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Der Massenmörder Dylann Roof wurde zum Tode verurteilt

Im Juni 2015 erschoss Roof neun schwarze Kirchenbesucher in Charleston, South Carolina. Die Jury war einstimmig für die Todesstrafe.

von Tess Owen
11 Jänner 2017, 4:00am

Titelfoto: Imago/ZUMA Press

Die Jury gab ihre Entscheidung nach weniger als drei Stunden Bedenkzeit bekannt. Alle 12 Geschworenen waren sich einig, was jeden der erschwerenden Umstände in der Anklage angeht, darunter sein Mangel an Reue, die rassistische Motivation hinter seiner Tat und seine vorsätzliche Absicht, anderen zu schaden.

Journalisten im Gerichtssaal beschrieben, wie der 22-jährige bekennende Rassist Roof "geradeaus starrte" und "emotionslos" zuhörte, als U.S. District Judge Richard Gergel das Todesurteil verkündete.

Nach der Urteilsverkündung stand Roof Berichten zufolge auf, um zu sprechen, und sagte: "Ich möchte neue Pflichtverteidiger beantragen." Roof hatte entschieden, sich in der Urteilsphase des Prozesses selbst zu verteidigen, und hatte seinen Verteidiger David Bruck lediglich als Rechtsbeistand behalten.

Gergel sagte Roof, er sei "stark abgeneigt", seiner Bitte stattzugeben, doch diesen Punkt könne Roof bei der Urteilskonferenz noch einmal ansprechen. Gleichzeitig gab Gergel auch zu verstehen, dass er keine ausreichenden Beweise dafür gesehen habe, dass Roofs bisherige Verteidigung ihre Aufgabe nicht angemessen erfüllt habe.

Gergel dankte der Jury für ihren Dienst, wie Lokalmedien berichten. "Sie waren aufmerksam, Sie waren geduldig und Sie waren sorgfältig."

Roof gab sein Schlussplädoyer an die Jury ohne jegliches Anzeichen der Reue über seine Tat. "Ich musste nichts tun", sagte Roof. "Ich hatte das Gefühl, ich musste es machen, und ich habe immer noch das Gefühl, dass ich es machen musste."

Er schien dennoch die Jury zu bitten, sein Leben zu verschonen. Roof erinnerte die Geschwornen daran, dass die Bundesgesetze der USA vorschreiben, dass ein Todesurteil einstimmig zustande kommen muss. Wenn nur ein Jury-Mitglied anders gestimmt hätte, wäre Roof zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt worden. "Soweit ich informiert wurde, ist es mein Recht, Sie darum zu bitten, mir lebenslange Haft zu geben", sagte Roof. "Aber ich bin mir ohnehin nicht sicher, was das bringen würde."

Letzten Monat befanden dieselben Geschworenen Roof einstimmig für schuldig, in allen 33 Anklagepunkten im Zusammenhang mit dem Massaker in der Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston, South Carolina.

Im Laufe des Prozesses stellte die Staatsanwaltschaft Roof als einen kalten, berechnenden jungen Mann dar, der von rassistischem Hass zerfressen ist und monatelang sein Kirchenmassaker geplant hatte. Dabei betonten sie, er habe in seinem Auto vor der Kirche gesessen und 28 Minuten lang acht Magazine geladen.

Roof betrat die Kirche, in der 12 Personen, darunter der Pfarrer Reverend Clementa Pinckney, sich zu einem Bibelkreis versammelt hatten. Pinckney lud Roof dazu ein, sich neben ihn zu setzen, wie Überlebende berichten. Der Pfarrer reichte Roof eine Bibel und einen Flyer mit der Bibellektion der Woche. Erst als die Gemeindemitglieder ihre Köpfe zum Gebet gesenkt hatten, fielen die ersten Schüsse.

Polly Sheppard, die das Massaker überlebt hat, erinnerte sich letzten Monat während des Prozesses unter Tränen daran, wie sie in Deckung rannte, während Patronenhülsen um sie herum zu Boden klirrten. Laut Sheppard sagte Roof, er würde sie verschonen, damit sie anderen von dem Vorfall berichten könne.

In seinem Schlussplädoyer erinnerte U.S. Attorney Jay Richardson die Jury daran, dass Roof zu seinen Gerichtsterminen in Schuhen mit rassistischen Symbolen wie Hakenkreuzen erschienen sei.

US-Justizministerin Loretta Lynch verkündete letzten Mai, sie werde im Namen des Justizministeriums die Todesstrafe auf Bundesebene für Roof anstreben. Dies steht den Wünschen vieler Angehöriger seiner Opfer entgegen. "Ihn zu Tode zu verurteilen, ist keine Gerechtigkeit", schrieb Amnesty International USA in einer Mitteilung. "Das wird die tiefen Wunden des Rassismus nicht heilen, die weiterhin unser Land plagen."

Roof habe gehofft, einen "Rassenkrieg anzuzetteln", sagte sein Freund Joey Meek nach dem Massaker den Medien. Auf seiner Website "The Last Rhodesian" veröffentlichte Roof ein zweitausend Wörter langes Manifest, in dem er gegen schwarze Amerikaner hetzte. "Wir haben keine Skinheads, keinen richtigen KKK, niemand tut etwas, außer im Internet reden", schrieb Roof. "Tja, jemand muss den Mut haben und das in die echte Welt tragen, und ich schätze, ich muss dieser jemand sein."

Roof gelang es nicht, einen Rassenkrieg zu starten, doch seine Tat führte zu einer US-weiten Auseinandersetzung mit weißem Rassismus, die wiederum starke Kritik an der Erhaltung vieler Südstaaten-Denkmäler und -Symbole nach sich zog. Die Debatte gipfelte darin, dass die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, entschied, die Südstaatenflagge von allen staatlich-legislativen Gebäuden zu entfernen.

Roofs Zurechnungsfähigkeit wurde im Laufe des Prozesses zweimal untersucht. Beide Male befanden Psychiater seine geistige Verfassung als ausreichend für einen Strafprozess. Roof lehnte auch Bemühungen seines Rechtsbeistands ab, seine Tat in den Kontext psychischer Krankheit zu rücken.

Die offizielle Verurteilung findet am Mittwoch um 9:30 Uhr Ortszeit statt.

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