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Klimawandel

Dänemark kämpft um eine Klimasteuer auf rotes Fleisch

Geht es nach dem dänischen Ethikrat, einem unabhängigen Gremium, das die Regierung berät, können die Essensgewohnheiten der Dänen nur durch eine politische Maßnahme geändert werden.
27.4.16
Foto von Taryn via Flickr

Wenn es um Umweltthemen wie Nachhaltigkeit geht, ist Dänemark meist ganz vorn mit dabei. Und sie wissen auch das ein oder andere über gutes Essen. Manchmal kommen die zwei Bereiche zusammen, zum Beispiel als sich unser Kopenhagener Lieblingsrestaurant noma für den Zero-Waste-Ansatz entschieden hat oder als eine Wohltätigkeitsorganisation in Kopenhagen einen Supermarkt eröffnet hat, in dem nur abgelaufene Produkte verkauft werden.

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Jetzt hat der kleine Küstenstaat wieder zugeschlagen und lässt alle anderen Länder mit seinen neuesten Plänen wie selbstsüchtige, rücksichtslose Umweltsünder aussehen. Wie The Local berichtet, fordert der dänische Ethikrat, ein unabhängiges Gremium, das die dänische Regierung berät, eine Klimasteuer auf rotes Fleisch, um so den Konsum von rotem Fleisch einzudämmen und gegen den Klimawandel zu kämpfen.

Sechs Monate lang hat sich der Ethikrat beraten, ob sie die Regierung dazu auffordern sollen, in die Essgewohnheiten der Dänen einzugreifen.Sie kamen zu dem Schluss, dass eine politische Maßnahme notwendig ist, damit die Dänen ihre Ernährungsweise so weit verändern, dass weltweite Umweltziele erreicht werden könnten.

„Um effektiv gegen klimaschädliche Lebensmittel vorgehen zu können und dabei auch gleichzeitig das Bewusstsein für den Klimawandel zu schärfen, müssen wir geeint vorgehen. Die Gesellschaft muss daher ein klares Signal durch eine neue Vorschrift setzen", so Mickey Gjerris, ein Sprecher des Ethikrates.

Wenn du dir mit unwissender Glückseligkeit ein Porterhouse-Steak nach dem anderen reinziehst, hier noch mal zur Erinnnerung: Eine Ernährung mit viel Fleisch ist nicht gerade gut für die Umwelt (oder deine Gesundheit). Durch die Viehwirtschaft entstehen circa 18 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, braucht man gut 15.000 Liter Wasser und während die Kühe die ganze Zeit wiederkäuen, pupsen sie massenweise Methan in die Atmosphäre. Das Treibhauspotenzial (GWP) von Methan ist berechnet auf 20 Jahre 84-mal höher als das von Kohlenstoffdioxid.Und um dem Ganzen noch einen draufzusetzen: 26 Prozent der eisfreien Flächen unseres Planeten werden laut UN für Weideflächen für Viehzucht, 33 Prozent der Ackerflächen für die Futtermittelproduktion genutzt.

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Das Wasser steigt uns also bis zum Hals (wortwörtlich). Weniger Fleisch zu essen ist da vielleicht eine kluge Entscheidung. Wie eine Studie jüngst herausgefunden hat, könnten die Treibhausgase um 70 Prozent reduziert werden, wenn alle vegan wären. Sogar der Terminator Arnold Schwarzenegger ist mit dabei und hat die Menschheit öffentlich dazu aufgerufen, weniger Fleisch zu essen.

Der dänische Dachverband für Agrar- und Ernährungswirtschafthat aber sofort zurückgeschossen und meint, dass die Neueinführung einer Steuer sehr aufwendig sei im Vergleich zu den Ergebnissen. Die Regierungspartei Venstre wird der Empfehlung des Ethikrates wahrscheinlich nicht folgen.

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„Dadurch würde in Dänemark vielleicht weniger Rindfleisch konsumiert werden, aber das würde nicht viel an den globalen CO2-Emissionen ändern", so ein Sprecher der Partei.

Der Ethikrat träumt trotzdem weiter und wünscht sich, dass alle klimaschädlichen Lebensmittel in Zukunft besteuert werden.