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Wir haben den Radiomoderator interviewt, der live ein Kaninchenbaby mit einer Fahrradpumpe erschlagen hat

Anscheinend handelte es sich dabei um einen Versuch, die Heuchelei deutlich zu machen, die viele Menschen beim Thema Tierrechte an den Tag legen.

von Danika Maia
26 Mai 2015, 3:37pm

Am 25. Mai haben zwei dänische Radiomoderatoren, zur Fassungslosigkeit so ziemlich der gesamten Welt, ein neun Wochen altes Kaninchen namens Allan mit einer Fahrradpumpe erschlagen—live in ihrer Sendung. Anscheinend handelte es sich dabei um einen Versuch, die Heuchelei deutlich zu machen, die so viele Menschen beim Thema Tierrechte an den Tag legen.

Allangate, wie der Vorfall bezeichnet wird, hat natürlich einen globalen Medien-Shitstorm ausgelöst und die Radio-24syv-Moderatoren Asger Juhl und Kristoffer Eriksen haben dafür reichlich Kritik geerntet. Ich habe mich mit Kristoffer unterhalten, um herauszufinden, was es mit dieser Kaninchen-Kloppe auf sich hatte.

VICE: Hi, Kristoffer. Wie geht's?
Kristoffer Eriksen: Na ja, ganz gut, würde ich sagen. Die letzten zwei Tage waren ziemlich verrückt. Wahrscheinlich, weil wir ein Kaninchen live im Radio getötet haben. Und dann haben wir es gegessen.

Ja, wahrscheinlich liegt es daran. Was genau ist passiert?
Am Montag war Feiertag, also haben wir uns entschlossen, eine dreistündige Sendung darüber zu machen, dass die Leute Heuchler sind, wenn es um Tierrechte geht. Wir hatten einen Haufen Experten eingeladen, die über das Thema sprachen, und dann brachten wir unseren Praktikanten dazu, uns ein Kaninchen zu kaufen, damit wir es töten konnten und uns selbst mit der Tatsache konfrontieren, dass jedes Mal, wenn wir Fleisch essen, ein Tier dafür stirbt.

Wir finden es wichtig, dass die Leute darüber nachdenken, wie die Tiere, die wir essen, behandelt werden. Dänemark hat eine riesige Schweinezuchtindustrie, in der tonnenweise Ferkel getötet und oft wie Müll weggeworfen werden. Das Wohl von Tieren wird in der Agrarindustrie auf viele Arten missachtet, aber die Leute interessieren sich einen Scheißdreck dafür, wenn das Tier nicht klein und niedlich ist, wie ein Hündchen oder ein Kaninchen.

Es war dein Kollege Asger, der das Kaninchen tatsächlich erschlagen hat. Fahren die Leute härter mit ihm ins Gericht als mit dir?
Die Medien kritisieren uns gleich viel, doch der Mob ist auf jeden Fall härter zu Asger. Er ist derjenige, der die ganzen Morddrohungen kriegt.

Was für Drohungen hat man euch denn so geschickt?
Irgendein Russe hat eine ziemlich gestörte geschickt, in der er Asgers Kinder bedroht. Ich habe sie sogar gerade neben mir. Der Betreff lautet „Hello Bitch" und so lautet die Nachricht: „Ich verstehe dich nicht, du kranker Bastard. Ich will deine Kinder finden und ihre Schädel zertrümmern, während ich dir ins Gesicht sehe und dein Leid genieße. Stell dir vor, wie dein armes Kind nach Luft schnappt, während sein verdammter Kopf auseinanderfällt. Es ist köstlich. Oh, was wäre das toll, ich will sie finden."

Und, findest du, dass es das wert war?
Ja, ich finde, solche Reaktionen zeigen erst recht, dass es sich gelohnt hat, denn sie illustrieren einen wichtigen Punkt: Manche Menschen denken, dass Tiere und Menschen gleichwertig sind, oder sie halten sogar manche Tiere für wertvoller als Menschen. Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich beängstigend.

Wie habt ihr entschieden, wer Allan tötet?
Es war ziemlich einfach. Asger ist vom Land und hatte schon Tiere getötet, also hielten wir es für das Beste, dass er es macht. Ein Typ aus dem Zoo, der Kaninchen als Schlangenfutter tötet, erklärte ihm, wie er es machen sollte. Asger wurde also dabei genau von einem Profi überwacht. Offensichtlich bin ich ein totaler Heuchler, weil ich Fleischessen in Ordnung finde, aber kein Kaninchen töten will.

Was sollte denn die Waffe, die ihr benutzt habt? Ich glaube, die Leute waren nicht so erfreut über diese Fahrradpumpe.
Rückblickend war es wahrscheinlich ein Fehler, eine Fahrradpumpe zu nehmen. Der Typ im Zoo meinte, wir sollten einen stumpfen Gegenstand nehmen, und wir hatten nur eine Fahrradpumpe. Leider konzentrieren sich die ganzen Schlagzeilen darauf und es lenkt von dem Argument ab, das wir damit machen wollten.

Du hast dich selbst einen Heuchler genannt, aber wie fühlst du dich jetzt? Willst du ab sofort jagen oder Vegetarier werden?
Keins von beidem. Aber es hat mich schon überrascht, dass ich keine heftige emotionale Reaktion darauf hatte, als Asger das Kaninchen verprügelte. Jetzt hätte ich nichts dagegen, selbst ein Tier zu töten, wenn es nötig wäre. Ich hatte definitiv mehr Angst und fühlte mich viel emotionaler, was das Thema anging, bevor ich es aus nächster Nähe gesehen hatte.

Asger mit einem Pastagericht, das er aus Allan gemacht hat.

Asger hat Kinder, stimmt's? Was haben sie dazu gesagt?
Asger hat die Leiche mit nach Hause genommen und vor seinen Kindern gehäutet. Er hat ihnen gezeigt, wie man die Innereien herausnimmt und all das, und die ganze Aktion in so eine Art Wissenschaftsprojekt verwandelt. Dann hat er das Kaninchen zu mir gebracht und wir haben es gekocht. Ich habe gehört, die Kinder hätten es sehr interessant gefunden.

Wo zieht ihr die Grenze zwischen „Wissen, wo mein Essen herkommt" und dem Heranzüchten einer Generation von Soziopathen, die Tiere mit Fahrradpumpen ermorden?
Es ist wichtig, Kindern beizubringen, dass man Tiere nicht grundlos töten kann. Das war die Botschaft, die wir rüberbringen wollten. Wenn du ein Tier essen willst, dann muss es dazu sterben. Das hat nichts damit zu tun, Tiere aus morbider Neugier zu jagen, oder weil man sie leiden sehen will. Tiere tötet man nicht aus Spaß, sondern es ist Teil des Lebens—Teil des Daseins an der Spitze der Nahrungskette.

Danke, Kristoffer.