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Popkultur

Arafat Abou-Chaker sucht den Deutschrap-Star

Ist es ein gutes Zeichen, wenn er schon per Instagram nach Hobby-Rappern für sein neues Label fahnden muss?

von VICE Staff
06 Februar 2019, 11:42am

Collage: VICE || Arafat Abou-Chaker: imago | Olaf Wagner || DSDS-Logo: imago | Future Image

Es gibt viele Dinge, die man Arafat Abou-Chaker vorwerfen kann. Dass er und seine Familie Millionen mit illegalen Geschäften gemacht haben sollen. Dass er sich in die Herzen seiner Businesspartner schleicht, indem er ihnen deutlich reduzierte Küchenzeilen vermittelt. Oder dass er geplant haben soll, die Familie seines Ex-Partners Bushido zu entführen und dessen Frau Anna Maria anzugreifen (er bestreitet die Vorwürfe.) Eine Sache ist das Oberhaupt des Abou-Chaker-Clans allerdings nicht: träge.

Gerade erst wurde Arafat aus der Untersuchungshaft entlassen, und schon arbeitet er daran, sich seine Position als Deutschrap-Pate zurückzuerobern. Weil zu ersguterjunge kein Weg zurückführen dürfte, hat der 42-Jährige einfach ein eigenes Label gegründet: S44. Bisher mit dabei sind Ex-EGJ-Signing Ali Bumaye und der noch unbekannte Rapper Baler. Weil aller guten Dinge drei sind, außer wenn es darum geht, wie viele Wochen man als Clan-Chef in Untersuchungshaft sitzt, sucht Arafat nun nach einem dritten Künstler. Und hat sich dafür anscheinend einiges bei klassischen Casting-Shows abgeguckt.

"An Alle da draußen: Das Label ist fast komplett", postete der Labelchef, Restaurantbesitzer und Papageienfreund am Dienstagabend auf seinem Instagram-Kanal. Aber: "Ich möchte einem weiteren Künstler die Chance geben, ein Teil davon zu werden. Überzeugt uns und am Ende werden die Zuschauer über ein Voting auf dem S44 YouTube-Channel entscheiden, wer gesignt wird." Wer glaubt, der nächste Bushido – oder zumindest der nächste Kay One – werden zu können, kann sich per Mail unter demo@spinne44.de bewerben.

Das wirft zuerst einmal einige Fragen auf. Ob es ein gutes Zeichen ist, wenn der Ex-Partner von Bushido via Instagram nach ungesignten Hobby-Rappern fahnden muss, zum Beispiel. Oder: Ob es unter den ersguterjunge-Scheidungskindern nicht noch jemanden gibt, der verzweifelt auf der Suche nach einem Plattenvertrag ist. Sagen wir mal … Laas Unltd.? Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass YouTube-Aufrufzahlen nicht unbedingt der einzige Gradmesser für künstlerische Qualität sind – und es ganz so klingt, als würde Arafat am Schluss danach entscheiden, welcher Bewerber die meisten Klicks gesammelt hat.

Wer sich bisher gefragt hat, wofür zur Hölle das S in S44 stehen soll, hat allerdings auch eine Antwort bekommen. Versteckt in der angegebenen Label-Website, die aktuell leider noch in Arbeit zu sein scheint: Spinne 44. Womöglich in Anlehnung an die gleichnamige kriminelle Jugend-Gang, um die in den 90ern ein regelrechter "Mythos" entstanden sein soll.


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Mythos heißt übrigens auch Bushidos letztes Album. Im dem Track "Mephisto" bezeichnete der Platin-Rapper seinen ehemaligen Geschäftspartner Arafat als "König der Hyänen", als "Teufel und Diktator" und als "Lügner ohnegleichen". Den Gangster-Rap-Nachwuchs scheint das allerdings nicht zu beeindrucken. Die einen verkünden in den Kommentaren zu Abou-Chakers Post begeistert, bereits ihre Videos eingeschickt zu haben oder markieren ihre rappenden Freundinnen und Freunde. Die anderen machen sich über seinen Aufruf lustig. Die Schlammschlacht um die ersguterjunge-Trennung scheint also nicht nur Bushidos, sondern auch Arafats Straßenkredibilität geschadet zu haben.

"Muss ich später dann auch Polizeischutz nehmen?", will ein Nutzer wissen. "Ich hab gehört das in Tempelhof ein recht unbekannter Rapper bald labellos ist, sein altes Label zerfällt gerade komplett", schreibt ein anderer. "@bush1do heißt der Typ, er macht richtig geilen Untergroundshit. Solltest du dir mal genauer ansehen! Mit dir @arafat im Rücken kann er der King der Szene werden."

Ob Arafat Abou-Chaker mit S44 an die Erfolge von ersguterjunge anknüpfen kann? Fragwürdig. Das erste Video auf dem YouTube-Kanal des Labels, "Jordan Elephant" von Ali Bumaye, bringt es nach zwei Wochen erst auf knapp 325.000 Views.

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