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Warum wir uns Feminismus nicht von Rassisten wegnehmen lassen dürfen

Feminismus steht bei Rechten derzeit hoch im Kurs. Für unsere Autorin dient er aber nur als Vorwand, um Rassismus salonfähig zu machen.

von Maria Hofer
19 Jänner 2016, 5:00am

Titelbild von Lena Kuzmich via VICE Media

Wurde man vor ein paar Monaten noch als Verfasserin eines Blog-Postings zur Überflüssigkeit des Feminismus mit einer Nominierung für den Bachmann-Preis belohnt, ist jetzt Feminismus—oder genauer gesagt: das, was viele gerne daraus machen würden—wieder gefragt. Streberhafte Kommunikationswissenschafts-Studenten schreien auf ihren Blogs danach, alte nach Wein seidelnde Machos wollen ihn neu erfinden und sogar Hooligans fragen, wo all die Feministinnen abgeblieben sind, die ihre Kinder gebären sollen, während sie selber Kebabstände anzünden gehen.

Grund ist—angeblich—das, was in der letzten Silvesternacht in Köln vorgefallen ist. In Wirklichkeit aber ist die Diskussion schon um einiges älter und hat nicht so viel mit Frauenrechten zu tun, sondern mehr mit dem Anspruch auf Frauen, Gönnerhaftigkeit und Fetischisierungen.

Ich erinnere an den Philologenverband in Sachsen-Anhalt, dessen Vorsitzender sich vor gut aussehenden Flüchtlingen fürchtet und sich fragte: „Wie können wir unsere jungen Mädchen im Alter ab 12 Jahren so aufklären, dass sie sich nicht auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen?"

Es geht in dieser Debatte nicht um das Wohl von Frauen und Mädchen. Im Grunde geht dem ein Besitzanspruch voraus. Und genau dieser Besitzanspruch auf Frauen ist es, der Strukturen und Machtverhältnisse schafft, in denen Frauen abhängig sind und bleiben.

Einzelne Nazi-Hooligans teilen gemeinsam mit Pro-Life-Aktivisten in der Wiener Innenstadt Pfefferspray für Frauen und gegen Flüchtlinge aus, um Angst zu schüren, und schreiben auf ihre Plakate: „Willkommenskultur für ungeborene Kinder".

Vielleicht glauben manche ja wirklich, sie würden das für die Frauen tun. Aber für welche? Für blonde, blauäugige Gebärmaschinen, die gefälligst ihre arische Leibesfrucht ans Licht der Welt bringen sollen? Ein Bobo-Journalist beschimpft eine Aktivistin als frustriert und fett, weil sie auf ihrer privaten Facebookwall auf die rassistische Bildsprache eines Zeitungstitelblattes hinweist.

Was ich hier sehe, ist kein Feminismus, es ist einfach nur Rassismus—und der Feminismus soll ihn salonfähig machen.

Und dann frage ich mich schon: Glauben diese Typen ernsthaft, irgendwie auch nur irgendetwas für die Frauenrechte zu tun? Wohl eher: Alles für die Frauen, nichts durch die Frauen. Rassistischer Feminismus ist ja eigentlich schon seit Jahren eine Spezialität der Emma, aber da ist es halt schwierig für die Kulturmachos alter Schiene aufzuspringen, weil Emma ist ja die Schwarzer und die ist ja auch eine von „denen"—eine, auf die man schon jahrelang hinhaut mit dem Argument, dass auch sie frustriert, fett und hässlich ist.

Nach Köln schreien die Nazis und die Konservativen nach Frauenrechten. Aber was ich hier sehe, ist kein Feminismus, es ist einfach nur Rassismus—und der Feminismus soll ihn salonfähig machen. Feminismus ist schließlich nicht dazu da, Rich Kids einen Karriereschub zu geben, mehr Follower zu generieren oder alternden Salonmachos über ihren No-Pussy-Blues hinwegzuhelfen.

Sonst nehmen ihn uns die Rechten endgültig weg. Und dann schaut's wieder aus wie vor ein paar Jahrzehnten, als Frauen noch ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen mussten, um arbeiten gehen zu dürfen und Vergewaltigung in der Ehe noch kein Problem war.

Ah ja, und was wurde übrigens aus dem Typen, der seine Machtposition auf der Wirtschaftsuniversität Wien dazu ausgenutzt hat, von jungen Frauen Sex zu erpressen. Das interessiert nämlich leider niemanden so wirklich mehr.

Maria Hofer ist Schriftstellerin. Ihr Buch Jauche ist bei redelsteiner dahimène edition erschienen.