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Stefanie Sargnagel hat sich mit Norbert Hofer angelegt und wurde dafür von Facebook gesperrt

Stefanie Sargnagel wird wegen eines Postings über Hofers Einstellung zu Abtreibung frauenfeindlich beschimpft, beleidigt, und von Facebook gesperrt.

von Verena Bogner
11 Mai 2016, 8:45am

Screenshots: VICE Media

Breaking News: Stefanie Sargnagel hat einen Witz gemacht. Diesmal ging es darin um den blauen Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer, der sich am vergangenen Sonntag in einer Diskussionssendung auf Puls 4 dafür aussprach, dass Frauen, die abtreiben wollen, eine mehrtägige Bedenkzeit auferlegt werden solle. Im genauen Wortlaut sagte er: "Wenn sich eine Frau für eine Abtreibung entscheidet, sollte man zumindest ein paar Tage Frist einräumen—zwischen der Entscheidung und dem tatsächlichen Eingriff." Das klingt für mich als junge Frau so, als würde er uns ach so impulsiven, hormongesteuerten Frauen nicht zutrauen, vernünftige, gut durchdachte Entscheidungen zu treffen. Für Hofer geht es da immerhin um ein Leben, für Van der Bellen um die Frau, wie die beiden in der Diskussion weiter äußerten.

Die Autorin Stefanie Sargnagel hat noch am Sonntagabend zwei Postings zum Thema verfasst. Das erste: "wenn frauen abtreiben wollen müssen sie in zukunft warten und vorher ein beratendes gespräch mit norbert hofer führen." Gut 20 Minuten später schrieb sie: "ich glaub ich setz die pille ab nur damit ich noch ein paar mal abtreiben kann bevor hitler bundespräsident wird". Seit heute Morgen ist das Posting gelöscht.

Unter dem Posting standen zuletzt über 100 Kommentare—von "Ich hab grad vor Lachen ein Bisschen Pipi gemacht." bis "i glaub fast, dass am besten deine Eltern den Vorteil des Schwangerschaftsabbruch hätten nutzen sollen!!!" Abtreibungsgegner und -befürworter haben seit Sonntag unter dem Posting diskutiert und mit Kommentaren wie "Wer so was fickt ,fickt auch einen reudigen Strassen Köter" gegen und für Stefanies Aussage, gegen und für Abtreibung, gegen und für Norbert Hofer "argumentiert".

Stefanie Sargnagel selbst konnte für 24 Stunden übrigens nicht mehr mitdiskutieren, da sie vorübergehend von Facebook gesperrt wurde. Erst im April wurde sie blockiert, weil sie ein Posting über das Identitären-Mitglied Alina W. verfasst hatte und daraufhin gemeldet wurde. Einem Tweet von Sargnagel selbst zufolge soll diesmal ein mehrere Jahre altes Foto, auf dem im Hintergrund eine Aktfotoausstellung zu sehen ist, der Grund für die kurzfristige Facebook-Blockade gewesen sein.

Das Foto wurde laut Stefanie Sargnagel wegen Nacktheit gemeldet; der Eindruck, dass hier jemand gezielt ihr Profil nach Inhalten durchsucht habe, die gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen, läge zumindest nahe. Ein Statement zur Frage, wie Facebook zu der ganzen Angelegenheit steht und ob das Netzwerk einen Modus hat, um zu verhindern, dass Künstler unter dem Vorwand angeblicher AGB-Verstöße bei älteren Postings gemeldet und für überspitzte Aussagen mit Blocking bestraft werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ausständig.

Während Stefanie Sargnagel nicht auf ihr Profil zugreifen konnte, wird sie dort übrigens weiterhin beschimpft und beleidigt.

Am Montag hat Sargnagel noch ein Fotoalbum namens "Das Norbert Hofer Unterstützungskomitee" auf Facebook veröffentlicht, in denen sie Kommentare wie "(...) am besten entfernst dir gleich deinen inneren apparat (...)" festhält. Auch das Album wurde laut Sargnagel wegen Nacktheit gemeldet.


Die Diskussionen unter dem Posting von Stefanie Sargnagel und auch auf der Page von Heinz-Christian Strache, der den unzensuriert.at-Link zum Thema geteilt hat, zeigen erneut, dass die FPÖ konservative Ansichten zum Thema Abtreibung vertritt. Das ist an sich nichts Neues und auch im "Handbuch freiheitlicher Politik" nachzulesen, das Norbert Hofer mitverfasst hat. Dort positioniert sich die FPÖ konkret als Pro-Life, spricht von "ungewollten Abtreibungen" und bezeichnet die Gebärmutter als den "Ort mit der höchsten Sterbewahrscheinlichkeit in unserem Land". Der Artikel auf unzensuriert.at beschäftigt sich vorrangig damit, neben Sargnagel auch Puls4-Infochefin Corinna Milborn zu verteufeln, weil diese das Sargnagel-Posting zuvor geliket hatte. In den Kommentaren heißt es etwa (in Bezug auf Milborn) "So eine Depperte Kleschn" und "So ein depperten Weib sollte so undass so kein Kind in die Welt setzen!" sowie (in Bezug auf Sargnagel) "Dem Krampen macht also Abtreiben Spass. Daran erkennt man, wie weit der Gehirnfraß bei manch linken Weibern bereits fortgeschritten ist."

Ein anderer Punkt, der in der Diskussion und auch in Zusammenhang mit Sargnagels letzter Facebook-Sperre wieder einmal auffällt, ist der Umgang mit Frauen im Internet allgemein—in diesem konkreten Fall von rechts. Die Reaktionen erinnern ein wenig an die Kommentare an ORF-Moderatorin Mirjam Weichselbraun, die sich im Rahmen der Opernball-Moderation sarkastisch über Ursula Stenzel geäußert hatte.

Auch Stefanie Sargnagel wird in den Kommentaren schnell auf ihr Aussehen reduziert, als "unfickbar" abgestempelt und zu einem Besuch am Praterstern ermutigt—denn dann würde sie bestimmt eine Abtreibung brauchen, wie einer der Kommentatoren schreibt. Auch auf der Page der FPÖ Burgenland wurde über das Thema diskutiert—eine Userin hat das Ganze mit "Leider hat Hitler sprengnagel vergessen für die g.....Kammer" kommentiert, wie Der Standard berichtet. Das Posting ist mittlerweile gelöscht.

Ein bisschen weniger tragisch, aber kein bisschen weniger skurril fällt ein anderer Kommentar aus, der uns nur hoffen lässt, dass ihr nicht zu den gut 1.500 Likern des Postings von Stefanie Sargnagel gehört habt. Andernfalls besteht eine gute Chance, dass euer Name ausgedruckt und verflucht wurde und ihr bald "den Schmerz aller weltweit Abgetriebenen fühlen" werdet.

Mittlerweile ist Stefanie Sargnagel übrigens wieder auf Facebook zurück—mit einem sehr gelungenen Posting:

Verena auf Twitter: @verenabgnr