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Adobe warnt User, dass sie verklagt werden können, wenn sie alte Versionen von Photoshop verwenden

Die Ansage des Software-Konzerns ist bezeichnend dafür, wie wenig uns heute Programme gehören, für die wir Geld bezahlen.

von Karl Bode
15 Mai 2019, 1:16pm

Photoshop-Logo: Wikimedia Commons | gemeinfrei || Bearbeitung: VICE

"Sie haben nicht länger die Lizenz, diese Software zu verwenden", hiess es in einer E-Mail, die einige Nutzerinnen und Nutzer der Programme Lightroom Classic, Photoshop, Premiere, Animate und Media Director diese Woche erhielten. Die User waren nicht begeistert.

"Wir haben vor Kurzem bestimmte ältere Versionen der Creative-Cloud-Anwendungen eingestellt und als Resultat haben Sie nach unseren Vertragsbedingungen nicht länger die Lizenz, diese zu verwenden", hiess es in der E-Mail von Adobe grob übersetzt. "Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie, sollten Sie die eingestellten Versionen weiterverwenden, mögliche Klagen Dritter riskieren."

Adobe informierte seine Kunden und Kundinnen allerdings nicht, warum sie aufhören müssen, die Software zu verwenden. Über den Twitter-Account des Adobe Kundenservices war allerdings zu erfahren, dass die Sache mit einem "anhaltenden Rechtsstreit" zu tun habe. Die Seite AppleInsider, die als erste über die Benachrichtigungen berichtete, verwies auf eine Urheberrechtsklage von Dolby Labs aus dem vergangenen Jahr.

2013 hatte sich Adobe vom Standard-Software-Modell weg- und zu einem cloudbasierten Abo-Modell hinbewegt. Die Einnahmen stiegen, genau wie die Preise für die Kundschaft, was dem Vorstoss auch einige Kritik einbrachte. In seiner Klage wirft Dolby Adobe jetzt Urheberrechtsverletzungen vor, die mit diesem neuen Abo-Modell zu tun haben.

In einem Statement gegenüber VICE bestätigte Adobe, dass das Schreiben an die Kunden echt sei, wollte aber keine weiteren Angaben machen.


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Der Fall ist jedenfalls ein weiteres Beispiel dafür, dass Produkte, die wir heute kaufen, Funktionalität einbüssen können oder sogar komplett aufhören zu funktionieren. Seien es Spielekonsolen, die mit einem Firmware-Update Features verlieren, oder Medien, die plötzlich aus der Library verschwinden.

Dylan Gilbert, Copyright-Experte der Verbraucherschutzorganisation Public Knowledge, sagt gegenüber VICE, dass die User in diesem Fall wahrscheinlich keine rechtliche Handhabe hätten.

"Solange Adobe mit der plötzlichen Einstellung des Supports für eine alte Software-Version nicht seine Lizensierungsvereinbarungen verletzt hat, was unwahrscheinlich ist, müssen die Betroffenen wohl oder übel mitmachen", so Gilbert.

Gilbert sagt weiter, dass Konsumierende heute in einer Welt leben, in der ihnen fast keine Softwareprodukte wirklich gehören. Es bleibe ihnen nichts anderes übrig, als den Endbenutzer-Lizenzverträgen zuzustimmen, wenn sie ein Programm verwenden wollen. Der Lizenzgeber wiederum könne die Vertragsbedingungen einfach ändern.

"Selbst wenn Adobe in Hinsicht auf den Dolby-Disput im Recht ist, hat das Unternehmen die Macht, seine Userinnen nach Belieben zu zwingen, auf neuere und teurere Versionen upzugraden. Das zeigt, welchen Einfluss diese Verträge auf die Konsumierenden haben", sagt Gilbert. "Wir sollten die Dinge besitzen können, die wir kaufen."

Aktivist, Autor und Urheberrechtsexperte Cory Doctorow sieht das genauso. In einer E-Mail an VICE teilte er mit, dass dieses Geschäftsmodell inzwischen zahlreiche Software-Bereiche durchdrungen habe.

Besonders für Kreative und Kunstschaffende könne diese Entwicklung problematisch sein. Sie würden laufende Projekte oft nicht durch Software-Updates riskieren wollen, die ungeahnte Bugs enthalten können.

"Wenn du deine Werkzeuge nur noch mieten und nicht mehr besitzen kannst, bist du den Launen, Machenschaften und unvorhersehbaren Risiken deines Vermieters ausgesetzt", sagt Doctorow. "Deine Rechte sind sehr wahrscheinlich in einem Vertrag festgelegt, dem du vor Millionen Jahren per Mausklick zugestimmt und damit jeden Rechtsanspruch abgetreten hast."

An diesen einseitigen Arrangements wird sich, da sind sich Copyright-Expertinnen und Experten einigen, so bald nichts ändern. Den Kunden bleibt derweil nur, sich den vertrauensvollsten Vermieter auszusuchen.

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This article originally appeared on VICE US.