endeten. "Das war eine Art von Geschichte, die unserer Meinung nach auf dem Markt fehlte", erklärt Matt.

Ross ergänzt schnell: "Ich würde behaupten, dass diese Erzählform auch funktionieren kann, ohne nostalgisch zu sein. Wir haben es aus bestimmten Gründen in den 80ern angesiedelt, nicht aus purer Nostalgie. Selbst wenn du so eine Geschichte nicht in den 80ern geschehen lässt, würde sie beim heutigen Publikum gut funktionieren."

Ross hofft, dass sich die Serie anfühlt, als wäre sie 1983 entstanden

"Als wir anfingen, Stranger Things zu schreiben, haben wir mit der Dungeons & Dragons-Szene begonnen", sagt Matt. "Wir hatten sie in zwei Minuten fertig. Sie kam einfach so aus uns herausgesprudelt, weil wir uns selbst so nah dabei waren. Wir mussten uns einfach in dieses Gefühl zurückversetzen, das wir als Kinder hatten. Das war das erste Mal, dass ich das erlebt habe. Normalerweise versuchst du ja, eine Stimme einzufangen, die du emulierst – etwas, das nicht wirklich du bist. Weil es so persönlich war, war es auch so leicht zu schreiben."

Ross hofft, dass sich die Serie anfühlt, als wäre sie 1983 entstanden. Dementsprechend achten sie auch darauf, was für Anspielungen sie machen und wie oft. "Ja, die Kinder werden über Star Wars sprechen. Ich meine, in E.T. hast du Yoda-Anspielungen, nicht wahr? Davon waren die Kinder damals einfach besessen."

Matt schiebt noch eine Sache zur zweiten Staffel nach: "In der Halloween-Folge verkleiden sie sich alle als Ghostbusters. Wir sind damals auch als Ghostbusters gegangen. Das ist also nicht in der Art von 'Oh mein Gott, erinnerst du dich noch an Ghostbusters?' gemeint. Zuschauer, die damals klein waren, haben sich vielleicht auch als Ghostbusters verkleidet. Als wir klein waren, haben wir Ghostbusters geliebt. Also lieben die Kinder in der Serie auch Ghostbusters."

Matt und Ross Duffer am Set von Stranger Things | Foto: Jackson Lee Davis | Netflix

Ihren ganzen Bemühungen zum Trotz ist die Serie auch gerade wegen ihres Nostalgiefaktors so beliebt – selbst bei denjenigen, die wie die Duffers die prägenden Jahre ihrer Kindheit erst in den 90ern erlebt haben. "Ich glaube, was alle daran etwas überrascht hat, ist, dass es auch so gut bei der jüngeren Generation ankommt", erklärt Matt. "Ich glaube allerdings, dass diese Zeit für jüngere Menschen etwas Ansprechendes hat – diese Freiheit, bevor es Handys gab, und die Art und Weise, wie Kinder damals aufgewachsen sind."

Die Fortsetzung konzentriert sich auf den von der anderen Seite zurückgekehrten Will Byers

Für die zweite Staffel haben die Brüder, wie es sich für eine ordentliche Fortsetzung gehört, auf ihren Erfahrungen aufgebaut, die sie mit der ersten Staffel gemacht haben – aus der Story selbst und den Sichtweisen der Schauspieler. Die Geschichte konzentriert sich nun vor allem auf den von der anderen Seite zurückgekehrten Will Byers (Noah Schnapps) und den Konsequenzen seiner Rückkehr. Dazu wird die Geschichte um weitere Figuren ergänzt: Aliens-Veteran Paul Reiser spielt einen Wissenschaftler vom Energieministerium, Goonie Sean Astin spielt Bob Newby, der zusammen mit Joyce Byers und Sheriff Hopper zur Schule gegangen ist, und dann gibt es noch Sadie Sink, Linnea Berthelsen und Dacre Montgomery.

Und auf wie viele Staffeln Stranger Things dürfen wir noch hoffen? Die Brüder wollen sich da nicht festlegen. "Wir wollen einfach sichergehen, dass wir jedes Jahr Spaß daran haben und nicht auf der Stelle treten", so Ross. "Wir wissen, wie das Ende aussieht. Wir wissen also, wohin wir uns bewegen. Wir überlegen nur gerade, wie lange wir brauchen werden, um dorthin zu kommen."

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