Einbrecher und Bankräuber erzählen von ihren denkwürdigsten Verbrechen
Foto: Imago I MITO
Kriminalität

Einbrecher und Bankräuber erzählen von ihren denkwürdigsten Verbrechen

Vier Geschichten von Diamanten, Pornos, Reue und quietschenden Reifen.
26.7.17

So viel vorne weg: Alle vier Verbrecher bereuen inzwischen ihre Taten. Der eine ein bisschen mehr, der andere weniger. Kriminell ist heute keiner mehr von ihnen. Uns haben sie die Taten erzählt, die sie am meisten bewegten.

Diamanten

Dieser Einbrecher aus Berlin möchte anonym bleiben. Er wurde für diese Tat nie verurteilt.

"Ein Komplize von mir hat sich mit Absicht an ein reiches Mädchen rangemacht. Sie war eigentlich sehr süß. Aber sie hatte Eltern mit viel Geld. Er wollte eigentlich nur in ihr Haus. Einmal waren er und das Mädchen zusammen im Club. Er zog ihr den Schlüssel aus der Tasche und gab ihn mir. Ich musste nur ihre Tür aufsperren. Vorher hat er mir beschrieben, wo der Schmuck versteckt war: in einem Kleiderschrank in einem Kästchen.

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Darin waren Goldschmuck und ein paar Uhren. Das Wertvollste war eine goldene Kette mit einem Herz als Anhänger, darin waren Diamanten. Allein diese Kette war einige Zehntausend wert. Es gibt sie nur ein paar Mal auf der Welt.

Als ich aus dem Haus bin, habe ich einfach die Tür zugesperrt. Auf der Straße habe ich einem Jungen Geld gegeben, dass er die Tür eintritt. Es sollte aussehen wie ein Einbruch. Ich bin dann zurück in den Club, habe meinem Kumpel zugezwinkert und er hat dem Mädchen den Schlüssel heimlich wieder in die Tasche gesteckt.

Hinterher habe ich festgestellt: Die Kette ist schwerer zu verkaufen als ein Picasso. Ein Juwelier sagte zu mir: Du wirst ganz, ganz wenig Geld dafür bekommen. Weil die Kette so selten ist und jeder gewusst hätte, dass sie gestohlen ist. Es war dann wirklich eine Tortur. Ich bin in die Türkei gereist, nach Tunesien, Paris. Niemand wollte sie. Und dann meldete sich plötzlich eine aramäische Familie. Die Frau war in diese Kette verliebt. Am Ende habe ich dafür ungefähr 10.000 Euro bekommen. Wert gewesen wäre sie vielleicht das Siebenfache."


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Pornos

Ernst Stummer ist 78 Jahre alt, lebt in Wien und hört nicht mehr so gut. Deshalb muss man ziemlich ins Telefon schreien, wenn man mit ihm spricht. Insgesamt saß der Österreicher für seine Einbrüche 30 Jahre im Gefängnis, das letzte Mal vor fünf Jahren. Damals weil er in einen Kindergarten eingestiegen ist, um einen Laptop zu klauen. Für eine Frau, berichteten die Medien. Aber das, sagt Stummer, stimme so nicht. Was wirklich passiert ist, will er nicht verraten. "Wenn die Tat verjährt ist, schreibe ich es in ein Buch." Frauen spielen in dem Leben von Ernst Stummer immer noch eine große Rolle. Er bat uns, in den Text zu schreiben, dass er eine Freundin sucht: nett, schlank, nicht älter als 40. "Und bitte auch nicht prüde."

Foto: privat

"Mitte der 70er habe ich eine kleine Rundreise durch Deutschland gemacht. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich darauf kam, jedenfalls bin ich eines Tages in ein riesengroßes Pornolager in Köln eingestiegen. Damals waren solche Filme noch richtig viel wert, um die 150 Euro für eine Kassette, würde ich schätzen.

Ich habe zwei große Kartons mitgenommen. Mehr habe ich nicht geschafft. Ich hatte nie ein Auto, weil man dann nur von der Polizei kontrolliert wird. Ich stapelte alles in einer Handkarre. In Köln fuhr ich die beiden Kartons dann mit einem Taxi in meine neue Wohnung.

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Danach habe ich in Bergisch-Gladbach einen Sexshop aufgemacht. Zu der Zeit habe ich auch selber Pornos gedreht. Und eine zeit Lang hatte ich die größte Hostessen-Firma Österreichs. Escort würde man ja heutzutage sagen. Das ging alles gut, bis ich im Fernsehen bei Aktenzeichen XY gesucht wurde. Und irgendwann stand die Polizei vor meiner Haustür."


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Quietschende Reifen

Siegfried Massat war 50 Jahre lang Einbrecher und Bankräuber. Er sagt, er sei kriminell geworden, weil er als Kind im Heim missbraucht wurde. Gefühle und Empathie seien damals aus ihm heraus geprügelt worden. Massat stieg in ungefähr 500 Villen ein, schätzt er. Aber er raubte auch Banken und Juweliere aus:

Foto: privat

"Eigentlich versucht man ja, so wenig aufzufallen wie möglich. Man braucht Ruhe für den Job. Quietschende Reifen, aufgeregte Menschen, das ist alles nur im Weg. Ein paar Mal ist es dann aber doch passiert. Zum Beispiel sind wir einmal in Frankfurt mit einem LKW rückwärts in ein Schaufenster von einem Juwelier gefahren. Wir mussten vielleicht zehnmal dagegen fahren, bis das Panzerglas zersprang. Ich bin mit einem Beutel zu der Auslage und habe alles reingestopft. Die Leute, die uns gesehen haben, reagierten gar nicht. Die dachten, wir drehen einen Film.

Ein anderes Mal sind wir rückwärts mit einem VW Golf in ein Einkaufszentrum gefahren. Die Geschäfte hatten schon zu und das Einkaufszentrum sollte auch bald schließen. Es waren vielleicht noch 50 Leute in dem Gebäude. Mit einem Hammer haben wir die Scheiben von einem Juwelier eingeschlagen und Beute im Wert 400.000 Euro rausgeholt."

Reue

Heute bereitet Rudolf Szabo, 58, straffällig gewordene junge Erwachsene bei Basel auf eine Ausbildung vor. Früher war er selber kriminell. Nachdem Szabo pleite ging, fing er an, Banken und Postfilialen zu überfallen. Damals leitete er ein Bauunternehmen mit sechs Angestellten. Er sei zwar ein guter Handwerker gewesen, aber leider kein guter Buchhalter. Die Schulden wurden immer mehr, er hatte fünf kleine Kinder, um die er sich kümmern musste. Und eine enttäuschte Frau, die sich zu der Zeit mehrere Liebhaber suchte. Einer war vermögend. "Ich habe ihn fast zu Tode geprügelt, um an den Code für seinen Tresor heranzukommen." Das war sein erster Überfall. Doch erzählen will Szabo aber lieber eine andere Geschichte:

Foto: privat

"Zusammen mit meinen ehemaligen Angestellten habe ich sieben Überfälle gemacht, meistens auf Banken und Poststellen. Ich habe die Leute mit einer Waffe bedroht, die anderen haben den Tresor ausgeräumt. Aber einmal ist die Filialleiterin die ganze Zeit vor meiner Waffe hin und her gelaufen, ein, zwei Meter davor vielleicht. Ich habe sie angeschrien: 'Was soll das?' Und sie antwortete: 'Wenn Sie auf meine Angestellten schießen wollen, müssen sie erst mich erschießen.'

Nach ein paar weiteren Überfällen erwischte uns die Polizei. Ich wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, saß sechs davon ab. Im Gefängnis habe ich beschlossen, dass ich mich bei all meinen Opfern entschuldigen will – auch bei dieser Filialleiterin. Da erfuhr ich, dass sie nach dem Überfall einen Hirnschlag erlitten hatte und seitdem gelähmt ist. Ich war zutiefst betroffen. Nach der Haft besuchte ich sie einmal zu Hause. Da erzählte sie mir, dass sie während ihrer Therapie zum christlichen Glauben gefunden hatte. Plötzlich nahm sie meine Hände und sagte: 'Ich verzeihe Ihnen, was Sie mir angetan haben.'"

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