Imitatoren

Ob Mann, Frau oder Kind: Diese Fotos zeigen, dass wir alle Elvis sein können

Der King ist noch lange nicht tot, wie ein neuer Fotoband beweist. Stattdessen holt er Menschen aus der Krise und erlaubt vielen Männern, sich auch mal aufzubrezeln.

von Chris Bethell
19 Februar 2019, 11:57am

Alle Fotos von Graeme Oxby

Seinen ersten Elvis sah der Fotograf Graeme Oxby an einer nordenglischen Tankstelle: ein alter Bekannter, der gerade seinen Cadillac betankte. Er erzählte Oxby, er habe seinen Namen zu "Elvis Parkin" geändert und lebe jetzt seinen Traum. Für den Fotografen war das der Beginn einer Reise – in die Welt der Elvis-Imitatoren.

Wir sprechen mit Oxby über sein Projekt The Kings of England Lieblings-Elvisse, über den Appeal des Kings für die Arbeiterklasse und seinen Einfluss auf Geschlechternormen für Männer.

The-Kings-Of-England-by-Graeme-Oxby
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VICE: Die meisten Elvisse sind Männer mittleren Alters aus der Arbeiterklasse. Warum ist Elvis ausgerechnet bei Arbeitern so ein Hit?
Graeme Oxby: Elvis stammte aus der Arbeiterklasse, er war vor seinem großen Durchbruch Trucker. Diese Story des amerikanischen Traums, vom Tellerwäscher zum Millionär, das fesselt die Menschen. Sie sind fasziniert von der Vorstellung, dass ein Arbeiter zum berühmtesten Menschen der Welt werden kann. Oder zumindest zum meistfotografierten. Außerdem hatte Elvis unfassbar gute Songs, die zum Teil der Arbeiterkultur geworden sind. Zwischen 1965 und 1980 dominierte Elvis' Musik in allen Männerclubs der englischen Arbeiterklasse. Und ich denke, dass diese Männer damit die starren Geschlechterrollen ein Stück weit hinter sich lassen konnten: Ein Elvis putzt sich heraus, er stylt sich. So kann auch ein Kfz-Mechaniker oder ein Bergarbeiter ein Pfau sein und ein bisschen stolzieren. Das Elvis-Fantum erlaubt es ihnen, kreativ zu sein.

The-Kings-Of-England-by-Graeme-Oxby
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Gibt es Menschen, die sich besonders zum Dasein als Elvis-Imitator hingezogen fühlen?
In den fünf Jahren, die ich an dem Projekt gearbeitet habe, ist mir vor allem aufgefallen, dass viele sich in Zeiten der Krise an Elvis wenden. Ein Mann hatte einen Sohn, der mit 21 Jahren gestorben war – in den Armen seines Vaters, an einem Herzinfarkt. Die Elvis-Community half dem Vater, seine Verzweiflung hinter sich zu lassen. In gewisser Weise ist es wie eine Religion. Es gibt den Leuten etwas, in das sie ihre Energie stecken können. Außerdem ist die Community äußerst inklusiv und eng verbunden.

Erzähl uns ein bisschen von deinen Lieblings-Elvissen.
Elvis Parkin, den ich mit seinem Cadillac an der Tankstelle traf, ist definitiv einer von ihnen. Dann ist da noch Polk Salad Annie. Eine sehr interessante Frau, aus Yorkshire in Nordengland wie Elvis Parkin. Sie arbeitet als Geistermedium und als Elvis-Imitatorin. Annie hat Elvis Presley in den 70ern kennengelernt, damals reiste sie für mehrere Konzerte in die USA. Das macht sie zu einer sehr beliebten Person in der Szene, ständig fragen andere sie nach ihrer Meinung zu ihren Looks, ihrer Performance. Sie ist eine richtige Expertin und hält durch Séancen Kontakt mit dem King.

OK.
Dann war da noch ein Junge namens Alfie. Er gehört auch zu denen, die aus einer persönlichen Krise heraus zum Elvis wurden. Sein Vater hat eine lebensbedrohliche Krankheit, und ausgerechnet deshalb mobbten ihn seine Mitschüler. Er fing an, Elvis zu imitieren und gewann einen Wettbewerb – plötzlich war er jemand, war stolz auf sich selbst. So hat er die Bullys zum Schweigen gebracht. Inzwischen ist er ein Star der Elvis-Szene, und das mit nur 14 Jahren.

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Bist du selbst Elvis-Fan?
Aber sowas von! Während meines Kunststudiums arbeitete ich im Landschaftsbau und hörte ständig Elvis. Mein Chef spielte mir die ganz alten Sachen vor. Am Anfang seiner Karriere war Elvis eine unfassbar gut aussehende Naturgewalt. Natürlich ging es dann in mancher Hinsicht ein bisschen bergab mit ihm. Es gibt Phasen von Elvis, die ich liebe, und andere, die mir kaum was geben. Aber ein großer Teil seines Schaffens ist einfach ikonisch. Viele sagen mir, ich solle doch selbst Elvis-Imitator werden, aber bisher habe ich mich nicht dazu hinreißen lassen.

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The Kings of England gibt es als Fotobuch von Bluecoat Press. Außerdem wird das Elvis-Projekt beim diesjährigen Format Festival in Derby, England, ausgestellt.

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