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Beziehung

Frauen sind evolutionär darauf programmiert fremdzugehen, sagt ein Forscher

Eine neue Theorie aus der Evolutionspsychologie behauptet, Frauen würden sich unentwegt nach neuen Partnern umsehen—für den Fall, dass es der Alte nicht mehr bringt.

von Sirin Kale
30 August 2016, 7:05am

Stocksy via Mauro Grigollo

Zunächst mal eine Sache vorweg: Es gibt viele Leute—Akademiker wie auch Nicht-Akademiker—, die Evolutionspsychologie für vollkommenen Humbug halten.

Kritiker sagen, Evolutionspsychologie bekräftige veraltete Geschlechterrollen, die in neue kulturelle Fragestellungen verpackt und als „Wissenschaft" verkauft werden. Auch berüchtigte Studien wie die Untersuchung von biologischen Komponenten hinter geschlechtsspezifischen Farbpräferenzen aus dem Jahr 2007, die nahegelegt hat, dass Mädchen Pink mögen, weil ihre Höhlenmenschvorfahren wilde Beeren gesammelt haben, haben kein allzu gutes Licht auf die Disziplin geworfen.

Befürworter evolutionspsychologischer Theorien sind dagegen der Meinung, dass sie ihre Schlüsse aus dem größtmöglichen Pool menschlicher Verhaltensweisen ziehen und zwar aus Mustern und Tendenzen, die es auf der ganzen Welt gibt. Das wiederum bringt uns zu den Ergebnissen einer vor Kurzem erschienen Untersuchung aus der Evolutionspsychologie.

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Eine neuer Forschungsbericht der Universität von Texas legt nahe, dass Frauen Affären haben, um sich nach besseren Partnern umzusehen. Diese sogenannte „Partnerwechselhypothese" könnte, wie Professor David Buss sagt, dazu genutzt werden, das Verhalten kinderloser Frauen zu erklären, denen es in der Regel leichter fällt, den Partner zu wechseln.

„In der menschlichen Entstehungsgeschichte gab es viele schlimme Dinge, die dem langfristigen Partner einer Frau zustoßen konnten. Er konnte sich verletzen, krank werden, sterben oder seine Qualitäten als Partner verlieren." Aus diesem Grund, so Buss, sind Frauen dazu übergegangen, sich ‚Ersatzpartner' zuzulegen.

„Wenn der ursprüngliche Partner seine Vorzüge, die ihn zunächst bei der Partnerwahl ausgezeichnet haben, nicht mehr erfüllen konnte oder sogar zu Nachteilen für die Frau geführt hat, hatte sie die Möglichkeit, ihn durch einen deutlich besseren Partner zu ersetzen." Soll heißen: Prähistorische Frauen haben ihre einstmals so vielversprechenden Partner für ein besseres Modell eingetauscht, wenn der zu einem kränklichen, Beeren sammelnden Loser wurde, der nicht mehr jagen gehen und damit Leben retten konnte.

Buss Ansicht nach kann mithilfe der Partnerwechseltheorie erklärt werden, warum Frauen Affären haben—was ein anderer evolutionspsychologischer Ansatz, die Hypothese von den guten Genen, nicht geschafft hat. Die „Gute Gene"-Hypothese besagt, dass Frauen ihren potenziellen Partner so auswählen, dass ihre Nachkommen die besten Überlebenschancen haben. „Die Theorie kann aber nicht erklären, warum sich Frauen in der Regel auch emotional auf ihre Affären einlassen. Wenn sie nur auf der Suche nach guten Genen wären, hätten sie Sex ohne jede emotionale Bindung."

Der Kern von Buss Argumentation ist eine Aussage aus einer Studie von Glass & White aus dem Jahr 1985, in der behauptet wurde, dass sich angeblich 79 Prozent aller Frauen in ihre Affären verlieben. „Die Motivation von Männern, die Affären haben, beruht eher auf sexuellen Überlegungen. Außerdem verlieben sich sich seltener in ihre Affärenpartner. Frauen haben dagegen eher Affären, um sich nach Ersatzpartnern umzusehen."

Ich frage ihn, ob es nicht auch sein könnte, dass viele Frauen einfach kulturell darauf geprägt sind, Intimität von sexuellen Beziehungen zu erwarten, weshalb sie auch eher Gefühle zu ihren Partnern entwickeln. „Ich unterscheide nicht zwischen evolutionärer und sozialer Psychologie. Es geht hier um die Natur unserer evolutionären Psychologie", antwortet er. Buss sagt auch, dass es Hinweise gibt, die die These stützen, dass Männer generell besser zwischen Sex und emotionalen Beziehungen unterscheiden können. „Das ist allgemeingültig. Ob in Südafrika, Australien oder Botswana—das ist überall das Gleiche."

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Buss meint auch, dass Frauen den „Wert ihres Partner" andauernd überprüfen. „Mein Verdacht ist, dass solche unterschwelligen Bewertungsmechanismen unentwegt in uns ablaufen. Wenn Frauen also jemand Neuen kennenlernen, fragen sie sich, ob derjenige—als Alternative—attraktiver wäre, als ihr aktueller Partner." In seinem Forschungsbericht verweist Buss darauf, dass die unzureichende wirtschaftliche Unterstützung durch den Ehemann häufig als Scheidungsgrund angegeben wird.

Ich frage ihn, ob dasselbe Prinzip auch auf Frauen mit Kindern übertragbar ist. Buss entgegnet, dass Frauen mit Kindern ihren Partner seltener gegen einen überlegeneren Partner eintauschen. Seine grausame Erklärung für diese Beobachtung lautet, dass es „auf dem Paarungsmarkt ein Nachteil und kein Vorteil ist, ein Kind von einem anderen Mann zu haben. Es reduziert deinen Wert als Partner."

Egal, was man von diesen Erkenntnissen auch halten mag—immerhin gibt es auch genug finanziell unabhängige Frauen, die vollkommen ohne Grund und einfach nur zum Spaß Affären haben—, Buss glaubt, dass es auf diesem Gebiet noch sehr viele Punkte gibt, an die zukünftige Untersuchungen anknüpfen können.

„Im der westlichen Welt sind wir aus irgendeinem Grund dazu übergegangen, Beziehungen nur danach zu bewerten, wie lange sie dauern", sagt er. „Aus evolutionärer Sicht ist das ein Fehler. Es gibt also noch unzählige potenzielle Wege für weitere Untersuchungen."


Foto: Gabriel S. Delgado C. | Flickr | CC BY 2.0