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Festivals

Frequency-Besucher über Flüchtlinge, Krieg und den Sinn des Lebens

Wir hätten die Unterhaltungen gerne vergessen, aber leider haben wir sie aufgezeichnet.

von Verena Bogner & Hanna Herbst
24 August 2015, 10:00am

Den jungen Herren haben wir nicht befragt, aber wir fanden sein Outfit spannend.

Alle Geschichten zum Frequency 2015 findet ihr hier—und bei unseren Kollegen von Noisey.

Eigentlich ist die beste Art der Kommunikation am Frequency ja, sich vor jedem Gespräch so arg zu betrinken, dass man jede Unterhaltung spätestens am nächsten Morgen, wenn man in einem Dinosaurierkostüm im vollgemüllten Zelt aufwacht, vergessen hat. Andererseits haben wir dafür nicht genügend Lebern und Nieren und wollten uns mit den Besuchern trotzdem über die dringendsten Themen unserer Zeit unterhalten.

Die Flüchtlingsthematik, der Krieg im IS-besetzten Gebiet und die Lage in Traiskirchen und anderen österreichischen Gemeinden beschäftigen aktuell nicht nur alte Männer im Fernsehen, sondern eben auch junge Menschen überall in unserem Land und auf der Welt. Das gilt auch für ein Festival, auf dem man zum Beispiel seinen Schlafsack spenden könnte.

Deshalb haben wir uns ohne Delirium in die Menge gestürzt und die Leute am Gelände gefragt, was sie über die größten Probleme, die aktuell die Welt betreffen, so denken. Zum Ergebnis kann man leider nicht viel mehr sagen, als: Das Diktiergerät lügt nicht. Obwohl extrem viele Acts am Frequency gegen Rechts und für Antirassismus plädiert haben, bedeutet das offenbar nicht, dass alle Besucher auch dieser Meinung sind. Aber es bedeutet zum Glück auch nicht das genaue Gegenteil. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Josef, 28

Alle Fotos: VICE Media.

VICE: Hat dir das Frequency gefallen?
Josef: Super wars.

Was ist der Sinn des Lebens?
Familie, Freunde, keine Ahnung.

Findest, du, man kann die Situation in Traiskirchen mit dem Campingplatz hier vergleichen?
Nein, weil die am Campingplatz hier bringen wenigstens ihre eigenen Zelte mit. Die in Traiskirchen sollen froh sein, dass sie eines bekommen.

Sollen die Flüchtlinge also ihre eigenen Zelte mitbringen?
Ich bin ja nur ehrlich. Wenn es bei uns eine Krise gäbe und wir würden in die Länder fliehen, wo die alle herkommen, ginge es uns nicht so gut. Die ganzen Ausländer bauen bei uns lauter scheiß Moscheen rein—solche Rechte hätten wir zum Beispiel in Syrien nicht. Wenn man dort als Asylant hinkommt, hat man nicht mal ein Zelt.

Weil die Länder unter anderem nicht so reich sind wie Österreich.
Ja, weil sie nichts arbeiten. Schau dir die ganzen Südländer an, die arbeiten nur halbtags, wenn's warm ist.

Martin, 21 & Kevin, 18

VICE: Glaubt ihr, dass man die Situation hier am Campingplatz mit der Situation in Traiskirchen vergleichen kann?
Martin: Na ja, in Traiskirchen ist sicher auch eine gute Stimmung.

Man kann die Zelte ja am letzten Festivaltag für Flüchtlinge spenden. Würdet ihr das tun?
Martin: Nein. Das ist nicht sinnvoll, weil die Leute nicht in Zelten schlafen sollten.

Aber es gibt zu wenige Zelte.
Martin: Dann sollen sie wieder heimfahren.

Heim in den Krieg?
Martin: Ich weiß nicht. Wir können ja nicht alle aufnehmen, oder? Sind wir mal ehrlich. Ich finde, der Stronach hatte im Sommergespräch einen guten Ansatz. Man sollte die Krisengebiete sichern und die Leute dort unterbringen. Das wird man doch wohl machen können.

Offensichtlich nicht.
Martin: Wir haben doch alle genug Militär dafür. Und wenn nicht, ist das ein Problem. Wir nehmen zu viele auf und sind überfordert. Und warum soll ich den Flüchtlingen mein Geld in den Arsch schieben, wenn ich selber keins hab?
Kevin: Ich sag nur, wenn wir als Flüchtlinge zu denen kommen würden, würde es uns sicher nicht so gut gehen.

Was ist der Sinn des Lebens?
Kevin: Wochenende.
Martin: Dass es uns halbwegs angenehm und gut geht.

Und es geht uns ohne Ausländer in Österreich besser?
Martin: Find ich schon, ja. Ich bin ja kein Blauer oder so, aber man muss es nicht übertreiben.

Marcel, 18; Patrick, 17 & Dominic, 18

VICE: Könnt ihr, nachdem ihr hier am Frequency wart, die Lage der Flüchtlinge in Traiskirchen nachvollziehen?
Patrick: Ja, das kann ich sicher. Nie wieder zelten! Unter sechs Bier kann man hier nicht schlafen.

Man kann die Zelte ja am letzten Festivaltag für Flüchtlinge spenden. Würdet ihr das tun?
Patrick: Ja, das haben wir mitbekommen. Mein Zelt ist aber ausgeborgt, das gehört nicht mir. Das andere spenden wir.

Was haltet ihr von der Lage in Traiskirchen?
Patrick: Also ich hab mich noch nicht informiert, aber anscheinend gehts da ziemlich zu. Was man aus Traiskirchen hört, klingt nicht gut. Aber ich bin einfach kein Freund von den Flüchtlingen. Bei uns sind wirklich die meisten. Die können ruhig in andere Länder auch kommen.

Was ist der Sinn des Lebens?
Dominic: Leben.
Patrick: Fortpflanzen, Gaudi haben und ausnutzen.
Marcel: Arbeiten und hin werden.

Johannes*, 21 Christian, 27 & Dani, 31

VICE: Was ist der Sinn des Lebens?
Johannes: Ihr.
Christian: Rapid Wien!
Dani: Das Leben zu genießen.

Glaubt ihr, dass man die Situation hier am Campingplatz mit der Situation in Traiskirchen vergleichen kann?
Johannes: Hier ist es sicher humaner.

Man kann die Zelte ja am letzten Festivaltag für Flüchtlinge spenden. Würdet ihr das tun?
Johannes: Also dazu hab ich eine ernste Meinung. Das ist so ein Scheiß.

Warum?
Johannes: Weil sich immer alle aufregen, dass die Leute in Traiskirchen in Zelten schlafen und dann sollen wir Zelte spenden. Sicher nicht.

Aber ein Zelt ist halt besser als nichts.
Johannes: Ich find's trotzdem pervers.
Christian: Sei mir nicht böse, aber ich brauch keine Zelte aufstellen, wenn es 10.000 leerstehende Schulen und so gibt. Das ist einfach der falsche Weg und keine Lösung. Wir sind hier in Österreich und nicht in Kasachstan.

Verena: @verenabgnr und Hanna: @hhumorlos sind traurig.

* Name von der Redaktion geändert.

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