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Wie man auf einem schwedischen Marine-Kriegsschiff kocht

Wenn du denkst, kochen auf einem Kriegsschiff ist das Gleiche wie an Land, dann warte nur, bis die Messer bei starkem Wellengang durch die Küche fliegen. Ein schwedischer Marinekoch erzählt von seinen Erfahrungen an Bord der HMS Sundsvall.

von Theo Hagman Rogowski
13 Oktober 2015, 9:00am

An manchen Morgen auf See bereitet 042 Håkansson das Frühstück für seine Crew an Bord der HMS Sundsvall, eines Kriegsschiffs der vierten Marineflottille der schwedischen Marine, zu. Das Frühstück besteht aus Haferbrei, frisch gebackenem Brot, hart gekochten Eiern, Schinken, Käse und Kaviar aus der Tube (typisch schwedisch), Sauermilch mit Müsli, Nüssen, Früchten und Beeren, Saft und ein Meer von Kaffee.

„Der Grießbrei ist das Lieblingsgericht der Besatzung. Wir servieren auch Haferbrei, aber Grieß ist süßer", sagt 042 Håkansson, der Koch des Schiffs, der unter Landratten besser als Max Håkansson bekannt ist.

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042 Håkansson, AKA Max Håkansson. Fotos vom Autor.

Wenn die See ruhig ist, unterscheiden sich die Aufgaben auf der HMS Sundsvall nicht von anderen Restaurant- oder Straßenküchen. Max erzählt aber, dass das Kochen auf einem Kriegsschiff auf dem Wasser ganz anders ist als in einem Hotdog-Stand.

„Man darf Messer nicht so herumliegen lassen", sagt er und zeigt auf das Messer auf dem Schneidebrett. „Man muss es mit irgendetwas befestigten. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass Dinge, die man unbefestigt herumliegen lässt, einfach verschwinden."

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Kochen auf einem Kriegsschiff erfordert große Flexibilität.

Wenn der Wind über die Ostsee peitscht und die Wellen fünf Meter hoch sind, wird die Besonderheit des Jobs am deutlichsten. Das Schiff stampft vorwärts durchs Wasser. Lose Gegenstände und Besatzungsmitglieder fallen herum und rutschen weg—aber die Köche dürfen nicht aufhören zu kochen, nur weil jemand nicht mehr aufstehen kann. Max hält sich an Griffen an der Küchendecke fest, während er Schnittlauch hackt und das Essen im Topf umrührt.

„Manchmal muss ich Gegenstände mit einem meiner Beine festhalten", sagts Max. „Mit einer Hand halte ich mich an den Griffen an der Decke fest—auf einem Bein balanciere ich, mit dem anderen halte ich Dinge fest, damit sie nicht durch die Gegend fliegen—während ich versuche, etwas in der Pfanne anzubraten."

Leider bewahren ihn die Griffe nicht davor, seekrank zu werden. „Ich habe gehört, dass ein Koch auf einem der Schiffe die Anweisung bekommen haben soll, etwas zu kochen, das sich leicht erbrechen lässt", gibt er zu. Der Großteil der Besatzung wird bei starkem Wellengang seekrank, was anhaltende kulinarische Konsequenzen haben kann.

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Einige der vielen Zutaten, aus denen das Essen für die Crew zubereitet wird.

„Während meiner ersten Woche an Bord, als ich es noch nicht ganz gewohnt war, auf See zu sein, briet ich zehn Kilo Speck an und ein riesiger Topf mit acht Litern Milch, Sahne und Zwiebeln köchelte neben mir, es stank wie die Pest und das Schiff schaukelte schon die ganze Zeit", erinnert sich Max. „Gegen Ende meiner Schicht musste ich raus aus der Küche, um mich zu übergeben. Seither esse ich keine Pasta Carbonara mehr."

Die Küche—oder in der Seemannssprache die Kombüse—ist ungefähr zehn Quadratmeter groß und die meisten Oberflächen sind aus Chromstahl. „Als ich das erste Mal herein kam, fand ich es ziemlich eng, aber mittlerweile gefällt es mir." Trotz der Größe ist die Küche mit allem ausgestattet, was man Anfang der 90er brauchte, um für eine 40-köpfige Besatzung zu kochen. Die Kochbedingungen haben sich seither nicht viel verändert, aber jeder, der mit alten Küchengeräten arbeitet, weiß, dass es manchmal ist wie mit manchen alten Menschen: Sie sind steif und machen, was sie wollen.

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The HMS Sundsvall, gelandet.

„Der Backofen ist das Schlimmste. Der Griff ist schon ein paar Mal steckengeblieben und ich konnte den Ofen nicht mehr aufmachen. Das hat mir schon einige Mahlzeiten versaut. Der Herd braucht eine Weile, bis er auf Touren kommt, aber dann ist er richtig heiß."

Max erzählt, dass die kompakte Küche für einen Koch ausreicht, der das Essen für die gesamte Crew zubereitet, aber sie hat auch ihre Nachteile. Auf so engem Raum erzeugen die Hitze des Ofens, der Herd und der heiße Dampf der Geschirrspülmaschine eine „Feuchtigkeit wie im Dschungel", wie Max es beschreibt.

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In der Küche an Bord der HMS Sundsvall.

„Es ist sehr heiß und man klebt überall vom Wasserdampf. Es hat hier drinnen um die 35°C und es ist so feucht, dass man gar nicht weiß, was man mit sich anfangen soll."

Zwei Köche arbeiten auf der HMS Sundsvall. Wenn das Schiff auf einer Mission ist, wechseln sich Max und sein Kollege alle sechs Stunden zwischen Küchendienst und Schlaf ab. Manchmal kann diese Routine für Verwirrung sorgen.

„Ich bin selten auf dem Deck oben und weil es hier keine Fenster gibt, ist es manchmal schwierig zu sagen, welche Tageszeit gerade ist", sagt Max. „Nach einem Tag oder zwei frage ich mich, ‚Ist es Morgen, ist es Nacht? Welche Mahlzeit muss ich eigentlich kochen? Was geht hier eigentlich ab?'"

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Kaffee ist für die schwedische Marine sehr wichtig.

Während des gesamten Interviews mit Max kommen immer wieder Leute in die Küche. Manche haben Dinge mit ihm zu besprechen, die meisten kommen aber nur, um ihre Kaffeetassen aufzufüllen. „Als die Kaffeemaschine kaputt war, standen mehr Techniker in meiner Küche als jemals sonst", sagt er. „Ohne Kaffeemaschinen hört die gesamte Marine auf zu arbeiten. Sie sind sehr, sehr wichtig." Napoleon (oder vielleicht Friedrich der Große) sagte einmal, dass eine Armee auf ihren Magen marschiert, die schwedische Marine hingegen schwimmt auf Kaffee.

Wenn die Köche nicht gerade für die Verpflegung der Crew sorgen—und das kommt nur vor, wenn ein Signal ertönt, um das Schiff bereit für den Kampf zu machen—, müssen sie das größte Baby der Schiffs mit Munition füttern, die vordere Kanone. Ihre Hauptaufgabe liegt jedoch darin, den Speiseraum der Offiziere zu einer provisorischen Krankenstation umzuwandeln und erste Hilfe zu leisten. Wenn ein U-Boot oder das Monster von Loch Ness unter dem Schiff lauert, müssen sich die Köche aufs Hauptdeck begeben und helfen, Unterwasserbomben abzuwerfen.

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Im Speiseraum der Offiziere mit König Carl XVI Gustaf und Königin Silvia.

Die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Konflikts ist jedoch für einen Hilfskoch in einem Diner an einem Samstag Abend größer als für die Köche der Schwedischen Streitkräfte. „Ich habe Angst, wenn kochendes Wasser oder Öl aus den Pfannen und Töpfen spritzt", sagt Max, „aber ich habe keine Angst um mein Leben."

Ob er bereit ist, sein Leben für Braten und Kartoffelpüree zu geben? „Ja, irgendwie schon", sagt er, „Für Carbonara werde ich aber nicht sterben."