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Wie mein nigerianischer Name in den Dreck gezogen wird

Exotische Namen sind schlimmer als chronischer Durchfall und können zum Hirntod führen.

von Nora Osagiobare
09 Februar 2015, 5:30am

Foto der Autorin

„Otto, Susanne, Anna, Georg, Ida, Otto, Berta, Anna, Rudolf, Emil." Das hat meine Mutter am Telefon immer gesagt, wenn sie nach unserem Nachnamen gefragt wurde. Ich dachte damals, ich hätte zehn Nachnamen und war stolz darauf.

Mein voller Name lautet wie folgt: Nora Osayuki Osagiobare. Ha. Gibt es nur einmal, Mann. Den zweiten Vornamen erwähne ich wenn möglich gar nicht. Sonst drohen akute Legasthenie oder sogar Hirntod.

Foto von Achim Hering | Wikipedia | CC BY 3.0

Mit einem komplizierten Namen hat man in der Schweiz etwa so viel Spaß wie mit chronischer Verstopfung. Buchstabieren gehört schon mehr zum Alltag als Zähneputzen (bei mir jedenfalls) und man erntet anstatt Dank meistens Stirnrunzeln. Hier eine Liste der bescheuertsten Reaktionen auf meinen Namen, Osagiobare. So schwer ist das nicht, du Arsch.

„Ist das Italienisch? Wegen dem -gio-, weißt du."
Wurde ich von den Zeugen Jehovas gefragt. Und meinem Chorlehrer. Und noch vielen anderen Idioten.

„Ist das japanisch?"
Sehe ich so aus, du Vollidiot?

Nora Osagiobart
Adressierter Brief an mich. Ohne Scheiß. Von einer Organisation, der ich Geld spende. Ich gebe denen Geld. Und das ist der Dank. Übrigens: Nicht einmal meine Schweizer Verwandten wissen, wie ich heiße.

„Warte mal ... Osigi ... Osagu ... Ah ja: Osigiaburi!"
Viele meiner Freunde können sich meinen Namen nicht merken und versuchen es auch gar nicht. Meine ehemalige Chefin nannte mich übrigens nur Frau Nora.

„Was? Mit dem Namen bist du also schon gestraft! Haha."
Telefongespräch mit meiner Vermieterin. Haha. Sehr lustig.

Foto von Maarten ter Keurs; Flickr; CC BY 2.0

„Ach, wie auch immer!"
Ehemalige Vorgesetzte und dumme Kuh, nachdem sie erfolglos versucht hat, meinen Namen in ihrem Minihirn zu rekonstruieren.

„Nigeria? Neein, eh nicht, oder? Ich dachte, du bist aus Brasilien!"
Reaktion der meisten Afrikaner, wenn sie meinen Namen hören.

„Zum Glück kannst du ja deinen Namen wechseln, wenn du heiratest."
Zum Glück kann ich den Raum wechseln, wenn du da bist.

„Ja ich weiß total, was du meinst. Mich fragen auch immer alle, ob man Meier mit y oder i schreibt!"
Entschuldige, aber das lässt sich nicht wirklich vergleichen. OK? OK.

Foto von Magnus Manske | Wikipedia | CC BY 2.0

Dass man einen Nachnamen hat, ist einem so gut wie nie bewusst. Das ist normal. Erst wenn man ihn nennen muss, wird einem klar, dass man ja so etwas besitzt, dann wird man plötzlich zum Identitätsträger. Und wenn diese Identität in den Dreck gezogen wird, dann macht das jeden (macht das mich!) sehr wütend. Deshalb bitte ich euch, ihr Menschen: Seid weniger asozial.

Ich mache auch keinen blöd an, weil er einen fetten Arsch oder eine krumme Nase hat (auch wenn ich manchmal durchaus Lust dazu hätte). Jemanden wegen seines Namens auszulachen, finde ich sogar noch lächerlicher. Wir beschäftigen uns sonst mit viel komplexeren Dingen als exotischen Namen. Verbrennung von Glukose zum Beispiel oder dem kategorischen Imperativ. Auch wenn dich leider niemals jemand in einer Prüfung fragen wird, wie ich heiße, hast du zumindest meinen Respekt, wenn du es versuchst. Wenigstens das.

Nora Oosaagiioobaaree auf Twitter: @nora_nova