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Wie es mein genialer, drei Jahre andauernder Streich in eine 'South Park'-Folge schaffte

Es begann mit einem Hochzeitsgeschenk und endete damit, dass mein Agent eine Ziege in sein Büro geliefert bekam.

von Sanjay Shah
26 August 2016, 4:00am

Screenshot aus Osama hat nix in der Hose, Staffel 5, Episode 9.

Da ich gerade erst einen Job als Drehbuchautor bei einer Sitcom an Land gezogen hatte, konnte ich den Druck richtig spüren, der aufgrund der anstehenden Hochzeit meines Agenten Mickey auf meinen Schultern lastete. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass jeder ein "lustiges" Geschenk von mir erwartete. Also besorgte ich ihm eine Ziege. Genauer gesagt, habe ich Oxfam International ungefähr 40 Dollar überwiesen, damit die Hilfsorganisation im Namen von Mickey eine Ziege an ein Dorf in Südafrika spendet. Falls du dich jetzt fragst, inwiefern eine Ziege lustig sein soll ... sie ist es nicht.

Mickey strengte sich wirklich an, ehrlich zu wirken, als er sich für das Geschenk bedankte. Aber ich wusste Bescheid. Schließlich mag niemand eine wohltätige Spende als Geschenk. Nein, stattdessen soll man lieber den Pizzaschneider besorgen, der auch auf dem Wunschzettel des Brautpaares steht. Ich fragte Mickey noch, wie seine Frau das Geschenk fand. Nach einer langen Pause meinte er nur: "Na ja, ich habe ihr noch nicht davon erzählt. Ich bin mir aber sicher, dass es ihr gefallen wird." Er hasste mein Geschenk. Perfekt, denn genau das wollte ich auch. Die Ziege war nämlich gar nicht das wirkliche Geschenk.

Gut einen Monat später bekam Mickey Post aus Südafrika, genauer gesagt von den Empfängern der Ziege. Der Absender erklärte, dass er Oxfam um Mickeys Adresse gebeten hatte, um ihm persönlich für die Ziege danken zu können: "Vielen lieben Dank! Wir haben so lange keine Ziege mehr gehabt. Wir haben sie sogar nach dir benannt. Unsere Kinder trinken gerade Mickeys Milch!"

Mein Agent rief mich direkt an. Und er war überglücklich: "Ich habe für diese Leute wirklich etwas Gutes getan!" Er bedankte sich bei mir und auch ich war glücklich—in erster Linie, weil Mickey nicht merkte, dass ich den Brief eigentlich geschrieben hatte. Ich hatte den Text einfach zu einem alten Studienfreund gemailt, der damals in Südafrika arbeitete. Besagter Freund brachte das Ganze dann zu Papier und schickte den Brief per Post an meinen Agenten. Mein Plan war voll aufgegangen.

Und so schickte ich Mickey auf diese Art und Weise auch weiterhin Briefe zu—drei Jahre lang, um genau zu sein.

Der zweite Brief kam gut sechs Monate später an. Der Ziegenbesitzer wollte sich nur mal wieder bei Mickey melden und erzählte ihm, wie es dem Tier erging. "Alles ist gut", schrieb er. "Die Ziege ist zwar einmal weggelaufen, aber keine Sorge! Ich habe sie wiedergefunden und direkt ordentlich verdroschen. Jetzt wird sie nie wieder wegrennen. Deine Investition ist sicher!"

Mickey rief mich wieder direkt an und sagte: "Ich habe einen weiteren Brief aus Südafrika erhalten. Und dieses Mal stehen da ziemlich komische Sachen drin." Mehr wollte er mir nicht verraten.

Die nächste Post ließ dann erneut mehrere Monate auf sich warten. Dieses Mal kam sie jedoch von der Nachbarin des Typen, der Mickey die ersten beiden Briefe geschrieben hatte. Besagte Nachbarin erklärte Mickey, dass die von Oxfam geschickte Ziege eigentlich für sie gedacht war, der Typ von nebenan sie sich dann aber einfach unter den Nagel gerissen hätte. "Du musst da etwas unternehmen", drängte sie meinen Agenten.

Und wieder klingelte mein Telefon. "Steckst du dahinter?", fragte mich Mickey. Ich stellte mich dumm und meinte, dass ich mich nicht mal mehr an die Ziege erinnern könnte, weil das Ganze schon so lange her war. Außerdem wäre ich doch gar nicht so lustig. Mickey stimmte mir zu, was mich insgeheim doch etwas wütend machte. Schließlich sagte er, dass er keine Ahnung hätte, ob die Briefe jetzt wirklich echt seien. Falls das jedoch so sein sollte, dann fand da eine Ungerechtigkeit in seinem Namen statt. Er meinte nur noch, dass er der Sache auf den Grund gehen müsste, und legte auf.

Einige Monate zogen ins Land und ein vierter Brief flatterte ins Haus. Dieses Mal musste mir sogar ein Freund, der Grafikdesigner ist, dabei helfen, denn ich benötigte ein geprägtes Logo auf schwerem Papier. Der Brief stammte nämlich von der südafrikanischen Regierung.

Der Verfasser des Briefs erklärte in offiziellem Ton, dass er ein Kommunalpolitiker sei, zu dessen Bezirk auch die Township gehörte, an die Mickeys Ziege gegangen war. Der Politiker informierte meinen Agenten darüber, dass ein Streit über den Besitz des Tiers ausgebrochen und es deswegen auch zu Ausschreitungen in der Township gekommen wäre. "Die Ziege verursacht zu viel Ärger. Deshalb schicken wir sie wieder zurück."

Eine Woche später ließ ich dann eine Ziege in Mickeys Büro liefern.

Das ist Mickey, die Ziege | Foto: bereitgestellt von Sanjay Shah

Ich versteckte mich in einem angrenzenden Teil des Büros. Als Mickey vor der gelieferten Ziege stand, starrte er das Tier erstmal eine ganze Weile nur an. Ich konnte zudem hören, wie er "Das passiert jetzt nicht wirklich?!" vor sich hin murmelte.

Wir ließen die Bombe schließlich platzen und so fand Mickey auch heraus, dass ich hinter der ganzen Sache steckte. Seine Agenten-Instinkte setzten sofort ein und er fragte mich, ob ich den Scherz irgendwie fürs Fernsehen aufbereiten könnte. Dann erzählte er noch einigen Showrunnern von meinem Streich und so bekamen auch irgendwann die South Park-Produzenten Wind davon. Sie stellten mich direkt als Gag-Schreiber ein.

Ich könnte natürlich behaupten, dass ich das alles genau so geplant habe, um mir einen Job bei South Park zu angeln. Aber nein, ich wollte einfach nur meinen Agenten reinlegen, indem ich ihn als Auslöser von Unruhen in Südafrika dastehen lasse. Und falls ihr euch jetzt fragt, was mit der ins Büro gelieferten Ziege passiert ist: Wir haben sie mitten in Los Angeles freigelassen, wo sie ein Bus direkt überfuhr. Spaß, der Ziege geht es natürlich gut. Es handelt sich bei dem Tier nämlich um eine professionelle Schauspiel-Ziege, die du wahrscheinlich schon in irgendwelchen Filmen gesehen hast. Ich habe sie für ihre Mühen natürlich ordentlich entlohnt.