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Heulsuse der Woche: Rassistischer Immobilienmakler vs. aggressiver Exhibitionist

Ein Berliner Makler verteilt Briefe an Wohnungseigentümer, in denen er vor Flüchtlingen warnt, und ein Mann im Affenkostüm sprengt ein Dorffest mit Beil und Penis.
24.10.15

Und wieder ist es an der Zeit, sich über ein paar Menschen zu wundern, die mit der Welt nicht fertigwerden.

Heulsuse #1: Ein Berliner Immobilienmakler

Foto: imago | Hans Scherhaufer

Der Vorfall: Ein Berliner Immobilienmakler möchte besonders gute Deals eintüten.

Die angemessene Reaktion: Sich neue Wege zu überlegen, mögliche Kunden anzusprechen—durch Gummibärchen, Imagevideos oder was man als Immobilienmakler eben sonst so tut.

Die tatsächliche Reaktion: In einem Rundbrief an Eigentümer behaupten, dass ihre Wohnungen durch eine neue Flüchtlingsregistrierungsstelle erheblich an Wert verlieren würden und ordentlich Ressentiments schüren.

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Man hat es wahrscheinlich nicht sonderlich leicht als Makler in einer Metropole, in der Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt ähnlich weit auseinanderklaffen wie in Berlin. Deswegen dachte sich Uwe Fenner—nebenbei auch rechtspopulistischer Politiker (Alfa) und selbsternannter Stilberater—wohl: Warum nicht mal was wagen? Warum nicht auf irgendein Thema aufspringen, dass die Deutschen gerade beschäftigt wie kaum ein anderes? Warum nicht auf dem Rücken von Flüchtlingen eine Art Akquirierungskampagne lostreten? Gesagt, getan.

Wie unter anderem Der Tagesspiegel berichtet, verteilte Fenner an rund 150 Wohnungseigentümer rund um die Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf ein Schreiben, in dem er vor der neuen Flüchtlingsregistrierungsstelle in der benachbarten ehemaligen Landesbank Berlin warnte. „Was wird Ihre schöne Wohnung in einem halben Jahr noch wert sein?", fragte er darin dramatisch und gab direkt selbst die Antwort: Scheinbar nicht mehr viel. Schließlich wisse man, dass sich „die Wohnungspreise in der Nachbarschaft solcher Großeinrichtungen im Nu halbieren". Fenner begründete diese Behauptung unter anderem mit angeblichen „Gewalttaten in Flüchtlingslagern" und Diebstählen durch die „vielen, insbesondere jungen Männer[n], die nichts zu tun haben, weil unsere Behörden so langsam sind." Sein (natürlich absolut uneigennütziger) Appell an die Immobilienbesitzer: „Verkaufen sie JETZT und zwar sofort."

Von Realsatire zu realer Gewalt—kann man über die AfD wirklich noch lachen?

Wenig überraschend ging das Ganze ordentlich nach hinten los. Einige der Adressaten wendeten sich beispielsweise an CDU-Politiker Stefan Evers, dessen Wahlkreis sich in Wilmersdorf befindet. Der fand klare Worte für die Aktion des Immobilienmaklers: „Mit dumpfer rechter Propaganda wird Stimmung geschürt, werden Ängste und Sorgen instrumentalisiert zu Zwecken der Geschäftemacherei." Das Schreiben befand er als „schlimmer als NPD- und AfD-Parolen, das ist übelste Stimmungsmache unter dem Deckmäntelchen der seriösen Maklerfirma." Ähnlich sahen das laut Tagesspiegel auch der Bürgermeister der City West, Reinhard Naumann (SPD) sowie Vertreter des Rings Deutscher Makler und des Immobilienverband Deutschlands. Die Berliner Polizei wiederum sagte aus, dass es keinerlei Zahlen gäbe, die die Behauptungen des Maklers unterstützen würden.

Und was sagt der Übeltäter selbst dazu? Er bat „höflich und herzlich" um Entschuldigung, für den Fall, dass er „in diesem Schreiben die Gefühle für Anstand und Unterstützung und Erbarmen für die Flüchtlinge verletzt habe." Noch mehr Gedanken scheint er sich allerdings um die Gefühle seiner Parteikollegen von Alfa, Bernd Luckes neugegründetem AfD-Ableger, Gedanken zu machen. Am Donnerstagmorgen bat er per E-Mail um Entschuldigung für sein Verhalten—scheinbar ohne Erfolg. Der Landesverband verkündete nun, dass Fenner mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender zurückgetreten sei, Landessprecherin Antje Scheel verurteilte den Brief außerdem als „unakzeptables Gebaren". Was lernen wir daraus? Wenn selbst deine rechtspopulistischen Parteikollegen sich von dir distanzieren, dann hast du den Bogen wirklich überspannt.

Heulsuse #2: Ein Stukenbrocker Exhibitionist

Foto: Steven Depolo | Flickr | CC BY 2.0

Der Vorfall: Beim Auftakt eines Dorffestes zieht ein Besucher im Affenkostüm blank und zeigt den anwesenden Frauen seinen Penis. Ein anderer Besucher will ihn davon abhalten.

Die angemessene Reaktion: Sich fragen, ob man vielleicht ein bisschen zu viel getrunken hat, seinen Penis einpacken und gehen.

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Die tatsächliche Reaktion: Ein Beil zücken und auf die Anwesenden losgehen.

Wir alle waren schon mal an dem Punkt, an dem wir ein bisschen zu tief ins Glas geguckt haben und am nächsten Morgen beschämt feststellen mussten, dass wir nichts anderes sind als triebgesteuerte Tiere, die ihr Leben nicht im Griff haben (oder? ODER?!). Dieser Heulsusenkandidat gibt dem Begriff ausgehbedingte Eskalation eine ganz neue Bedeutung—und dabei ist nicht einmal klar, ob Drogen oder Alkohol im Spiel waren. Was war passiert?

Andere spektakuläre Kostüme gab es beim Elfia, Europas größtem Fantasy-Festival.

Bei der Eröffnung des alljährigen „Pollhans"-Festes auf dem Schloss Holte-Stukenbrock fiel in der Nacht von Samstag auf Sonntag einer der Besucher dadurch unangenehm auf, dass er die Lokalität in einem Affenkostüm betrat und den anwesenden Damen seinen Penis präsentierte. Weil halbnackte Männer in albernen Kostümen im ersten Moment vielleicht lustig klingen, allerdings auch ziemlich unangenehm werden können, entschied sich ein anderer Besucher der Veranstaltung, den 20-Jährigen Stukenbrocker zur Räson zu bringen.

Um 23:55 Uhr Ortszeit soll die Situation laut der Lippischen Landeszeitung dann vollends eskaliert sein. Der Exhibitionist zog ein Beil aus seinem Kostüm und schlug damit „mehrmals gezielt" auf den Kopf seines 27-jährigen Kontrahenten ein. Glücklicherweise konnte Schlimmeres durch das Eingreifen anderer Veranstaltungsteilnehmer verhindert werden, die den Mann davon abhalten konnten, weiter auf sein Opfer einzuhauen. Sowohl die Helfer als auch der 27-jährige Gütersloher kamen mit leichten Verletzungen davon.

Bei seiner Festnahme soll sich der Affenmann gewehrt und die Beamten „massiv" beleidigt haben. Ein Richter ordnete der LZ zufolge eine sofortige Inhaftierung an.