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Mark Wahlberg will Vergebung für seine gewalttätige Vergangenheit

1988 schlug der Hollywood-Star einen Mann wegen dessen Hautfarbe fast tot. Jetzt will er, dass dieser Zwischenfall aus seiner Akte gelöscht wird. Hat Mr. Transformer aber wirklich was dazugelernt?
11.12.14

​Früher nannte sich Mark Wahlberg noch Marky Mark und verkörperte einen rebellischen MC mit unterdurchschnittlicher Bildung, durchtrainiertem Körper und langem Vorstrafenregister. Während heutzutage die Wichte von One D​irection schon als „Bad Boys" angesehen werden, wenn sie sich ein ​schlechtes Tattoo stechen lassen, musste sich der 80er-Jahre-Mädchenschwarm seinen Ruf mit wirklich schlimmen Aktionen noch verdienen.

1988 wurde der in Boston geborene Schauspieler wegen versuchten Mordes angeklagt und wegen Körperverletzung verurteilt. Anschließend verbrachte er 45 Tage im Knast. Das alles war, lange bevor er im für Oscar-nominierten The Fighter mitspielte. Am 26. November bat er das Massachusetts Board of Pardons darum, diese Verurteilung aus seiner Akte zu löschen. „Seitdem habe ich hart an mir gearbeitet, um ein besserer Mensch und ein besserer Bürger zu werden. So will ich ein Vorbild für meine und für andere Kinder sein", schrieb er in seinem Antrag.

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Es stimmt zwar, dass Wahlberg in einer schlimmen Gegend aufgewachsen ist, in der man es als Jugendlicher sicher nicht leicht hatte. Und ja, seine Kindheit war auch wirklich ziemlich beschissen—er war zum Beispiel schon mit 13 kokainabhängig. Aber seine frühen Fehltritte waren eben sehr brutal und ganz klar rassistisch motiviert.

Mit 15 wurde der zukünftige Star dabei erwischt, wie er schwarze Schulkinder mit Steinen bewarf und sie als „Nigger" beschimpfte. Im darauffolgenden Jahr verprügelte er gleichzeitig zwei Vietnamesen—den einen verprügelte er mit einem Stock und nannte ihn „Vietnam fucking shit", dem anderen schlug er so hart ins Gesicht, dass der Mann auf einem Auge erblindete.

Jetzt behauptet der 43-jährige Schauspieler, dass er ein anderer Mensch ist, und ​bittet um Vergebung dafür, dass er fast einen völlig Fremden umgebracht hat. Wenn man jedoch bedenkt, dass einige seiner Kommentare als Erwachsener genau so schlimm waren wie seine Kommentare als Junge auf der Straße, dann fällt es schwer, sein Gnadengesuch ernstzunehmen. Der einzige Unterscheid besteht eigentlich darin, dass sich seine Wut inzwischen gegen Homosexuelle und nicht mehr gegen Menschen anderer Hautfarben richtet.

Foto: ​Eva Rinaldi | ​Flickr | ​CC BY-SA 2.0

1992 trat Wahlberg neben dem Reggae-Star Shabba Ranks in der britischen Talkshow The Word auf. Als man Ranks zu seinem Musikerkollegen Buju Banton befragte, der wegen seiner Gewalt gegen Schwule und Lesben befürwortenden Texte kritisiert wurde, kostete ihm die Antwort seine Karriere: Er meinte, dass man Homosexuelle „kreuzigen" sollte. Anstatt sich jedoch von diesem Kommentar zu distanzieren, stand Marky anschließend mit dem Reggae-Musiker auf der Bühne. Dabei kam dann Folgendes aus seinem Mund: „Shouts out to Shabba Ranks, speaks his mind, speaks his opinion. All y'all can't deal with it—step the fuck off!"

Im Jahr danach fing Wahlberg angeblich ​einen Streit mit Madonnas Entourage an  und dabei fiel auch das Wort „Homo" und es flogen die Fäuste. Nach diesem Zwischenfall entschuldigte er sich ausführlich und gab dem Magazin The Advocate ein ​ausführliches Interview. 2007 leistete er sich einen erneuten Fehltritt, als er zugab, eine Rolle in Brokeback Mountain abgelehnt zu haben, weil er sich beim Lesen des Drehbuchs „​ekelte".

Es ist zwar irgendwie eine Art Besserung zu erkennen—zuerst Leute fast umbringen, dann nur noch Prügeleien und jetzt nur noch etwas Homophobie—, aber Wahlberg bleibt trotzdem ein Teenager im Körper eines Erwachsenen. Wie Brian Moylan in seinem Leitartikel im ​Timebereits feststellte, ist der Zeitpunkt für Wahlbergs Antrag auf Begnadigung besonders tölpelhaft gewählt—immerhin gehen gerade die Menschen in den ganzen USA auf die Straße, weil das dortige Justizsystem so grausam mit Schwarzen umgeht.

In seinem Gesuch schreibt Wahlberg, dass er mit gefährdeten Jugendlichen zusammenarbeiten will und ihm sein Status als verurteilter Verbrecher dabei im Weg steht. Aber selbst wenn er wirklich ernsthaft helfen will, macht das seine früheren Vergehen noch lange nicht ungeschehen. Wahlberg will uns verzweifelt glauben lassen, dass das ungeheuerliche Verhalten seiner Jugend endgültig der Vergangenheit angehört. Er muss jedoch auch eine gewisse Art an Arroganz besitzen, um zu denken, dass er einfach so eine weiße Weste verdient.