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Hangover-News, 19. Oktober 2015

Schwarz-Blau in Oberösterreich kurz vor Übereinkommen, Rechtsruck nach Wahlen in der Schweiz und die niedergestochene Kölner Bürgermeister-Kandidatin hat die absolute Mehrheit bekommen.

von VICE Staff
19 Oktober 2015, 4:18am

Das ist die neue ÖVP

Obwohl die ÖVP wohl nichts mehr liebt als Traditionen, hat auch sie mittlerweile eingesehen, dass sie die mittlerweile zur Tradition gewordenen Verluste bei Wahlen so nicht weiterführen kann. Frischer Wind also für die ÖVP: Ein neuer Chef für Wien und ein neuer Generalsekretär, der in der ZIB 2 vergangene Woche gleich gesagt hat, es gäbe wichtigere Probleme als die Ehe für alle, was jetzt nicht gerade nach frischem Wind sondern eher modrigem Dachboden riecht.

In Oberösterreich steht die ÖVP nach der Landtagswahl Ende September inzwischen kurz vor einem Übereinkommen mit der FPÖ—ÖVP-Bundesparteiobmann Mitterlehner hat eine Regierungsbeteiligung der FPÖ am Sonntag in der Pressestunde verteidigt.

Die niedergestochene Kandidatin hat die absolute Mehrheit in Köln bekommen
  • Henriette Reker | Foto: imago | Future Image

    Am Samstag wurde die Kölner Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker von einem rechtsextremen Arbeitslosen mit einem Messer lebensgefährlich am Hals verletzt. Der Täter soll fremdenfeindliche Motive für den Mordversuch gehabt haben, offenbar war er nicht mit Rekers Positionen in der Einwanderungspolitik einverstanden. Die Tat sorgte weithin für Entsetzen, ein Kommentator bezeichnete sie als „Angriff auf die Demokratie in Deutschland". Die hat sich aber nun gewehrt: Die parteilose Kandidatin, die nach einer Operation nicht mehr in Lebensgefahr schwebt, hat jetzt mit 52,7 Prozent der Stimmen die nötige absolute Mehrheit bekommen, um den SPD-Kontrahenten Jochen Ott abzulösen und als erste Frau Oberbürgermeisterin von Köln zu werden. Die Kandidatin hatte allerdings schon vor der Attacke gute Chancen auf einen Sieg gehabt: Von Reker, die seit fünf Jahren als Sozialdezernentin der Stadt tätig ist, erhoffen die Kölner sich frischen Wind in die verfilzten Verwaltung der Stadt.

    Franz Beckenbauer hat alle Vorwürfe von sich gewiesen

    Mein Name ist Hase, ich trinke Sekt | Foto: imago | Karina Hessland

    Kurz vor Beginn des Wochenendes ließ der Spiegel noch schnell die Bombe platzen: Die WM 2006 sei gekauft worden, 13 Millionen D-Mark hätten DFB-Funktionäre an FIFA-Entscheider bezahlt, mit dabei nicht nur der jetzige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, sondern auch der damalige Präsident des Organisationskomitees—kein geringerer als der Kaiser selbst, Franz Beckenbauer. Die Geschichte klingt so abenteuerlich wie beschämend: Das Geld sei vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus privat zur Verfügung gestellt worden. Um ein paar Jahre später die mittlerweile 6,7 Millionen Euro zurückzuzahlen, hätten die Verschwörer sich zusammen mit der FIFA eine nie stattgefundene Eröffnungsgala im Olympiastadion ausgedacht, die exakt so viel Geld gekostet hätte. Niersbach, der DFB und Beckenbauer streiten alles „absolut und kategorisch" ab.

    Niersbach erklärte in einem Interview (geführt von seinem eigenen Verein), er werde gegen die „nicht im Ansatz bewiesene und definitiv falsche Kernbehauptung" vom Spiegel „alle denkbaren rechtlichen Schritte" einleiten. Schließlich meldete sich auch Beckenbauer zu Wort: Er habe „niemandem Geld zukommen lassen", ließ er verlauten. „Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat." Die Zahlung der 6,7 Millionen an die FIFA bestreitet der DFB allerdings nicht, der „Vorgang" werde bereits seit dem Sommer intensiv geprüft. In dem ganzen Chaos freut sich nur einer: Das Satire-Magazin TITANIC, das schon 2006 offen behauptet hatte, die Vergabe der WM nach Deutschland sei getürkt—allerdings übernahmen die Frankfurter selbst die Verantwortung dafür. Die ganze Geschichte kann (und sollte) man hier nachlesen.

    Donald Trump behauptet, mit seiner Einwanderungspolitik hätte es kein 9/11 gegeben

    Foto: imago | UPI Photo

    Donald Trump ist jetzt schon einer der unterhaltsamsten Präsidentschaftskandidaten, die die USA je hatten. Der Mann mit der Betonfrisur sagt grundsätzlich einfach alles, was ihm gerade einfällt, und ziemlich oft fallen ihm ziemlich haarsträubende Sachen ein. Highlights waren die pauschale Verurteilung der mexikanischen Einwanderer als Vergewaltiger und Drogendealer oder die Lästereien, mit denen er seine republikanischen Rivalen immer wieder bombardiert. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit—und kurz vorm Wochenende hat Trump es schließlich geschafft, sich mitten in das fetteste Fettnäpfchen der amerikanischen Debatte zu setzen: Er erklärte, dass die Angriffe auf das World Trade Center nie passiert wären, wenn er damals schon an der Macht gewesen wäre und seine „extrem strenge" Einwanderungspolitik angewandt hätte.

    Und weil Trump auch noch so halb andeutet, der traumatische Anschlag sei irgendwie ein Versäumnis des damaligen Präsidenten George W. Bush gewesen, hat Trump mal wieder richtig Ärger mit dessen Bruder und seinem direkten Rivalen Jeb Bush. Bush bezeichnete Trumps Äußerungen als „armselig", dem Kandidaten mangele es an Seriosität. Trump selbst hat offenbar mittlerweile auch keine Lust mehr, das Thema zu vertiefen—jedenfalls antwortet er nicht mehr auf die Frage, ob er wirklich George W. Bush die Schuld an 9/11 gibt.

    Die Wahl in der Schweiz haben schon wieder die Rechtsnationalen gewonnen

    SVP-Chef Toni Brunner | Foto: imago | Geisser

    Gestern hat die Schweiz die neuen National- und Ständeräte fürs Bundeshaus gewählt. Die SVP (plus 11 Sitze im Nationalrat) und FDP (plus 3 Sitze) gehen als die grossen Wahlsieger der eidgenössischen Parlamentswahlen hervor. In der Schweizer Medienlandschaft ist von einem Rechtsrutsch (29,4 Prozent) die Rede. Mit diesem Wahlresultat reiht sich die Schweiz in eine allgemeine und Besorgnis erregende Entwicklung auf dem europäischen Kontinent ein.

    Die SVP hat zudem den wohl prominentesten Zuwachs erhalten: Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel wurde mit einem Rekord-Resultat von 178'090 Stimmen in den Nationalrat gewählt und landet auf Platz eins der SVP-Liste. SVP-Kollege Christoph Mörgeli wurde hingegen abgewählt.

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