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Das sind die dümmsten Aktionen zum Weltfrauentag

Hurra, es ist Weltfrauentag! Doch diese Menschen und Unternehmen haben immer noch nicht verstanden, worum es dabei geht.

VonMelanie JaindlundRebecca Baden

Screenshot: Stadthalle am Steintor via bernau-live.de

Stell dir vor, es ist Weltfrauentag und ziemlich viele in diesem Land haben noch immer nicht gecheckt, worum es dabei geht. Mehr als 100 Jahre nachdem sozialistische Frauenorganisationen den Tag für mehr Gleichberechtigung nach Deutschland brachten, scheinen einige Unternehmen Frauen noch immer vor allem als eines zu sehen: als Mäuschen, die Pumps tragen und ihre Zeit wahlweise damit verbringen, Wäsche zu waschen oder Einkaufstüten im Kofferraum ihres rosa Autos zu verstauen.

Frauen erleben in Deutschland auch 2018 noch in vielen Bereichen Diskriminierung – und zwar nicht nur in der Werbung: Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen liegt bei 21,5 Prozent und ist damit so hoch wie in fast keinem anderen EU-Land. Außerdem sind laut dem Europäischen Statistikamt 17,8 Prozent der Frauen in Deutschland von Armut bedroht. Das betrifft besonders Seniorinnen. Und zeigt wiederum: Von der Rentnerin über die Transfrau erlebt jede von uns unterschiedliche Diskriminierungen. Und Diskriminierung mit Blumensträußen und vergünstigten High Heels zu bekämpfen, ist ungefähr so effektiv, wie einen Brand mit Nagellackentferner zu löschen.

Wir haben die misslungensten Posts und Aktionen zum Weltfrauentag zusammengetragen.

Seht her, wir haben schon acht weibliche Mitglieder! #Frauenpower

Ganze 8 von 46 CSU-Bundestagsabgeordneten sind weiblich. Da kann man sich auch schon mal mit #Frauenpower einen auf sich selbst runterholen, findet die Partei. In einem Albtraum aus Bayern-Blau klatschte sie acht weibliche Parteimitglieder aus wichtigen Positionen zusammen auf ein Bild – unter anderem Digitalministerin Dorothee Bär und die stellvertretende Parteivorsitzende Angelika Niebler. So richtig überzeugt von der Gleichberechtigung in der CSU scheinen aber auch die verhashtaggten Frauen nicht zu sein: Niebler setzte für die Parteiämter eine Frauenquote durch, Bär erzählte Anfang der Woche dem Bayerischen Rundfunk, die Partei müsse "am Thema Frauen noch arbeiten". Und auch die User finden, dass die CSU die weiblichen Parteimitglieder hier vor allem als Token missbraucht: "Aber Bundesministerin werdet ihr trotzdem nicht – #Männerverein", kommentierte ein Nutzer. #LOL.

Lasst die Frau raus – am besten beim Schrubben der Wohnung

Die Drogeriekette Rossmann hat in diesem Jahr eine große Kampagne für den Weltfrauentag angelegt. In diesem hippen Video ruft das Unternehmen dazu auf, die "Frau rauszulassen" und Beispiele davon unter #lasstdiefrauraus zu teilen. Dafür hat das Unternehmen am Weltfrauentag sogar die Webseite und eine Filiale in Hannover umgetauft – in "Rossfrau" statt "Rossmann".

Wir wollen hier den guten Grundgedanken des Drogeriemarkts zwar nicht komplett vernichten, ganz zu Ende gedacht hat die PR-Abteilung von Rossmann aber anscheinend nicht. Sonst würden sich auf Twitter nicht solche Postings sammeln:

Ausgerechnet am Weltfrauentag gibt es Prozente auf Putzmittel und Windeln, nicht unbedingt der erste Gedanke, den Frauen haben, wenn sie mal so richtig die Frau rauslassen wollen. Auch im Video fallen stereotype Begriffe wie "Naschkatze", "Beautyqueen" und "Diva". Die Süddeutsche Zeitung kritisiert zudem, dass Produkte für Kinder trotzdem in einer rosa Mädchenversion mit Feen-Etikett oder blauen Jungsversion mit Piratenschild angeboten werden. Auch seien Produkte wie Deo und Rasierschaum für Frauen teurer als die Männervarianten. Die Änderung des Namens in Rossfrau wird da wohl auch nicht zur Gleichstellung führen.

Frauen müssen sich schon auch mehr zutrauen

Man könnte den Weltfrauentag dazu nutzen, auf strukturelle Ungleichbehandlung und systematische Benachteiligung von Frauen gegenüber Männern hinzuweisen. Elisabeth Denison, die in einer Führungsposition in einem Finanzberatungsunternehmen arbeitet, sollte davon ein Lied singen können. Man kann (sollte aber nicht) den Tag natürlich auch dazu nutzen, Frauen zu sagen, sie sollen doch mehr an sich selbst arbeiten. Immerhin ist es leichter, Frauen selbst die Schuld an ihrer Ungleichbehandlung zu geben, als tatsächlich etwas zu ändern. Deloitte Deutschland entschied sich dazu, auf Twitter dieses Zitat von Denison zu posten: "Ein Umdenken ist auf allen Seiten erforderlich. Auch die Frauen selbst müssen sich mehr zutrauen". Also Mädels, habt ihr verstanden? Wir müssen uns einfach nur trauen, dann wird sich das mit der besseren Bezahlung schon von selbst erledigen! Auf jeden Fall wird das Zitat nicht richtiger, nur weil es von einer Frau stammt.

Blumen: der Klassiker

Ach, was wäre der Weltfrauentag ohne Blumen? Genau, ein besserer Tag. Wir wissen nicht, wer auf die Idee gekommen ist, in der Stadt rote Rosen zu verteilen, würde die restlichen 364 Tage Ungerechtigkeit schon irgendwie ausgleichen. Und dann wirbt auch noch ein Konzern wie Lidl damit, der laut Guardian Kleidung in Bangladesch zu Spottpreisen produzieren lässt. Die Näherinnen in diesen Fabriken sind fast ausschließlich Frauen und arbeiten meist unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Frauen wollen Waschmaschinen. Was sonst?

Bei Roller gibt es an diesem Frauentag alles, was Frauen lieben. Das meint zumindest die Marketing-Abteilung des Möbelhauses. Der Slogan von Roller ist übrigens "Clever einrichten!". Ausgerechnet am Frauentag Küchen und Waschmaschinen reduziert anzubieten, ist alles andere als clever.

Welche Frau braucht schon einen Abschluss, wenn sie einen Kerl haben kann?

Warum sollen wir eigentlich jahrelang zur Uni gehen, wenn wir am Ende ohnehin keinen fairen Lohn erhalten? Geht es nach dem Tweet eines Unternehmens für Autoteile, sollten wir lieber in Dating-Shows statt in Bildung investieren: Kristina Yantsen hat am Mittwoch den Bachelor bekommen – und das, ohne dafür studiert zu haben. Sie hat nämlich bei der RTL-Sendung Der Bachelor gewonnen.

Davon abgesehen, dass dieser nicht unbedingt weniger Tränen, Schweiß und Nerven kostet als der Bachelor an einer Uni: Wir haben lieber einen Abschluss in der Tasche als einen Lauch im Bett.

High Heels! Und auch noch in Pink!

Selbsterklärend.

Mal richtig auf den PUTZ hauen

Screenshot: Stadthalle am Steintor via bernau-live.de

Natürlich sollte man den Weltfrauentag feiern. Bei dieser Werbung für eine Frauentagsparty in Bernau wird uns aber auch ohne ausschweifenden Alkoholkonsum schlecht. Darauf zu sehen ist eine junge Frau, gekleidet in irgendetwas zwischen Omas Kochschürze und Putzfrauenkittel. Was natürlich auch nicht fehlen darf: Blumen. Bei diesem Anblick bleibt uns nichts anderes, als zu hoffen, dass es Satire ist. Wem die Bernauer Party zu wenig Glamour bietet, kann es auch in Rostock bei Strippern und Sektempfang mit Porno-Klaus probieren. Nur um das hier klarzustellen: Das ist keine Empfehlung von uns.

Die AfD beweist: Beschissene Typen gibt’s überall

Dass die AfD den Weltfrauentag nicht verstanden hat, ist keine große Überraschung. Dass sie ihn für billige Propaganda nutzt, auch nicht. Und auch dass die Partei für die Behauptung, die sie am Weltfrauentag ins Internet hinauströtet, keine Quelle vorweist, ist nicht weiter verwunderlich. Würde die Hälfte der Frauenhäuser aber tatsächlich von muslimischen Frauen bewohnt, bedeute das wiederum, dass die andere Hälfte Frauen anderer Religionen umfasst. Auch kein Grund zur Freude. Und damit unterstreicht die AfD unfreiwillig, wogegen der Frauentag unter anderem kämpft: Gewalt gegen Frauen, die vor allem in der Partnerschaft vorkommt, kann alle Frauen treffen.

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