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Stripper, Alkohol und Brüste machen dich zum gefährlichen Killer

Die Kombination aus Alkohol und Brüsten versetzt Männer anscheinend in eine Art Urzustand, in dem sie völlig ausrasten und sich gegenseitig niederknüppeln.

von VICE Staff
15 Mai 2013, 2:36pm


Foto via

Ein Stammkunde eines Stripclubs in den USA war so besessen von einer der Tänzerinnen, dass er mehrere Monate lang in den Club kam, nur um sie zu sehen. Als sie sich vor ein paar Wochen weigerte, mit ihm nach Hause zu gehen, schoss er ihr ins Gesicht—und sich anschließend selbst in den Kopf.

Die Stripperin hat überlebt und ist jetzt außer Lebensgefahr. Der Mann ist tot. Diese Art von Gewalttaten kommen nicht gerade selten vor. Auch in Deutschland, wo erst vor ein paar Wochen in Hamburg-Bergedorf ein 19-Jähriger angeschossen wurde, nachdem er sich in einem Stripclub betrunken hat und in einen Streit mit einem älteren Typen verwickelt wurde. Als die beiden nach draußen gingen, zog der Typ offenbar eine Pistole und feuerte ab.

Was verursacht die Gewalttaten? Der Pseudo-Psychologe aus deinem Umfeld würde vielleicht sagen, dass die Kombination aus Alkohol und Brüsten Männer zurück in ihren Urzustand versetzt und sie versuchen, sich gegenseitig umzubringen. Richard McCleary, einer der wenigen Kriminologen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, glaubt, dass Stripclubs mit laschen Sicherheitsvorkehrungen unappetitliche Zeitgenossen anziehen, die Waffen tragen und am Ende Gewaltsituationen verursachen.

Die Wahrheit ist wahrscheinlich eine Kombination von beiden Theorien.

In Göttingen hat vor ein paar Jahren ein Nazi in einem Stripclub bei einem Streit mit dem Besitzer eine Pumpgun raus geholt und den Barchef erschossen. Der Besitzer schlug gerade noch gegen das Gewehr, sodass niemand getroffen wurde. Nachdem die Nazis aus dem Club gedrängt wurden, bastelten sie sich offenbar Brandsätze, um das Lokal abzufackeln, weswegen dann auch wegen versuchter Brandstiftung gegen sie ermittelt wurde.

Es hat mich also nicht sonderlich überrascht, als ein Typ, der als Barkeeper in einem Bordell in Berlin arbeitet und anonym bleiben möchte, mir erzählte, dass die Türsteher bei ihm lieber mit stichfesten Westen auf Schicht gehen. Es wäre ganz normal, dass es in seinem Laden auch mal Kunden gibt, die austicken, weil sie betrunken oder auf Drogen sind. „Wir haben drei oder vier Türsteher, einer von ihnen arbeitet jede Nacht. Sie tragen alle stichfeste Westen, als Vorsichtsmaßnahme. Man weiß ja nie, was passieren kann. Die Leute können schon krass werden.“ Was genau dann schon bei ihm auf der Arbeit passiert ist, wollte er aber lieber nicht sagen.

Die Gründe für Gewalt in Stripclubs sind unterschiedlich. Meistens ist sie—wie bei den beiden Typen in Hamburg—das Resultat eines Streits zwischen Kunden, oder ein Betrunkener, der aus dem Club geschmissen wurde, kommt mit Rachegelüsten und einer Knarre zurück. Manchmal ist es auch ein Raubüberfall, der schiefläuft.

In den USA ist das Ganze dank Waffenbesessenheit nochmal eine Ecke härter als bei uns. Allein in diesem Jahr gab es 12 Schießereien in amerikanischen Stripclubs, die mit neun Toten endeten. Sogar eine mit einem Türsteher, der in einem Club in Tennessee von einem Pfeil getroffen wurde.

Alabama im Südosten der USA ist auf Platz 3 in den USA, was Gewalttaten mit Schusswaffen betrifft. Zwischen 2010 und 2012 gab es mindestens fünf Schießereien und vier Tote in Stripclubs. Nur Florida und Kalifornien—zwei Bundesstaaten, die sehr viel größer sind und sehr viel mehr Stripclubs haben—hatten im selben Zeitraum mehr Schießereien als Alabama.

Das könnte mit den strengen Baugesetzen in Alabama und mit den weniger strengen Waffengesetzen zu tun haben. Die Leute in dem strenggläubigen US-Staat wollen keine Stripclubs, die zu nah an ihren Kirchen liegen, und deswegen sind diese Etablissements normalerweise an den Stadtrand gedrängt worden und dort fernab von anderen Geschäften oder der Polizei. Füge die eingefleischte Knarrenkultur von Alabama hinzu (Politiker kämpfen hier für das Recht ihrer Bürger, während der Arbeit Waffen in ihren Autos zu behalten) und du hast alle Voraussetzungen für eine Menge Schießereien.

Ich wollte mir die Schauplätze solcher Gewalttaten genauer ansehen, also bin ich mal zu ein paar der berühmten Clubs gefahren, in denen solche Schießereien stattgefunden hatten.

Teasers Show Club

Hier gibt es Wrestling mit kleinen Menschen, eine Stripperin, die immer mal wieder vorbei kommt, um dir Zaubertricks vorzuführen (komische Kombination, aber wieso auch nicht) und einen netten Barkeeper, der den Großteil des Jahres auf einer Hühnerfarm auf den Philippinen arbeitet, somit ist der Teasers Show Club in der winzigen Stadt Wicksburg wahrscheinlich der kreativste Stripclub, den ich kenne. 

Als ich ihn besuchte, war es ungefähr 17.00 Uhr, und die einzigen anwesenden Leute waren eine Tänzerin, die sich gerade das Fußgelenk an der Bühne aufgeschlagen hatte, ein paar Kunden, die alleine rumsaßen und der Barkeeper, der gerade einen der Stammkunden davon überzeugen wollte, auf die Philippinen zu ziehen. Die Inneneinrichtung war besserer Stripclub-Kitsch, mit Sesseln aus rotem Kunstleder und Weihnachtslichtern an den Wänden. Es sah nett aus. Man würde nie denken, dass hier ein dreifacher Mord begangen wurde.

Letztes Jahr im August wurde der 22-jährige Ryan Clark Petersen aus dem Teasers geschmissen, weil er eine Tänzerin begrapscht hatte. Laut mehrerer Nachrichtenberichte soll er später mit einer 9-mm-Halbautomatik-Pistole zurückgekommen und den Tührsteher, eine Tänzerin und den Sohn des Clubbesitzers erschossen haben.

Petersen floh, aber die Polizeihunde fanden ihn sieben Stunden später halbnackt in einem Wald in der Nähe des Clubs. Er ist nun wegen mehrfachen Mordes angeklagt—er hat „nicht schuldig“ plädiert, wegen Geisteskrankheit oder Unzurechnungsfähigkeit, aber er hat das Verbrechen in Houston County, einem der Orte mit den meisten Todesurteilen in den USA, zugegeben.

Wenn ihr mal vorbeikommen solltet, kuckt euch auf jeden Fall das Zwergenwrestling an. „Du lachst dich stundenlang tot“, hat mir der Barkeeper gesagt.

The Toy Box

Als ich die Straßen der kleinen Stadt Prichard entlang gelaufen bin, sah ich nichts außer verkommenen Ladenfronten, die Überreste von dem, was mal Holzbänke waren, und die Toy Box—ein Stripclub, vor dem ein kaputter Grill steht und in dem ein Rapper namens Young Icey ein Video für seinen neuen Song „Pregnant Pussy“ gedreht hat.  

Es sieht von draußen vielleicht nach nicht viel aus, drinnen aber ist es der angesagteste Ort von Prichard (nicht viel Konkurrenz, aber hey, immerhin). Um reinzukommen, musste ich bei einem Typen in einem Kassenhäuschen beim Haupteingang zahlen. Ich hatte ihn nicht gesehen, bis er mich anbrüllte, ich solle anhalten, und dann einen Türsteher anbrüllte, er solle mich abtasten. Aber die Unannehmlichkeiten waren es wert, denn drinnen war eine Tänzerin mit großem Hintern in regenbogenfarbenen Elastanhosen, die sich zu südamerikanischem Rap an einer Stange rieb.

Der kurze Moment im Rampenlicht kam für die Toy Box am 28 Dezember 2011, als ein Mann namens Aaron Dunning wegen „unhöflichen Verhaltens“ laut Presseberichten rausgeschmissen wurde. Er soll mit einer Knarre zurückgekommen sein und auf den Manager und den Türsteher geschossen haben. Angeblich traf er beide ins Bein und floh dann in einem roten Cadillac. Keiner der beiden war lebensgefährlich verletzt, aber der Manager humpelt heute durch den Club. Und draußen sind mehrere Türsteher.

Dunning wurde 2004 wegen zweifacher Körperverletzung mit bedingtem Vorsatz und wegen Feuern einer Waffe angeklagt. Laut Behörden wurder er aber nie verurteilt.

Wenn ihr in die Toy Box geht, macht das spät—ich war um 23.00 Uhr da und der DJ saß auf der Bushaltestellenbank davor und wartete darauf, dass der Manager aufmacht.

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