AfD-Parteitag

Die bizarrsten Momente auf dem AfD-Parteitag in Augsburg

Hitler-Witze, Diesel-Panzer und Aufkleber mit Brüsten – die Partei hat sich wieder ins Zeug gelegt.

von Matern Boeselager
02 Juli 2018, 7:22am

Alle Fotos: Grey Hutton

Das Wichtigste zuerst: Die folgende Liste vermittelt kein realistisches Bild vom 9. Parteitag der AfD in Augsburg. Die Realität war nämlich deutlich langweiliger.

Das sind viele Parteitage – allerdings vermitteln AfDler schon das Gefühl, dass sie wirklich Spaß daran haben, stundenlang über Anträge zur Zurückweisung des Änderungsantrags zur Absetzung des Tagesordnungspunkts 15 zu streiten.

Wenn sie nicht gerade über Anträge abstimmten, dann liefen die AfD-Leute ziemlich gutgelaunt durch die Räume der Augsburger Messe. Die Umfragewerte der AfD sind gerade besser denn je. Und mit dem Beschluss, nun auch eine eigene Partei-Stiftung zu gründen, macht die AfD genau das, was sie früher den anderen Parteien vorgeworfen hat: Steuergelder für eigene politische Zwecke zu verwenden.

AfD-Delegierte auf dem AfD-Parteitag in Augsburg
Frauen und Jüngere muss man bei der AfD länger suchen

Aber selbst wenn die Veranstaltung vergleichsweise harmlos daherkam, blitzten immer wieder Momente auf, die deutlich machen, was die AfD für eine Partei ist: eine rechtspopulistische Sammelbewegung, die sich nicht nur nicht von Rechtsextremisten abgrenzt, sondern deren Kader auch bewusst mit extremer Rhetorik spielen. Was die folgende Liste aber auch über die AfD zeigt: Sie ist immer noch eine ziemlich junge und unerfahrene Bewegung – die sich aber vor allem aus älteren Männern zusammensetzt.

Das Eröffnungslied

Gegen 10:30 Uhr sitzen fast alle Delegierten auf ihren Plätzen in der riesigen Messehalle und der Parteitag beginnt – mit demselben poppigen Schlager, mit dem sich die Partei schon vor der Bundestagswahl 2017 Mut angeschunkelt hat. Aufgenommen hat das Lied der niedersächsische Landesverband, und obwohl es teilweise so klingt, als hätte ein 12-jähriges Alter Ego von Lutz Bachmann gedichtet ("Es ist für unser Deutschland / inzwischen höchste Zeit / sonst macht heimlich und leise / die Schariiiiia sich breit!"), scheint es der AfD immer noch sehr gut zu gefallen. Wenn ihr mal reinhören wollt, tut ihr das auf eigene Gefahr:

Gaulands Hitler-Witz

Es ist noch gar nicht lange her, dass AfD-Bundessprecher Alexander Gauland die Nazizeit als einen "Vogelschiss" in der deutschen Geschichte bezeichnet und damit sogar erzkonservative Unterstützer schockiert hat. Der AfD hat das in den Umfragen trotzdem nicht geschadet, und Gauland hat seine Rhetorik weiter aufgedreht.

AfD-Bundessprecher Alexander Gauland schneuzt sich auf dem AfD-Parteitag in Augsburg
Gauland stilsicher mit Hunde-Krawatte

In seiner Eröffnungsrede beschimpft er die gewählte Bundesregierung als "Regime", die EU als "Brüsseler Kreml", die anderen Parteien als "Blockparteien". Dann vergleicht er noch die aktuelle Situation mit den "letzten Monaten in der DDR" und Angela Merkel mit dem damaligen SED-Generalsekretär Erich Honecker. Das ist purer Unsinn: Unter einem echten Regime wie dem in der DDR könnte dieser ganze Parteitag natürlich nie stattfinden.

Und dann kommt der Witz, den Gauland sich für die Rede vorbereitet hat. "Deutschland ist derzeit mit den Russen wegen Putin verfeindet, mit den Amerikanern wegen Trump, mit den Briten wegen des Brexit", ruft er. "Der letzte deutsche Regierungschef, der eine solche Feindkonstellation gegen sich aufgebracht hat …" Dann verstummt er und wartet, bis die Delegierten auf den Parteitag in Augsburg die Anspielung verdaut haben – und in Johlen und Klatschen ausbrechen. "Ich hab' aber nicht verglichen!", legt er grinsend nach.

Nein, hat er nicht, er wollte wohl nur wieder irgendwas mit Hitler droppen. Sein Redemanuskript zeigt, wie er seinen schlappen Witz geplant hat:

Das Hotelkarten-Debakel

Für die Abstimmungen hat die AfD sich ein topmodernes, elektronisches Abstimmungssystem zugelegt. Für ein paar Delegierte war das offenbar zu modern: Statt ihrer Autorisierungskarten für die Geräte gaben sie beim Rausgehen ihre Hotel-Chipkarten ab – und sorgten so dafür, dass eine ganze Reihe von Abstimmungen für ungültig erklärt und wiederholt werden musste. "Das kann doch nicht sein", stöhnt ein jüngerer Delegierter, der gerade kopfschüttelnd durch den Saal geht. Das Durchschnittsalter der AfD-Mitglieder liegt übrigens bei 52 Jahren.

Merchandise und eine Stimmkarte auf dem AfD-Parteitag in Augsburg
Links: AfD-Windbreaker. Rechts: Eine Stimmkarte für die Abstimmungen

Meuthens Rentenpläne

Was die AfD zu Flüchtlingen zu sagen hat, weiß mittlerweile wahrscheinlich jeder. Anders sieht es aber bei Themen aus, mit denen man vielleicht nicht ganz so viel Wut auf Facebook schüren kann, die aber deutlich mehr Menschen im Land betreffen. Die AfD hat auch nach fünf Jahren nichts, was nach einem sozialpolitischen Konzept aussieht – und das, obwohl der deutsche Staat den größten Batzen im Haushalt für Renten, Unterstützung für Arbeitslose, Familien und Pflege ausgibt. Weil die AfD sich aber gerne als Partei des kleinen Mannes verkaufen will, hat sie auf diesem Parteitag erste Schritte unternommen, um sich nun auch eine Haltung zu diesen Themen zu geben. Mit der richtigen Sozialpolitik, erklärte der Thüringer Landeschef Björn "Denkmal der Schande" Höcke in einem Antrag, werde die AfD "die einzige relevante Volkspartei in Deutschland".

Eine Delegierte auf dem AfD-Parteitag in Augsburg
We feel you

Wie diese richtige Sozialpolitik aussehen soll, darauf hat sich die Partei dann aber nicht geeinigt. Höcke zum Beispiel stellt sich einen Rentensatz von 50 Prozent vor. Klingt nach der "Linken" – bis man hört, dass er bestimmte Rentenvorteile nur an Deutsche auszahlen will. Auf der anderen Seite steht der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen, der die Rente stattdessen lieber ganz abschaffen will: Schrittweise will er die gesetzliche Rente durch eine "selbst gewählte, freie Form der Altersvorsorge" ersetzen. Wer das nicht hinbekommt, für den soll der Staat dann mit Hilfe aus Steuermitteln sorgen.

So richtig viel Applaus bekam Meuthen von den Delegierten dafür nicht – das kann aber auch daran gelegen haben, dass viele von ihnen während seiner detaillierten Ausführungen über das Steuerrecht den Saal verlassen oder ein bisschen gedöst haben.

Der ältere Delegierte, der in der Diskussion über Diesel-Fahrverbote das Mikro nahm und warnte: "Im Kriegsfall dürften dann unsere Panzer nicht fahren!"

Der Vorsitzende konnte ihn aber beruhigen: "Noch haben wir ja keinen Krieg." Gelächter im Saal.

Der Rechtsextreme, der sich als Schiedsrichter zur Wahl stellte

Die Wahl der Schiedsrichter für das parteiinterne Gericht (die entscheiden dann zum Beispiel über Parteiausschlüsse) war ziemlich langweilig, bis irgendjemand Dubravko Mandic für einen Posten nominierte und der dann ans Mikro trat. Mandic ist in der Vergangenheit mehrmals durch rechtsradikalen Mist auf Facebook aufgefallen: Einmal schrieb er, die AfD unterscheide sich von der NPD "vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte", ein andermal nannte er Barack Obama einen "Quoten*****".

Abstimmungsergebnisse auf dem AfD-Parteitag in Augsburg
Abstimmungsergebnisse wurden auf eine riesige Leinwand projiziert. Hier wurde darüber abgestimmt, ob man einzeln oder im Block darüber abstimmen will, ob man die über die Tagesordnungspunkte SO 6 bi SO 13 überhaupt abstimmen soll

Als er am Samstag danach gefragt wurde, reagierte Mandic trotzig: Natürlich gebe es Gemeinsamkeiten mit der NPD. Und: "Ich hab Obama Quoten***** genannt, weil wir uns von den Linken nicht diktieren lassen dürfen, was man sagen darf." Mandic wurde am Ende nicht gewählt – bekam aber immerhin 91 von 440 Stimmen.

Die Preise für das Essen

9 Euro für ein Stück gräulichen Leberkäse mit Kartoffelsalat oder einen Teller wabbeliger Penne! 3,50 plus 1 Euro Pfand für ein stilles Wasser! "Gud isch's net, aber dafür teuer", lachte ein untersetzter Delegierter aus Baden-Württemberg und klopfte seinem ungläubig die Preise musternden Kollegen auf den Rücken.

Die sexistischen Sticker der Jungen Alternative

Was gibt’s dazu noch zu sagen? Dass sie nächstes Mal wenigstens die Eier haben sollten, "Busen statt Burka" zu schreiben?

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