Verschwendung

Weshalb wir Lebensmittelverschwendung nicht in den Griff bekommen

Es gibt immer mehr Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung. Bloß: Sie haben keinen Erfolg.
11.7.16
Bild via Imago

Einige können es vielleicht nicht mehr hören, aber jährlich landen Millionen Tonnen Lebensmittel einfach, na ja, in der Tonne. Die Welt versucht sich an Lösungen für dieses Problem, in Frankreich dürfen Supermärkte per Gesetz keine Lebensmittel mehr wegschmeißen, hier denkt man eher erst mal darüber nach, ein „zweites Mindesthaltbarkeitsdatum" einzuführen. In Großbritannien versucht man sich währenddessen daran, altes Brot in Bier zu verwandeln, oder mit Spielzeug die Liebe zu krummem Gemüse zu wecken.

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Allerdings hat die Website Neighbourly, die Wohltätigkeitsorganisationen und freiwillige Helfer zusammenbringt, jetzt in einer Umfrage herausgefunden, dass diese Mühen vielleicht alle umsonst sind. Das Problem liegt vor allem auch in der Infrastruktur, dadurch kommen viele Lebensmittel aus Supermärkten und Restaurants gar nicht erst zu den Obdachlosenheimen oder an bedürftige Familien.

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Neighbourly hat 218 Tafeln und Wohltätigkeitsorganisationen befragt, wobei 47,8 Prozent angaben, dass sie deshalb nicht regelmäßig und pünktlich Mahlzeiten und Essen verteilen können, weil ihnen ausreichend Lagerraum fehlt. Für 40,7 Prozent der befragten Organisationen war es außerdem problematisch, die Spenden aufgrund fehlender Transportmöglichkeiten überhaupt abzuholen. 36,8 Prozent hatten nach eigenen Angaben keine Kühlmöglichkeiten. Außerdem beklagten je gut 30 Prozent, dass nicht genug finanzielleMittel bzw. Lebensmittelspenden zur Verfügung stehen.

Steve Haines von Neighbourly meint, dass die Ergebnisse zeigen, dass es bei der Weiterverteilung von Lebensmitteln um mehr als nur das Essen geht: „Ich würde gern mehr Kreislaufwirtschaft sehen. Wenn man sich das Gesamtbild anschaut, können wir diese Lücken füllen. Neighbourly würde gern freie Büroräume zur Verfügung stellen, sollten Organisationen so etwas brauchen, oder Kühlschränke und Gefrierschränke."

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Die Probleme mit der Kühlung beeinflussen möglicherweise auch, inwieweit die Organisationen gesunde Mahlzeiten an Bedürftige verteilen können. Bei der Umfrage kann raus, dass „Brot (98,1 Prozent) und Gemüse (96,2 Prozent) fast überall [als Spenden] akzeptiert wurden", gekühlte Lebensmittel wie Milchprodukte und Fleisch sind weniger willkommen. In einer Pressemitteilung von Neighbourly heißt es, dass das „möglicherweise auf die zuvor erwähnten Probleme (keine Kühl- oder Transportmöglichkeiten) oder eben auf eine größere Vorsicht im Umgang mit solchen verderblichen Produkten hindeutet."

In einem Bericht der britischen Organisation WRAP im Mai diesen Jahres hieß es, dass in der britischen Lebensmittelproduktion und im Handel jedes Jahr 1,9 Millionen Tonnen weggeworfen werden. Nur 47.000 Tonnen davon werden an andere Organisationen weitergegeben, obwohl laut Schätzungen von WARP weitere 270.000 Tonnen eigentlich auch zur Weiterverteilung geeignet wären.

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Steve Haines hofft nun, dass die Neighbourly-Umfrage positive Auswirkungen hat, nicht nur um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, sondern auch in Bezug auf die anderen sozialen Probleme, die Tafeln und Co. zu bekämpfen versuchen: „Bei diesen Organisationen geht es nicht nur ums Essen. Hier finden Menschen wieder zusammen, ältere Menschen leben nicht mehr in Isolation, Kindern wird [mit einem kostenlosen Frühstück] ein guter Start in den Tag ermöglicht und die Leute bekommen einen Zugang zu vollwertiger Ernährung."

Und Veränderungen sind dringend nötig, da immer mehr Lebensmittel weggeworfen werden.