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The Weird Science Issue

Weltraummüll hält uns vielleicht für immer auf der Erde fest

Wenn wir unseren Dreck weiterhin in diesem Tempo in die unendlichen Weiten schleudern, stehen wir in Zukunft vor ernsthaften Problemen: Durch diese Trümmerteile werden wir keine Raumfahrzeuge mehr schicken können.
28 November 2012, 7:26amUpdated on 28 November 2012, 8:39am

Abbildung mit freundlicher Genehmigung der NASA

Nachdem wir Menschen es fertiggebracht haben, Erde, Wasser und Luft mit Unmengen unserer ekelhaften Hinterlassenschaften zu verdrecken, sollte man annehmen, dass wenigstens das Weltall verschont bliebe. Aber nein—die Leere um unseren Planeten füllen wir rapide mit Müll und Trümmerteilen. Wenn wir unseren Dreck weiterhin in diesem Tempo in die unendlichen Weiten schleudern, stehen wir in Zukunft vor ernsthaften Problemen: Durch diese Trümmerteile werden wir keine Raumfahrzeuge schicken können, und es wird viel schwieriger, gar unmöglich, die Galaxis zu erforschen. Um zu erfahren, was genau auf uns zukommt, sprach ich mit Don Kessler, Astrophysiker bei der NASA, der einer der Ersten war, der auf die unerfreulichen Folgen von zu viel Müll in der Erdumlaufbahn hinwies.

VICE: War uns eigentlich damals, als wir erstmals Raketen und Satelliten in den Orbit schossen, bewusst, dass Weltraummüll einmal zum Problem werden würde?
Don Kessler: Nein. Die meisten Menschen waren damals Anhänger der „Big-Sky“-Theorie. Laut derer kann man unbegrenzt Material in den Weltraum schießen. Die Leute dachten, das Material würde im interplanetarischen Raum landen, tatsächlich aber sammelte sich alles dicht gedrängt im erdnahen Orbit.

Wenn ich das richtig verstehe, erreichen wir vielleicht irgendwann einen Punkt, an dem es für die Raumfahrt extrem schwierig wird.
Ja, auf lange Sicht schon. Dieser unkontrollierbare Zustand liegt aber noch weit in der Zukunft. Wenn Satelliten bei hoher Geschwindigkeit kollidieren, entstehen laut den Gesetzen der Physik bei jeder Kollision etwa 100 neue Fragmente, die groß genug sind, weitere Satelliten zu zerstören. Bricht ein Satellit auseinander, können die kleineren Fragmente Raumfahrzeuge beschädigen.

Wie klein sind denn diese Fragmente? So klein wie Nüsse oder Schrauben?
Oh, noch viel kleiner. Am STS-7 Shuttle musste ein Fenster ersetzt werden, da es von einem Farbpartikel von etwa einem Zehntelmillimeter Durchmesser getroffen wurde, welcher ein vier bis fünf Millimeter großes Loch in der Frontscheibe hinterließ. Das reichte aus, um einen weiteren Start unmöglich zu machen.

Diese Trümmer bewegen sich mit extrem hoher Geschwindigkeit, richtig?
Ja. Allein um im Orbit zu bleiben, ist schon eine Geschwindigkeit von sieben Kilometern pro Sekunde nötig. Da all der Schrott und die Raumflugkörper die Erde in verschiedenen Richtungen umkreisen, finden Kollisionen bei Geschwindigkeiten zwischen 0 und 14 Kilometern pro Sekunde statt. Zum Beispiel im Fall der Kollision der Satelliten Iridium 33 und Kosmos-2251 im Jahr 2009. Ich warne vor der­artigen Ereignissen schon seit 1978.

Wie verhindern wir dann, dass wir diesen Planeten zu unserem Gefängnis machen?
Das ist wie beim Klimawandel; je länger man abwartet, desto schwieriger wird es, etwas rückgängig zu machen. Ich schätze, wir können vielleicht noch 100 Jahre wie bisher weitermachen, aber danach wird es problematisch.

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