Ein Telegram-Logo steckt in einem Schredder
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Tech

Fünf Gründe, warum du Telegram sofort löschen solltest

Den Ruf als bessere WhatsApp-Alternative hat Telegram nicht verdient. Die App hat eine unsichere Standard-Einstellung und lässt Neonazis verstörend viel Freiraum.
3.11.20

Telegram wird überbewertet. Wer einen weniger aufdringlichen Messenger als WhatsApp sucht, kann viele sichere Alternativen ausprobieren. Der Griff zu Telegram ist aber so schlau wie der Griff zum Fertig-Cheeseburger aus dem Supermarkt.

Weltweit chatten mehr als 400 Millionen Menschen mit Telegram, so steht es auf der Website der Firma. Ein Grund für die Beliebtheit ist sicher auch das Outlaw-Image von Telegram. Der Gründer Pavel Durov hat Russland aus politischen Gründen verlassen, die Firma sitzt nun in Dubai. Mehrfach twitterte Durov darüber, wie Russland vergeblich versuche, Telegram zu blockieren. Dabei nutzte er den kämpferischen Hashtag #digitalresistace, digitaler Widerstand. Nimm das, Putin! 

Auch Werbung lehnt Telegram kategorisch ab. "Gewinn machen wird niemals das Ziel von Telegram sein", steht in den FAQ. Nimm das, Tech-Industrie! 

Bei genauem Hinsehen zeigt sich aber: Ähnlich wie die kommerzielle Konkurrenz ist Telegram kein Musterschüler in Sachen Privatsphäre. Hinzu kommt, dass es auf Telegram vor Nazis und Verschwörungsideologen wimmelt – denn die Firma lässt ihrem Menschenhass auf öffentlichen Kanälen und Gruppen eine Menge Freiraum. Ob auch das zum Outlaw-Image gehört? Hier sind fünf Gründe, warum Telegram doch nicht der Alternativ-Messenger ist, auf den wir immer gewartet haben.

Erstens: Standard-Chats auf Telegram sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt

Ein nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselter Chat auf Telegram

Auf Telegram kannst du niemanden daran hindern, dich ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anzuschreiben | Schnipsel: Pixabay | CC0 | PublicDomainPictures || Smartphone: Pixabay | CC0 | nevoski || Montage: VICE

Wenn man alle Spielereien beiseite lässt, haben Messenger nur einen wichtigen Job: Private Gespräche sollen privat sein. Die beste technologische Lösung dafür heißt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Sie bewirkt, dass nur Sender und Empfänger eine Nachricht lesen können. Wer Ende-zu-Ende-verschlüsselte Daten abfängt oder auf dem Server des Anbieters durchstöbert, sieht nur Zeichensalat. Selbst WhatsApp nutzt diese sichere Art der Verschlüsselung seit 2016

Telegram aber scheint diesen einen, wichtigen Job nicht so genau zu nehmen. Der Messenger bietet die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nämlich nur an, wenn man sie für jeden Kontakt extra einschaltet. Wer also einfach drauf los chattet, verschickt seine Nachrichten ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Das ist nicht nur unpraktisch, das ist fahrlässig. Wenn du Wert auf Privatsphäre legst, kannst du zwar die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für jedes Gespräch einschalten. Aber du kannst nicht verhindern, dass dich irgendein Typ auf Telegram plötzlich ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anchattet und fragt, ob du noch Pepps hast.

Telegram hat sich für diese unsichere Art zu chatten einen eigenartigen Namen ausgedacht: "cloud chat". Das ist nicht nur wolkig formuliert, das ist ein sprachliches Ablenkungsmanöver. Bloß nicht sagen, dass deine Chats unzureichend verschlüsselt sind. Stattdessen unterstreicht Telegram, dass deine Gespräche in der "Cloud" liegen, also auf Telegram-Servern. Von dort lassen sie sich mit anderen Geräten synchronisieren. Das mag in manchen Fällen ein nettes Feature sein, als Standard-Einstellung ist es aber eher daneben. Die sicheren Chats nennt Telegram "secret chats".

Gruppen und Channels auf Telegram sind übrigens grundsätzlich nicht "secret", also nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Das heißt, wenn du eine Telegram-Gruppe mit deinen besten Freundinnen hast, kommuniziert ihr dort weniger sicher als in einer WhatsApp-Gruppe. Eure Nachrichten, Fotos und Videos liegen dann ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf Telegram-Servern. Natürlich versichert Telegram, dass diese Daten sehr gut geschützt werden. Besser wäre es aber, wenn ein Schutz der Daten gar nicht erst nötig wäre, weil sie für Dritte unlesbar verschlüsselt sind.

“Entweder wir oder das Facebook-Monopol"

In den Datenschutzbestimmungen schreibt Telegram auch noch, dass die "cloud chats" durchleuchtet werden dürfen: "Wir können auch automatisierte Algorithmen zur Analyse von Nachrichten in Cloud-Chats verwenden, um Spam und Phishing zu unterbinden". Das bedeutet im Klartext: Telegram darf deine nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselten Gespräche einer digitalen Rasterfahndung unterziehen. So viel zum Hashtag "digitaler Widerstand".

Recherchen von Motherboard aus dem Jahr 2018 konnten zudem belegen, dass deutsche Ermittler des BKA seit Jahren Telegram-Gruppen mit einem Trick ausspionieren konnten. Mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wäre dieser Trick den Recherchen zufolge nicht möglich. Ende Oktober haben deutsche Ermittler mehrere Telegram-Gruppen hochgenommen, in denen offenbar unter anderem Drogen angeboten wurden.

Telegram-Gründer Durov wird derweil nicht müde, Privatsphäre als hohes Gut anzupreisen. In einem öffentlichen Statement bezeichnet er Privatsphäre als Menschenrecht. Das bekräftigt er auch in Tweets, etwa, als ein indisches Gericht Privatsphäre als Grundrecht stärkte. Fünf von fünf Sternen für dieses Mindset – aber warum ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Telegram nicht Standard? 

In einer öffentlichen Streitschrift dreht Durov 2019 richtig auf und inszeniert die Konkurrenz zwischen Telegram und WhatsApp als Kampf zwischen Gut und Böse. WhatsApp könne "niemals sicher" werden, so der Telegram-Gründer. Durov behauptet, die Mehrheit des Internets werde vom "Facebook/ Instagram/ WhatsApp-Imperium" als "Geisel gehalten". Sein Fazit: "Entweder wir oder das Facebook-Monopol. Es geht entweder um Freiheit und Privatsphäre oder um Gier und Heuchelei." Die Streitschrift ist mindestens überspitzt und einseitig, teilweise übertrieben. Sie endet mit den Zeilen: "Das Zeitalter der Gier und Heuchelei wird enden. Eine Ära der Freiheit und Privatsphäre wird beginnen." 

Aha. Aber warum ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Telegram dann nicht Standard? Das wäre doch mal ein erster Schritt in die Ära der Privatsphäre. Wir haben Telegram diese Frage per E-Mail gestellt und keine Antwort erhalten.

Zweitens: Auch Telegram greift Telefonbuch und Metadaten ab

Ein Smartphone mit geöffnetem Kontaktbuch

Telegram möchte Zugriff auf dein Telefonbuch haben | Schnipsel: Pixabay | CC0 | PublicDomainPictures || Smartphone: Pixabay | CC0 | nevoski || Montage: VICE

Nicht nur WhatsApp möchte auf alle deine Kontakte zugreifen, Telegram auch. Der Messenger schnappt sich die Einträge in deinem Telefonbuch, inklusive der Namen, die du den Nummern zugewiesen hast. Ob "Mama", "Papa", "Blöder Ex" oder "Psychotherapie" – Telegram weiß Bescheid. "Wir speichern aktuelle Kontakte, um dich zu benachrichtigen, sobald sich einer deiner Kontakte bei Telegram registriert", erklärt die Firma in den englischsprachigen Datenschutzbestimmungen.

Klingt nach einem notwendigen Übel, aber das lässt sich auch anders lösen. Der Krypto-Messenger Signal zum Beispiel wandelt erfasste Kontakte in Zeichenwerte um, sogenannte Hashes, die sich nicht zurückrechnen lassen. Auf diesem Weg erfährt Signal dankenswerterweise nicht die Nummer vom blöden Ex. Wir haben Telegram gefragt, warum sie bei erfassten Kontakten nicht auch mit Hashes arbeiten. Eine Antwort gab es nicht.

Ähnlich wie WhatsApp verzichtet Telegram nicht komplett darauf, Metadaten zu sammeln. Telegram darf laut Datenschutzbestimmungen etwa deine IP-Adresse erfassen. Mit IP-Adressen können Nutzerinnen und Nutzer geortet werden. Außerdem lassen sich damit Bewegungsprofile erstellen. Du verbringst die Wochentage in Berlin, die Wochenenden in Hamburg, fährst zwei Mal im Jahr nach Bielefeld? Anhand von IP-Adressen könnte Telegram das theoretisch nachvollziehen. 

Und dann ist da noch diese befremdliche Formulierung in den Datenschutzbestimmungen von Telegram. Dort steht eine Aufzählung, welche Metadaten Telegram – mit einer Speicherdauer von bis zu einem Jahr – sammeln darf: deine IP-Adresse, welches Gerät du nutzt, "etc". Bloß: Was steckt hinter "etc"?

Metadaten sind gerade das Material, das Geheimdienste brauchen, um massenhaft Personen und ihre Kontakte zu durchleuchten. Schon der ehemalige NSA-Chef Michael Hayden hat gesagt: "We kill people based on metadata". Es ist also sehr relevant, welche Metadaten eine Plattform genau erfassen darf und welche nicht. Wir haben Telegram per E-Mail gefragt, was mit "et cetera" gemeint ist. Blieb bisher unbeantwortet.

Drittens: Telegram duldet Nazis und andere Menschenfeinde

Smartphone mit geöffneter Telegram-App und verpixelten Musiktiteln

Warum ist diese Musik noch immer online? | Schnipsel: Pixabay | CC0 | PublicDomainPictures || Smartphone: Pixabay | CC0 | nevoski || Montage: VICE

Telegram ist zu einer der wichtigsten Plattformen für Rechtsextreme und Verschwörungsideologen geworden. Bei Facebook, Instagram und YouTube werden sie vermehrt rausgeschmissen, bei Telegram radikalisieren sie sich weiter. Im April 2018 empfahl die US-Neonazi-Website Daily Stormer ihren Lesern, zu Telegram zu wechseln

Aktuell vernetzen sich in Deutschland zudem viele Menschen auf Telegram, die hinter der Corona-Pandemie eine Verschwörung wittern. Die Süddeutsche Zeitung hat in einer großen Datenrecherche Hunderte Anti-Corona-Gruppen und -Kanäle auf Telegram ausgewertet. Das Ergebnis: Auf Telegram vermischen sich diese Gruppierungen unter anderem mit Rechtsextremen und Anhängern der antisemitischen Verschwörungsideologie QAnon. Auch prominente Verschwörungs-Influencer wie Attila Hildmann und Xavier Naidoo setzen auf Telegram.

Telegram kann sich seine Fans nicht aussuchen. Aber Telegram hat die Wahl, ob menschenfeindliche und in Deutschland illegale Inhalte online bleiben oder nicht. Die jüngsten Attentate von Rechtsterroristen haben gezeigt, wie rechtsextreme Verschwörungsmythen zu Gewalt führen können. Die mutmaßlichen Attentäter von Christchurch und El Paso haben sich in ihren Pamphleten auf solche Verschwörungsmythen bezogen. Die mutmaßlichen Attentäter von Hanau, Halle und München waren Rechtsradikale.

Daraus scheint Telegram kaum sichtbare Konsequenzen zu ziehen. Im Februar diesen Jahres haben wir bei VICE recherchiert, wie Neonazi-Musik ungehindert auf Telegram kursiert. Die von uns gemeldeten Inhalte hatte Telegram nicht entfernt.

Übersicht: Rechtsextreme Band auf Telegram – Diese Gruppen und Channels verbreiten indizierte Musik

Bilanz unserer VICE-Recherche vom Februar 2020 | Grafik: VICE

Ähnlich enttäuschend ist die Bilanz einer größeren Stichprobe von jugendschutz.net: Die Autoren haben rund 200 Inhalte auf Telegram gemeldet, unter anderem wegen Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Holocaustleugnung und Volksverhetzung – also nach deutschem Recht mutmaßliche Straftaten. Laut jugendschutz.net hat Telegram aber rund 89% der gemeldeten Inhalte online gelassen. Fragen dazu habe Telegram nicht beantwortet.

Dabei hat die Plattform längst bewiesen, dass sie auch in großer Zahl Gruppen und Kanäle löschen kann, wenn sie das möchte: Bei islamistischer Terror-Propaganda dokumentiert die Plattform transparent, wie viele Inhalte sie entfernt.

Die Offenheit für Neonazis passt nicht ins Bild von Telegram als Kämpfer für Freiheitsrechte und Demokratie. Durov twitterte im August 2020, dass Telegram von der Demokratiebewegung in Belarus genutzt werde, Zensurversuchen zum Trotz. Auch bei den Protesten zum Schutz der Demokratie in HongKong spielte Telegram eine wichtige Rolle.

Im Jahr 2017 schreibt Durov in einem Blogeintrag: "Telegram hat nie dem Druck von Behörden nachgegeben, die politische Zensur gefordert haben". Redefreiheit sei einer der Werte, die Telegram verteidige. Nur Gewalt dürfe auf der Plattform nicht verbreitet werden, schreibt Durov. Genauso lautet auch eine der drei Regeln, die Telegram in seinen äußerst knappen Nutzungsbedingungen aufstellt. 

Warum lässt Telegram also Neonazis und Verschwörungsideologen gewähren? Betrachtet die Plattform Rassismus und Antisemitismus etwa als – friedlich? Unsere Frage hierzu hat Telegram nicht beantwortet.

Viertens: Telegram stellt sich häufig tot, wenn Journalisten Fragen haben

Ein Smartphone zeigt die Telegram-App mit dem geöffneten Channel von Pavel Durov

Auf seinem Telegram-Channel schreibt Pavel Durov von Freiheit und digitalem Widerstand | Schnipsel: Pixabay | CC0 | PublicDomainPictures || Smartphone: Pixabay | CC0 | nevoski || Montage: VICE

Das wird dir sicher auch schon aufgefallen sein, wenn du diesen Text bis hierhin gelesen hast. Telegram ist extrem verschlossen, sobald Journalistinnen und Journalisten etwas wissen wollen. Das ist seltsam. Telegram positioniert sich immer wieder als Fan von Demokratie und Redefreiheit. Und Journalismus ist gelebte Demokratie und Redefreiheit. Eigentlich sollten Telegram und Journalisten also voll auf einer Wellenlänge sein. Eigentlich. 

Im Februar 2020 wollten wir erstmals von Telegram wissen: Wieso toleriert Telegram in Deutschland Kanäle mit indizierter Neonazi-Musik? Keine Antwort. Im August haben wir öffentlich auf Twitter noch einmal nachgehakt. Keine Antwort. Nicht einmal inhaltsleere Statements von geschulten Pressesprechern. Einfach Funkstille.

Im September hat sich plötzlich ein Telegram-Sprecher bei uns gemeldet. Auf unsere Frage zur Neonazi-Musik ist er aber nicht eingegangen. Stattdessen beschwerte er sich, dass wir einen falschen Link gesetzt haben in einem Text, der Telegram nur beiläufig erwähnt. Touché! Wir haben den Link korrigiert – und sofort geantwortet, dass es da ja noch unsere unbeantwortete Anfrage von Februar gibt. Ob Telegram jetzt antworten wolle? Funkstille. 

Der Eindruck drängt sich auf, dass Telegram kritische Fragen gezielt ignoriert.

Fünftens: Gruppen und Kanäle sind alle andere als unauffällig

Ein Handy mit einer Telegram-App zeigt eine Gruppe mit dem teils verpixelten Titel "Drugs"

Auch wenn manche auf Telegram einen auf Darknet machen, so dark ist es nicht | Schnipsel: Pixabay | CC0 | PublicDomainPictures || Smartphone: Pixabay | CC0 | nevoski || Montage: VICE

Gruppen und Kanäle auf Telegram sind sehr praktisch, um in kurzer Zeit viele Menschen zu vernetzen und zu mobilisieren. Bei Telegram-Gruppen können bis zu 200.000 Accounts beitreten, Kanäle können unbegrenzt viele Abonnenten haben. Es gibt reichlich kostenlosen Speicherplatz, um Videos und Audio-Dateien zu teilen. Die Nutzerinnen und Nutzer sind untereinander zumindest ansatzweise anonym: Für einen fremden Telegram-Nutzer bist du zunächst nur mit Spitznamen sichtbar, außer aber, er hat deine Telefonnummer gespeichert.

Was viele Aktivistinnen, Schwarzmarkt-Händler und Verschwörungsgläubige auf Telegram wohl nicht so auf dem Schirm haben: Sie befinden sich auf einem Präsentierteller. Und das liegt nicht nur an der fehlenden Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Kanäle und Gruppen auf Telegram können mithilfe von Programmierschnittstellen durchleuchtet werden. Mit etwas Programmierkenntnissen lassen sich etwa geteilte Nachrichten und Mitgliederlisten in Kanälen und Gruppen massenhaft auswerten. Es genügt, Gruppen beizutreten oder Kanäle zu abonnieren, um sie nach Querverweisen zu untersuchen. So lässt sich etwa nachvollziehen, welche Accounts in mehreren Gruppen Mitglied sind und von wo welche Nachrichten weitergeleitet werden. 

In einer großen Datenrecherche hat die Süddeutsche Zeitung gezeigt, wie sich diese Einblicke für journalistische Zwecke einsetzen lassen. Andererseits können aber auch weniger freundliche Menschen und autoritäre Regime auf dieselbe Weise versuchen, Telegram-Nutzende zu durchleuchten. 

Bei Facebook zum Beispiel wäre eine ähnlich umfassende Analyse nur mit sehr viel Mühe möglich. Das soziale Netzwerk unternimmt viel, um automatisierte Datenabfragen zu verhindern. Wir haben gefragt, ob auch Telegram etwas tun möchte, damit sich solche Analysen weniger leicht durchführen lassen. Keine Antwort.

Fazit: Telegram ist ein Phänomen – aber kein guter Alltags-Messenger

Um im Alltag bequem und mit möglichst viel Privatsphäre mit den eigenen Kontakten zu schreiben, ist Telegram einfach nicht die beste Wahl. Einen Blick wert sind stattdessen Signal, Threema oder Wire. In jeder Hinsicht perfekt ist übrigens kein Anbieter. Diese detaillierte Tabelle von 12 Apps im Vergleich zeigt, welche Vor- und Nachteile selbst die vorbildlichsten Messenger haben.

Eines muss man Telegram aber lassen: Der Hybrid aus Messenger und sozialem Netzwerk ist ein wahnsinnig spannender Akteur in der Netzkultur. Mal dient Telegram als Plattform für Drogendealer, mal für Verschwörungsideologen, mal für demokratische Widerstandskämpfer.

Über Telegram-Gründer Pavel Durov, der die Plattform offenbar mit seinem Vermögen am Laufen hält, könnte man eine Netflix-Serie drehen: Der einstige Gründer des Facebook-Konkurrenten vKontakte wird häufig als russischer Mark Zuckerberg bezeichnet; seit seiner Flucht aus Russland hat Telegram angeblich in verschiedenen Ländern seinen Hauptsitz gehabt, unter anderem in Berlin.

Es lohnt sich also, zumindest aus der Ferne zu verfolgen, was rund um Telegram passiert, man muss ja nicht gleich seine Familie und Freunde auf die Plattform mitnehmen.

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