Der Surfer, der Surf-Spots als grandiose Querschnitte zeichnet

Blaze Syka schafft es, die Schönheit von Surfen und Natur künstlerisch zu verbinden. Ein Gespräch über das Wagnis, von Kunst zu leben, und über seine Entscheidung, nicht länger "nach Vorschrift" arbeiten zu wollen.

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30 Juni 2017, 9:34am

Illustration: Blaze Syka

Blaze Syka ist ein junger Künstler aus San Diego, der mit seiner „Surface Series" bei Ausstellungen und auf Instagram die Menschen beeindruckt. Er zeichnet Querschnitte von Surf-Spots, die einen tagträumen und den Alltag vergessen lassen. Und der Mann weiß, was er zeichnet, schließlich ist er selbst ein begeisterter Surfer. Mit Blaze sprachen wir über das Wagnis, von seiner Kunst zu leben, und über seine Entscheidung, nicht länger "nach Vorschrift" arbeiten zu wollen. Außerdem hat er uns erklärt, was für ihn die Faszination von Surf-Spots ausmacht.

Das Interview erschien in der ersten Ausgaben von Waves & Woods. Wenn ihr möchtet, könnt ihr die erste oder zweite Ausgabe hier bestellen.

VICE Sports: Hey Blaze, lass uns dieses Interview mit einer kurzen Vorstellung deinerseits starten! Wo kommst du her, wie alt bist du und wann war der erste Moment, in dem du auf die Idee kamst, als Künstler dein Geld zu verdienen?
Blaze Syka: Ich bin in San Diego geboren und lebe auch seit fast 28 Jahren in Kalifornien. Zur Kunst bin ich ganz natürlich gekommen. Ich hatte immer Spaß daran, etwas Künstlerisches um­zusetzen. Ich habe schon immer Wellen, Gebäude, Tiere, so ziemlich alles auf Papier gekritzelt. Vor anderthalb Jahren bin ich das Thema dann etwas ernsthafter angegangen. Ich habe viele meiner Stücke auf Instagram gepostet und erhielt sehr positives Feedback aus der ganzen Welt. Damit fing eigentlich alles an.

Ein Werk aus Sykas "Surface Series". Alle Zeichnungen: Instagram/blazesykd

Gab es einen bestimmten Grund, der dich damals zum Kritzeln und somit zur Kunst getrieben hat? Gab es da Einfluss von außen, beispielsweise von der Familie oder von Freunden?
Ich glaube, ein Grund war zumindest, dass ich schon immer gerne etwas mit Bedeutung erschaffen wollte. Etwas, das einen Eindruck bei Menschen hinterlässt. Ich liebe die Vorstel­lung, dass einige meiner Arbeiten bei Leuten zu Hause an der Wand hängen und dort lange Zeit bleiben. Ich gehe die Themen, die ich mir aussuche, auch immer sehr leidenschaftlich an. Daher, denke ich, kommt der größte Drive, immer weiterzumachen: von mir selbst anstatt von Familie oder Freunden.

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War es ein langer Prozess, deinen eigenen Style zu finden?
Es hat eines Tages einfach klick gemacht. Ich hatte bis dahin Kunst produziert, die ich cool fand, aber die schon recht traditionell und „auf der sicheren Seite" war. Eines Tages lief ich dann in eine Galerie und dort war auch alles schön und gut, aber irgendwie war alles gleich. Die Ausstellung faszinierte mich nicht, da ich wuss­te, dass diese Künstler dort alles „richtig" und „nach Vorschrift" gemacht hatten – verstehst du, was ich meine? Ich ging aus der Ausstellung raus und hatte eine komplett neue Sicht auf die Dinge. Es schärfte meine Art und Weise, wie ich Kunst selber sah, und das übertrug sich sofort auf meinen eigenen Style.

Deine Arbeit ist sehr vom Surfen beeinflusst. Du surfst selber auch, richtig?
Ja, ich liebe Surfen! Ich war schon immer im Wasser, sei es beim Wasserball, Schwimmen, Tauchen, als Lifeguard oder beim Bodysurfen. Meine ersten Wellen hatte ich in Del Mar, inzwi­schen habe ich aber in ganz Kalifornien gesurft. Meine Home­breaks heute sind die Strände von San Diego, und wenn es da zu voll ist, hike ich gerne mal rüber nach Blacks.


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Wie kamst du damals zum Surfen?
Mein Vater war schon immer am Surfen und hat mir die Basics beigebracht. Während meiner Zeit als Lifeguard bin ich immer auch surfen gegangen und irgendwann hatte es mich dann endgültig gepackt.

Für uns sieht es aus, als ob du alles richtig gemacht hättest: Du kombinierst deine beiden Leidenschaften Surfen und Kunst und kannst davon auch noch leben. Bist du eventuell der glücklichste Mensch auf diesem Planeten?
[lacht] Ja, ich bin zumindest ein recht glück­licher Mann. Von Kunst leben zu können, ist schon eine ganz schön große Herausforderung und auch immer wieder echt Furcht einflößend. Aber das, was man von diesem Lifestyle zurück­bekommt, ist alle Mühen wert.

Zurück zu deiner „Surface Series", die wir hier im Heft verteilt gezeigt haben: Wie kamst du auf die Idee, Surf-Spots im Querschnitt zu zeigen?
Ich habe eine Ausbildung zum Stadtplaner gemacht, daher bin ich recht fit im perspektivi­schen Zeichnen und im Illustrieren von informativen Diagrammen. Ich glaube, diese Ausbildung spiegelt sich in meiner „Surface Series" wider. Ich schneide einfach meine Fanta­sie-­Surf-Spots durch und schaue mir ihr Inneres an. Es steckt so vieles in Surf­-Spots – von der geologischen Voraussetzung über die Flora und Fauna bis zur Energie, die aus Wasser perfekte Wellen macht. Das alles fasziniert mich.

Wie viele verschiedene Werke umfasst die Serie genau?
Ich habe ehrlich gesagt den Überblick verlo­ren, aber es sind mindestens 25 Stück.

Ist die „Surface Series" inzwischen komplett und abgeschlossen?
Das ist eine gute Frage. Ich habe einige neue Ideen, die in meinem Kopf umherschwir­ren, aber ich überlege die ganze Zeit, die Serie endgültig zu schließen. Ich habe noch so viele andere Ideen, die ich endlich umsetzen will.

Stehen deine Fantasie-Spots in Verbindung mit existierenden Spots?
Einige ja. Einige stehen in direkter Verbin­dung, einige sind einfach frei erfunden. Ich erfinde sie ehrlich gesagt lieber, als mich an existierenden Spots zu orientieren.

Falls einige unserer Leser eines deiner Stücke kaufen wollten, wo könnten sie zuschlagen?
Ich verkaufe Prints, limitierte sowie offene Editions und einige Originale auf meiner Home­page.

Was sind die nächsten Projekte, auf die du dich nach diesem Interview stürzen wirst?
Ich habe einige Aufträge in der Pipeline, die ich jetzt umsetzen will. Ich sitze auch an einem Buch, das ich illustriere und schreibe und das endlich fertig werden muss. Es handelt von einem Surf­Abenteuer, das schieflief und das ich mit ein paar Freunden selbst erlebt habe. Ich weiß noch nicht, ob ich das Buch jemals der Öffentlichkeit zugänglich machen werde – mal schauen. Aber es liegt mir sehr viel daran, es endlich fertig zu bekommen. Dann fliege ich die Tage nach Irland und nach Frankreich. Die Küste Irlands scheint mir eine gute Quelle für eine Menge neuer Ideen zu sein!