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Hellsehen

Ich habe eine Wahrsagerin gefragt, was wir 2016 essen werden

Wenn selbst Kim Kardashian ihr Schicksal in die Hände der Psychic Sisters legt, müssten sie doch auch vorhersagen können, was das neue Jahr für die Welt der Foodies bereithält. Das Ergebnis war, nun ja, semi-überzeugend.

von Gareth May
06 Januar 2016, 9:00am

Als ich das letzte Mal bei den Psychic Sisters in London war, hat mir Wahrsagerin Jayne Wallace, der auch Kim Kardashian voll vertraut, meinen Tee gelesen. Eine ziemlich abgefahrene Erfahrung.

Jetzt will ich natürlich wissen, was das neue Jahr für die Welt des Essens bereit hält. Was wird auf unseren Tellern liegen? Wo werden wir essen? Werden wir alle durch verdorbene Dosenravioli sterben?

Jayne fühlt sich heute nicht so gut, deshalb schickt sich mich zu ihrer erfahrenen KolleginCatherine Lewington. Sie kann die Zukunft voraussagen, dich heilen und ist außerdem Expertin in Psychometrie und für Tarot. Außerdem sieht sie ein bisschen aus wie Super Gran (die Oma mit dem Röntgenblick)—das reicht, um mich zu überzeugen.

Catherine hat eine ziemlich beeindruckende Karriere als Wahrsagerin hingelegt (die Psychic Sisters sind immerhin die Crème de la Crème der Hellseher, zumindest in Großbritannien). Beim Kochen läuft es, meint sie selbst, jedoch nicht so gut.

ARTIKEL: Spargel kann die Zukunft voraussagen

„Bei mir brennt sogar Luft an", sagt sie, als sie mich aus der Astrolounge in einen kleinen Raum führt.

Angekommen packe ich meine Tupperdosen aus. Hoffentlich kann Catherine die Energieströme deuten und uns so die Zukunft voraussagen. In die Dosen habe ich verschiedenes Zeug gepackt: Reis, Bohnen, Zucker und Tee. Als ich meine „Zutaten" so ausbreite, fühle ich mich ein bisschen wie bei der Hellseher-Version vom Kochduell.

Also, erste Frage: Was werden wir 2016 essen?

Catherine fummelt an den Tupperdosen herum, lässt den Inhalt aber unberührt. Mit einem Hauch Wehmut in der Stimme sagt sie dann: „Landwirte werden eine neue Blumenkohlsorte züchten."

Woher hat sie das? Beschwört sie unsichtbare Geister herauf? Aber das war's noch nicht:

„Rhabarber und Pilze können wir bereits schnell heranziehen. Warum klappt das nicht bei grünem Gemüse?", fragt sie. „Wir können das schaffen. Mehr Wasser."

Dann wird sie wieder totenstill und ich glaube, das war das Ende der ersten Vorhersage für dieses Jahr.

„Landwirte werden eine neue Blumenkohlsorte züchten."

Ist doch gar nicht so übel, mal einen Blick in die Zauberkugel zu werfen, oder? Nächstes Jahr gibt es neuen Blumenkohl und wir schaffen es endlich, grünes Gemüse schneller hochzuziehen.

Dann nimmt sie sich den Tee vor: „Was machen wir beim Teetrinken? Wir setzen uns hin. Wir kommunizieren, essen Kuchen und haben Spaß. Aber wirklich?"

Sie tut so, als würde sie Candy Crush auf einem Smartphone spielen.

„Eine nachmittägliche Teezeremonie, frisch aufgebrüht,heiße Milch—alles egal. Was ich hier viel stärker spüre, ist dieses Gefühl, wenn man jemanden einfach einmal am Tag bei einer guten Tasse Tee trifft. Mehr Nächstenliebe und Achtsamkeit, ein Gemeinschaftsgefühl sozusagen", fährt sie fort.

Eine ziemlich vage Voraussage, klar, aber sie hat nicht ganz Unrecht. Tee wird wieder ganz groß geschrieben: Beretis Ende letzten Jahres gab es in London immer mehr Teehäuser: Amanzi hat eine zweite Filiale in Soho eröffnet genauso wie Good & Proper Tea. Auch für uns wird Tee ein ganz großes Thema sein, das weiß ich.

Jetzt geht es an unsere Essgewohnheiten 2016: Dafür wirft Catherine ein paar meiner Lebensmittel in die Luft und liest dann in den Mustern, die sie auf dem Tisch bilden. Zuerst der Reis: Sie nimmt eine kleine Portion in der Hand, umschließt sie fest (als würde sie sich ganz fest einen Kniffelwünschen) und wirft ihn dann auf den Tisch.

„Wir haben hier eine Karte", erklärt Catherine. Ich gehe zu ihr herüber, um mir das besser anschauen zu können. „Hier ist Florida", fährt sie fort und zeigt auf den Teil der „Karte", der erschreckenderweise ziemlich wie Florida aussieht. „Woher kommen die meisten Erträge, die Grundnahrungsmittel? Aus Zentralamerika. Von den Central Plains. Dort zieht ein Konflikt auf. Schlechtes Wetter in Amerika. Es gibt Dürre. Dieser Konflikt wird nicht mit Waffen ausgetragen, sondern mit der Erde selbst."

Sie zählt Länder auf, in denen Reis zum Hauptnahrungsmittel gehört: Vietnam, die Philippinen, Indien, Pakistan, China, Japan und Russland. Dann sagt sie: „Nächstes Jahr wird viel über Nahrungsmittel diskutiert."

Jetzt sind die Bohnen an der Reihe. Catherine schmeißt sie wieder hoch und sie verteilen sich auf dem Tisch in kleinen Häufchen, dazwischen große Lücken.

„Ziemlich magere Zeiten, aber das ändert sich. Es fügt sich alles wieder zusammen und es gibt ein Comeback. Das muss man unterstützen. Aber es wird mehr von diesen Bohnen geben."

„Die Köche werden einbrechen. Sie müssen hart arbeiten und kommunizieren, um wieder zurückzukommen. Der Einzelne kann denken. Gemeinsam können sie handeln. Wenn sie zusammenkommen, sind sie stärker."

Aus der Bohnenkarte liest Catherine heraus, dass wir nächstes Jahr „zu unseren Wurzeln zurückkehren"—Hülsenfrüchte, Bohnen und lagerfähiges Essen, die Grundnahrungsmittel. Aber es gibt, sagt sie, ein Problem, denn Bohnen sind einfach nicht im Trend und auch Haferbrei ist nicht wirklich cool.

Catherine meint, es braucht einen Koch, der die Leute anspornt und inspiriert.Das führt mich zu meiner nächsten Frage: Wie sieht die Zukunft unserer Starköche aus?

Dafür befragt sie ihre Tarotkarten und bittet mich zu mischen.

ARTIKEL: Wie Menschen uns dieses Jahr das Essen versaut haben

„Ihr Schicksal liegt in deinen Händen", sagt sie mit schauriger Stimme. Dann fragt sie mich nach meiner konkreten Frage:

„Äh, welche Trends sehen die Starköche 2016. Ich weiß, die Frage ist ziemlich kniffelig…"

Catherine unterbricht mich: „Wie wäre es mit folgender Frage: Werden die Köche endlich das kochen, was die Menschen sich wünschen? Ähnlich wie Mel Gebison in Was Frauen wollen…" Ihr Stimme wird leiser und sie teilt die Karten aus.

Von links nach rechts zeigen die Karten die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Sie stehen für einen Fremden, eine Reise und Freundschaft.

„Es wird Ereignisse geben, durch die wir uns erheben können. Die Köche werden einbrechen. Sie müssen hart arbeiten und kommunizieren, um wieder zurückzukommen", erklärt Catherine und erinnert mich damit ein bisschen an Gandalf. „Der Einzelne kann denken. Gemeinsam können sie handeln. Wenn sie zusammenkommen, sind sie stärker."

Das klingt irgendwie stark nach Die Gefährten

Das sage ich ihr natürlich nicht. Ich nicke einfach nur, obwohl ich eigentlich nicht weiß warum. Eine Gruppe kämpferischer Starköche, die die Welt vom Zucker befreit? Gordon Ramsey im Latexanzug? Urgh, das will niemand sehen, nicht einmal in einer Zauberkugel.