"Wir nehmen die Anlagen raus und das war's" – Warum die Auslage zusperrt

Die Gürtel-Location war zehn Jahre lang fixer Bestandteil der Wiener Club-Szene. Wir führten ein letztes Gespräch mit den Betreibern über die leiwandsten Partys und wie es mit der Auslage weiter geht.

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19 Dezember 2018, 2:08pm

Foto: Auslage

Der Wiener Club Auslage sperrt zu. Nach zehn Jahren und unzähligen Partys tanzen wir am 22. Dezember 2018 zum letzten Mal in der Location am Lerchenfelder-Gürtel. Was vor zehn Jahren als Nachfolgeprojekt des "Mezzanin" begann, entwickelte sich durch einen großen Umbau im Jahr 2014 zu einem der wichtigsten Clubs der Hauptstadt. Anfang Dezember feierte die Auslage noch ihr zehnjähriges Jubiläum – bald ist für immer Schluss.

Ich habe mich mit Geschäftsführer Duc und Booker Aleks zu einem abschließenden Interview getroffen.

Noisey: Die Auslage schließt nun genau nach 10 Jahren, dabei hatte man das Gefühl, sie hätte ihre Bestimmung gefunden. Warum jetzt?
Duc: Zehn Jahre sind eine lange Zeit, in denen wir alles erreicht haben, was wir erreichen wollten. Wir haben aus einem Raum, dem weiß gefärbten Studentenlokal "Mezzanin" einen richtigen Club gemacht. Man muss ja einen Club auch einmal erst zehn Jahre betreiben und die Nerven und die Leidenschaft dafür haben.

Das Closing hat aber nichts damit zu tun, dass die Miete für die Location im nächsten Jahr angestiegen wäre?
Duc: Die Miete wäre gestiegen, das stimmt. Es ging letztendlich um viele andere Mosaiksteine: Unser Alter, das Clubleben. Das hat alles in unsere Entscheidung mit hinein gespielt. Ein finanzieller Engpass hat aber nicht dazu geführt, dass wir jetzt zusperren.

Wiener Club Auslage Betreiber Duc Aleks
Aleks, Duc und Paul James || Foto: Rudi Wrany

Ihr habt die Auslage im Dezember 2008 zu einem Zeitpunkt eröffnet, als es noch kein Horst, keine Pratersauna und keine Grelle Forelle in Wien gab. Waren die Ziele damals größer als die Realität?
Aleks: Der Unterschied ist sicher, dass wir um einiges intimer sind. Wir haben uns anfangs nicht gedacht, dass wir das Ganze am Ende so professionell betreiben werden, eher idealistischer. Daher haben wir uns nie als Konkurrenz gesehen. Mit dem Umbau der Auslage 2014 ist es aber richtig ernst geworden, obwohl wir schon zuvor ein buntes Programm aufgestellt und auf die ganz teuren Bookings verzichtet haben.

Ein paar große Bookings waren aber schon dabei ...
Duc: Wir hatten Alan Fitzpatrick und auch einmal Fritz Kalkbrenner, doch in letzter Zeit konnten wir durch unsere Spezialisierung gut darauf verzichten.

Wiener Club Auslage PJ
Foto: Auslage

Ihr musstet im Laufe der Jahre einsehen, dass der Club durch ein rein elektronisches Booking nicht überleben kann. Welche Formate hatten daneben noch Platz?
Duc: Am Anfang waren wir bunter gefächert, gegen Ende hin haben wir weniger mit Fremdveranstaltern gearbeitet, eigene Brands aufgebaut und selber unsere Crews zusammengestellt.
Aleks: Wir hatten auch immer HipHop- ("Mu:sick") und Drum'n'Bass-Formate dabei. Nach dem Umbau sind wir wieder elektronischer geworden, behielten aber immer eine gewisse Diversität bei. Da gab es zum Beispiel das queere Format der LGBT-Nights (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) oder die legendären "Sex-Positive-Partys" von Hausgemacht.

Wiener Club Auslage sperrt zu
Foto: Auslage

Ihr kommt ja letztendlich beide aus dem Umfeld des Techno. Wie habt Ihr euch musikalisch weiterentwickelt.
Aleks: Unser Geschmack reifte über die Jahre wie guter Wein. Früher war alles härter, nun gefällt uns die softere Techno-Schiene sicher besser.

Könnt ihr das genauer definieren?
Duc: Es gibt sogar einen Begriff dafür: "Ro-Minimal", zum Beispiel von Barac, Priku oder Raresh. Wir mögen es reduzierter – Techno mit Groove aber eben auf das Minimum reduziert und kein sinnloses Gekläsche.

Wiener Auslage Club
Foto: Auslage

Gab es durch die Lage der Auslage am Gürtel öfters Probleme?
Duc: Jedenfalls keine generellen "Gürtelprobleme", sondern eher allgemeine Probleme, mit denen Clubs konfrontiert sind. Erinnern wir uns: Rund um die alte Pratersauna gab es einen äußerst regen "Verkehr", Flex und Forelle haben und hatten Probleme mit anderen Gruppierungen. Zu uns kamen manchmal auch Banden oder Rotlicht-Chefs.

Was wollten die?
Duc: Einer kam zu uns und wollte wissen, ob bei uns viel los sei. Wir sagten: "Nein, wir sind nur ein kleiner, versiffter Club, wo manchmal die Polizei reinschneit." Daraufhin ließ er sofort sein volles Getränk stehen und verschwand.

Wie wichtig waren für euch die Securities?
Aleks: Immens wichtig, die letzte Schlägerei gab es bei uns vor 2 Jahren. Wir haben in den letzten drei, vier Jahren durch persönliches Briefing und Feingefühl für den Club eigene Leute aufgebaut. Man darf nicht vergessen, dass ein Security das erste Gesicht ist, das man in einem Club zu sehen bekommt.


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Wenn ihr auf die letzten zehn Jahre zurückblickt: Was waren eure Highlights?
Duc: Das Mainfloor-Opening 2014, weil wir die Anlage noch nicht plombiert hatten – und deshalb in kürzester Zeit alle Behörden da waren. Die Frequenzen waren nicht eingestellt, die Musik dröhnte durch die Wände auf die Gasse. Da war der Teufel los.
Aleks: Auf jeden Fall die Sex-Positive-Partys. Die Idee kommt eigentlich aus Berlin, schlug aber im prüden Wien voll ein. Das wurde bei uns richtig ausgelebt, auch wenn es zuletzt unsere Kapazitäten sprengte. Wir unterstützen die Veranstalter von Hausgemacht aber weiterhin, denn sie suchen ja eine neue Location.
Duc: Und Anfang Dezember natürlich die 10-Jahresfeier mit Steve Bug, Tobi Neumann und vielen anderen.

Wiener Club Auslage sperrt zu
Foto: Auslage

Die Wiener Clubkultur hat es nicht immer leicht mit den Behörden. Wie war das bei euch?
Aleks: Wir bekamen von ihnen viel Lob. Nach dem Umbau war es zwar problematisch, weil wir sämtliche Akustikpaneele neu machen mussten. Aber mit diesen Problemen haben wir dazugelernt. Die Behörden kamen uns dann etwas entgegen und wir ihnen, so pflegten wir in den letzten Jahren ein entspanntes Verhältnis.

Wie seht ihr die generellen Probleme zwischen Clubs und Behörden in Wien?
Aleks: Es ist in Wien fast unmöglich, die Clubkultur aufrecht zu erhalten, wenn die Behörden so strikt dagegenwirken. Die Stadt sollte da mehr tun, die Clubkultur mehr fördern. Momentan kommt da von der Stadt Wien nicht viel – Österreich ist halt ein Rock- und Klassik-Land.

Wiener Club Auslage sperrt zu
Foto: Auslage

Verratet ihr uns zum Schluss die weiteren Pläne des Kernteams der Auslage?
Duc: Wir gönnen uns Zeit für uns und unsere Familien, machen Urlaub, entspannen. Pläne sind natürlich da – unser Idealismus war nie gelogen, wir lieben diese Musik, diese Szene. Wir sind jedenfalls Freunde und bleiben das auch. Vor allem Aleks hat dem Club als Booker eine Seele gegeben.

Was passiert mit der Location am Gürtel?
Aleks: Die Auslage wird rückgebaut, es kommen – wie zuvor – Büros rein. Es kann also niemand die Location übernehmen.
Duc: Wir nehmen die Anlagen raus und das war's.

Wir wünschen dem Team alles Gute und danken für zehn aufregende Jahre. Von Donnerstag ("Rave Oida!") bis Samstag finden noch Partys statt – dann hat es sich in der Auslage ausgetanzt.

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