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Signe Baumane: Sie waren verärgert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie immer noch verärgert sind. Als der Film im August in Lettland Premiere hatte, kamen 600 Menschen zur Premiere, von denen 60 meine Verwandten waren. Die jüngere Generation sagte: „Wow, jetzt verstehen wir uns selbst endlich." Der Rest der Familie war nicht so begeistert davon, dass ich die schmutzige Wäsche unserer Familie vor anderen Leuten wusch.Andererseits kamen die anderen Premierengäste zu mir und sagten: „Das ist ja, als ob du meine Geschichte erzählen würdest, das in dem Film ist meine Familie." In jeder Familie gibt es psychische Erkrankungen. Der einzige Grund dafür, dass meine Familie sich so einzigartig fühlt, ist, dass sie mit niemanden über diese Fälle spricht.Mir kommt es so vor, als ob es keinen großen Unterschied macht, ob die Frauen im Film miteinander verwandt sind oder nicht. Was ihre Geschichten verbindet, ist die Unterdrückung ihrer Gefühle oder Begierden.
Ich denke, genetische Veranlagung kann zum Teil für psychische Erkrankungen verantwortlich gemacht werden, aber du hast schon Recht. Ich finde es interessant, dass nur eine dieser Frauen in der Lage war, dem verhängnisvollen Wahnsinn zu entkommen: ich. Das liegt vermutlich an meiner Ausbildung. Ich habe Philosophie studiert, weshalb ich genügend Selbsterkenntnis aufbringen konnte, um zu verstehen, wie es gerade um mich steht und wonach ich strebe.
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Ich bin ebenfalls so aufgewachsen. Ich bin der Meinung, dass die Gesellschaft viel Druck auf das Individuum ausübt und dass nicht jeder Mensch dem standhalten kann.Entsprechen die Geschichten in Rocks in My Pockets der Wahrheit?
Einiges habe ich dramatisiert und stilisiert, um es spannender zu machen, aber die grundlegenden Dinge sind Tatsachen. Es stimmt, dass meine Großmutter unter mysteriösen Umständen gestorben ist, über die niemand in meiner Familie sprechen wollte. Es stimmt auch, dass drei meiner Cousinen Selbstmord begangen haben. Auch, dass ich versucht habe, Selbstmord zu begehen, als ich 18 war, stimmt.
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Es ist fast unmöglich, so viel Geschichte in eine Realverfilmung zu packen. Wie eine Depression sich ausbreitet, wie das Innenleben eines Menschen aussieht, kannst du in einer Realverfilmung nicht zeigen.Kannst du dich noch an A Beautiful Mind erinnern, den Film über den Mathematiker, der verrückt wurde? Sie haben seinen geistigen Zustand dargestellt, indem sie verschwommene, sich drehende Bilder gezeigt haben. Das ist so ziemlich die einzige Darstellungsmöglichkeit, die du in einer Realverfilmung hast. In der Animation ist das anders: Du kannst einfach in jemandes Kopf spazieren und alles zeigen, was darin vor sich geht, völlig zwanglos. In der Animation kannst du alles tun, was du willst.Was mich stört, ist, dass der Zeichentrick als Medium für Kinder missverstanden wird; das macht mich wirklich traurig. Zeichentrick gibt es doch seit Jahrzehnten, das waren die ersten bewegten Bilder. Dann haben irgendwann in den 1920er Jahren Kinder den Zeichentrick für sich beansprucht.Weshalb hast du dich für das Thema Depression entschieden?
Ich habe obsessive Gedanken—wie ich dir schon in der E-Mail geschrieben habe. Alle neun Sekunden denke ich an Sex, alle zwölf Sekunden denke ich daran mich umzubringen. Das Thema Sex habe ich schon lang und breit behandelt, indem ich einige Filme darüber gemacht habe, wie zum Beispiel die Teat Beat of Sex-Serie.
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Über Jahre habe ich geglaubt, dass man im Zeichentrick komplexe Ideen am besten ohne Worte ausdrücken kann, deswegen habe ich viele Filme ohne Voice-Over gemacht. Die meisten davon kamen aber nicht gut an. Dann habe ich Teat Beat und Birth gemacht, die beide unglaublich gut ankamen. Ich vermute, die Zuschauer finden dann leichter einen Bezug dazu.Außerdem ist meine Stimme ja spezifisch; ich habe einen deutlichen lettischen Akzent. Als ich den Film machte, sagten mir viele, dass ich eine Schauspielerin für das Voice-Over einstellen sollte. Ich bin mir sicher, dass eine Schauspielerin meinen Akzent nachahmen könnte, aber es ist doch meine Geschichte. Wenn du diesen emotionalen Einschlag herausnimmst, dann ist es nicht das gleiche.

Die traurige Wahrheit ist: Wenn ein Mann einen Film über Sex macht, dann ist er ein Filmemacher. Wenn eine Frau einen Film über Sex macht, dann ist sie sexbesessen.
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Weißt du was? Als ich 1995 nach New York gezogen bin, kleideten sich die Frauen hier auf eine ganz bestimmte Art und benahmen sich auf eine ganz bestimmte Art. Ihre Kleidung war praktisch, weil man in New York eben größere Distanzen zurücklegen muss, und es war auch allgemein bekannt, dass die New Yorker Frauen niemals beim ersten Date mit einem Mann schlafen würden. Weil ich aus Europa kam, sprachen mich viel mehr Männer an, weil sie davon ausgingen, dass europäische Frauen leicht zu haben waren. Was so gesehen auch stimmte. Wenn mir ein Mann sympathisch war, dann habe ich nicht eingesehen, warum ich nicht von Anfang an mit ihm schlafen sollte. Amerikanische Frauen waren nicht so leicht zu haben. Hut ab dafür!Doch zu Anfang der 2000er Jahre änderte sich plötzlich alles. Plötzlich liefen Frauen in kurzen Röcken und High Heels herum, betranken sich in Bars und schliefen schon beim ersten Date mit Männern. Ich wusste gar nicht, was vor sich ging. Dann hörte ich von Sex in the City und dachte mir „Fuck!".

