Anzeige
Tech

Das Schwarze Loch in der Mitte unserer Galaxie ist aufgeleuchtet – und keiner weiß warum

An einem Tag im Frühling strahlte es 75-mal heller als sonst. Jetzt rätseln Forschende, was da los ist.

von Becky Ferreira
14 August 2019, 10:27am

Eine Simulation eines supermassereichen Schwarzen Lochs | Bild: NASA, ESA und D. Coe, J. Anderson und R. van der Marel (STSCI)

Das supermassereiche Schwarze Loch in der Mitte unserer Galaxie leuchtet seit einiger Zeit immer wieder auf. Ein mysteriöses Phänomen, das sich niemand wirklich erklären kann.

Der dunkle Koloss mit dem Namen Sagittarius A* besitzt 4,1 Millionen mal so viel Masse wie die Sonne. Durch die starke Schwerkraft entweicht kein Licht aus dem Schwarzen Loch, trotzdem können Astronomen beobachten, wie es mit umliegenden Sternen und Staubwolken interagiert.

In einer Nacht Mitte Mai beobachtete der Astronom Tuan Do zusammen mit seinen Kollegen Sagittarius A* durch das Keck-Teleskop auf dem Gipfel des hawaiianischen Bergs Mauna Kea. In einem Zeitraum von nur zwei Stunden wurde das Forschungsteam dabei Zeuge, wie das Schwarze Loch 75-mal heller wurde. Das Aufleuchten geschah aber in einem Teil des Lichtspektrums, der für das menschliche Auge unsichtbar ist, nämlich im nahen Infrarot-Bereich. So hohe Strahlenwerte in dieser Wellenlänge wurden den Forschenden zufolge noch nie zuvor gemessen, heißt es in einer bald erscheinenden Studie von Tuan Do. Und der Unterschied ist beachtlich: Seit 20 Jahren beobachten Astronominnen und Astronomen das Schwarze Loch und kennen die Höchstwerte seiner Strahlung; in der Mainacht wurde dieser Höchstwert verdoppelt.

"Die Helligkeit von Sagittarius A* ändert sich ständig, das Schwarze Loch kann innerhalb von Minuten oder Stunden heller und schwächer werden. Im Grunde flackert es wie ein Kerzenlicht", schrieb Do in einer E-Mail an VICE. "Wir glauben, dass dieses Jahr etwas Außergewöhnliches zu beobachten sein wird, weil das Schwarze Loch so hell zu werden scheint, wie wir es noch nie gesehen haben."

Warum leuchtet der Kern unserer Galaxie plötzlich auf? Das Forschungsteam vermutet, das Schwarze Loch könnte mit naheliegenden Objekten im Wechselspiel stehen.

Das Schwarze Loch könnte auf eine Staubwolke getroffen sein

Die äußere Grenze eines Schwarzen Lochs heißt Ereignishorizont und wird durch mächtige Gezeitenkräfte geformt. Diese Kräfte ziehen alles an, was dem Loch zu nahe kommt. Sobald ein Schwarzes Loch Sterne oder Gaswolken anzieht und verschlingt, heizen die sich auf – und mit dem Teleskop lassen sich Blitze beobachten. Eine Art galaktischer Schluckauf?

Do und sein Team vermuten, dass ein gigantischer Stern fast auf das Schwarze Loch getroffen ist. Der Stern heißt S0-2 und ist ungefähr 15-mal so massiv wie unsere Sonne. 2018 kam S0-2 dem Schwarzen Loch sehr nahe, der Abstand betrug damals nur 17 Lichtstunden. Dieses enge Vorbeiziehen könnte den Forschenden zufolge genug Gase am Ereignishorizont aufgewirbelt haben, um das Schwarze Loch so hell wie noch nie aufleuchten zu lassen.

1565636669354-Dusty_cloud_G2_passes_the_supermassive_black_hole_at_the_centre_of_the_Milky_Way
Die Staubwolke G2 nähert sich Sagittarius A* | Foto: bereitgestellt von ESO/A. Eckart

Ein anderer Grund könnte eine Staubwolke namens G2 sein, die 2014 mit einer Entfernung von rund 36 Lichtstunden an Sagittarius A* vorbeizog. Wissenschaftler gingen damals davon aus, dass G2 von dem Schwarzen Loch zerrissen würde. Letztlich konnten sie aber nichts derart Spektakuläres beobachten. Das Forscherteam um Do vermutet nun, dass das Aufleuchten im Mai die erhoffte Reaktion auf die Staubwolke gewesen sein könnte.

Do fragt sich, ob das Aufleuchten nur ein kurzes Ereignis war, oder ob sich das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie nun immer so verhalten wird. "Ich hoffe, dass wir so noch möglichst viele Daten sammeln können. Wir tappen bei vielen Aspekten noch im Dunkeln", schrieb er. Viel Zeit bleibt den Forschenden dieses Jahr aber nicht mehr, denn bald wird sich die Sonne vor den Abschnitt des Himmels schieben, in dem sich das Schwarze Loch beobachten lässt. Dann müssen sich die Forschenden bis zum nächstes Jahr gedulden.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.