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Wenn bärtige Männer Fotos von einer Mall machen

Sie haben fotografiert, um ihre Umgebung besser zu sehen, man unterstellte ihnen trotzdem Terrorpläne.

von Jake Kivanc
20 Jänner 2016, 5:00am

Foto: bereitgestellt vom Vancouver Police Department

Eine britische Familie, die im kanadischen Vancouver Urlaub machte, wurde in den sozialen Netzwerken und von den örtlichen Polizeibehörden fälschlicherweise als potenzielle Terroristen angesehen, als Fotos besagter Familie veröffentlicht wurden, die sie in einer Shopping-Mall zeigen.

Mohammed Kareem und Salahuddin Sharaz haben vergangenen Dienstag mit ihren Handys Fotos in der Pacific Centre Mall geschossen. Dabei wurden sie von Sicherheitskameras gefilmt und die Aufnahmen waren schließlich auf der Website Vancity Buzz zu sehen. Später bestätigte die Polizei von Vancouver, dass die Aufnahmen Teil von Ermittlungen bezüglich eines „verdächtigen Zwischenfalls" wären.

Kurz nach dem offiziellen Presse-Statement verbreiteten sich die Bilder in den sozialen Netzwerken und auf verschiedenen Medien-Websites—und so kam es auch, dass viel darüber spekuliert wurde, ob es sich bei den Männern um potenzielle Terroristen handeln würde.

Kurz darauf meldeten sich Mohammed Kareem und Salahuddin Sharaz sowie einer ihrer Väter selbst zu Wort, um mit den Gerüchten aufzuräumen. Dabei gaben die Männer an, dass sie beide an einer Sehstörung leiden würden und die Fotos nur gemacht hätten, um das Einkaufszentrum besser zu sehen.

„Die beiden können nicht mal richtig sehen und trotzdem geht jeder davon aus, dass sie etwas im Schilde führen", meinte Mohammed Sharaz, der Vater von Salahuddin, gegenüber CBC.

„Wegen der ganzen Terrorgeschichten gehen die Leute bei einem arabisch aussehenden Mann mit Bart jetzt gleich von einem Terroristen aus", meinte Kareem. „Wir müssen hier nochmals betonen, dass nicht jeder Mensch gleich ist. Wir kommen nicht aus dem Nahen Osten, sondern aus Großbritannien."

Sharaz' Vater fügte noch hinzu, dass die beiden quasi ständig Bilder machen müssten, um ihre Umgebung scharf zu sehen. Das Ganze sei nichts Ungewöhnliches und diene nur dazu, das Umfeld auf dem Smartphone-Bildschirm betrachten zu können. Laut Sharaz war das Trio auch in Vancouver, um die Sehstörung—Retinopathia pigmentosa—in einer Klinik behandeln zu lassen.

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Trotz einer Entschuldigung von Seiten der Polizei und sogar des Bürgermeisters von Vancouver befürchtet Sharaz, dass seine Familie aufgrund der immer noch im Internet kursierenden Aufnahmen auch weiterhin belästigt werden wird. Außerdem macht er sich Sorgen bezüglich der Rückreise nach Großbritannien und verlangt, dass die Polizei ihn und seine Begleiter zum Flughafen bringt, um sicherzustellen, dass beim Einchecken und Boarding alles glatt läuft.

Diese Bitte ist im Anbetracht der von Kanada vorgebrachten, absurden „Flugrisiken" allerdings gar nicht mal so überraschend.