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Gesundheit

Gartenarbeit statt Antidepressiva

Die Teilnehmer des britischen Ökotherapieprogramms MindFood bauen Gemüse an und verkaufen es. Das Care Farming, eine alternative Therapiemethode, soll ihnen bei der Bewältigung ihrer psychischen Probleme helfen.
3.3.15
Zwei Menschen bei der Gartenarbeit

Mit großer Wahrscheinlichkeit hast du noch nie von Care Farming gehört. Obwohl es in Großbritannien noch Teil einer langsam wachsenden Bewegung ist, ist die Ökotherapie oder Ökorehabilitation ein Konzept, das in anderen Teilen der Welt gerade eine Blütezeit erlebt. Von der historischen Gould Farm, Amerikas ältester therapeutischer Gemeinschaft, zu San Patrignano in Italien, einem Drogenrehabilitationszentrum, das die kulinarischen Talente der Patienten fördert—wir haben definitiv angefangen, uns außerhalb der traditionellen Betreuungsmethoden umzusehen.

Der Sinnesgarten in Ealing, das Herzstück des britischen Programmes MindFood, ist sehr wahrscheinlich anders als alle Gärten, die du je gesehen hast. MindFood vertritt den Grundgedanken, dass therapeutische Intervention oder Intervention, die nicht auf Medikamenten basiert, die psychischen Leiden der Leute erheblich lindern kann. Die Farm schafft eine sichere, fürsorgliche und nicht-institutionelle Umgebung für Personen mit psychischen Problemen — von Schizophrenie zu Depressionen, bipolaren Störungen und mehr.

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Ciaran Biggins, der Gründer von MindFood, sagt, während traditionelle Methoden medikamentöser oder psychologischer Therapie immer ihren Platz in der Gesellschaft haben werden, gebe es einfach Dinge, die man mit diesen Methoden nicht erreichen kann. MindFood arbeitet mit den Patienten zusammen, um sie bei ihrer Genesung und—dem wichtigsten Aspekt, betont Biggins—bei der Ausschöpfung ihres ganzen Potentials zu unterstützen, und das alles durch den Anbau und den Verkauf von Lebensmitteln.

Biggins gründete die Farm, die er als schlagkräftiges Sozialunternehmen bezeichnet, vor fast drei Jahren, als ihm bewusst wurde, wie viele Menschen mit psychischen Erkrankungen von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden. Fast alle von Biggins Teilnehmern sind Teil des „Systems" und machen auf Empfehlung ihrer Ärzte eine Therapie nach traditionellen Methoden. Genau das sind die Leute, die MindFood und das Konzept des Care Farming am meisten brauchen.

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Biggins macht sich nichts vor. Er sowie Leiter ähnlicher Projekte sind sich bewusst, dass die traditionellen Therapiemethoden unglaublich wichtig für die Patienten sind, obwohl Biggins darauf beharrt, dass diesen Methoden etwas fehlt. „Traditionelle Formen mit Medikamenten behandeln die Symptome, ja", sagt er, „aber sie setzen sich nicht mit den sozialen Auswirkungen auseinander, die sie mit sich tragen."

Er ist der Meinung, Leute mit solchen Erfahrungen sollten die Möglichkeit haben, an therapeutischen Aktivitäten wie dem Gemüseanbau oder -verkauf teilnehmen zu können, entweder anstelle oder zusätzlich zu den traditionellen Betreuungsmethoden. Mit dem Erfolg von MindFood hat er ein starkes Argument.

Allein letztes Jahr nahmen mehr als 70 Leute an den verschiedenen Programmen von MindFood teil, manche an 8-wöchigen Einführungsprogrammen, andere am ganzjährigen „Grow To Sell"-Programm, bei dem die Teilnehmer good mood food, Essen für die gute Laune, züchten.

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Die Teilnehmer bauen verschiedenes Gemüse wie Grünkohl, Zucchini, Salat oder essbare Blumen an und verkaufen es auf verschiedenen Märkten. „Es ist eine bereichernde Erfahrung", sagt Biggins begeistert. „Diese Leute haben mit psychischen Störungen zu kämpfen und hätten sich ansonsten vielleicht aus der Gesellschaft zurückgezogen. Jetzt sind sie Teil des gesellschaftlichen Lebens und bieten eine Leistung an, für die sie von Anfang bis Ende verantwortlich sind. Sie sehen, wie die Leute das Essen, das sie angebaut haben, schätzen und wie es ihnen schmeckt. Das ist für sie eine Bereicherung, das hat heilende Kräfte."

Und die Ergebnisse trügen nicht. Diskussionen und Umfragen haben ergeben, dass 97 Prozent der Teilnehmer des MindFood-Programms sich nützlich fühlen, 92 Prozent fühlen sich ruhiger und glücklicher und 72 Prozent haben das Gefühl, sie haben einen gesünderen Umgang mit ihren Problemen gelernt.

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„Ich wollte wieder das Gefühl haben, gebraucht zu werden", sagte Priyanka, eine Patientin, die an Depressionen leidet und bisher nicht die Hilfe bekam, die sie brauchte. Weder Medikamente noch eine Therapie wirkten. „Alles lief nur noch mechanisch ab. Ich war kurz davor aufzugeben", gibt sie zu, bis sie ihre Rettung in der Form eines Gartens fand. Wie die anderen Patienten von MindFood und anderen Care Farms in Großbritannien, fand Priyanka Trost in der Gartenarbeit. „Ich baue Tomaten an", sagt sie mit einem Lächeln, „das ist nicht viel, aber es sind meine, ich habe das gemacht."