Ich habe mich in Zürich hypnotisieren lassen, um mit dem Rauchen aufzuhören

Einmal Raucher, immer Raucher? Mein neuer Versuch von der ewigen Sucht wegzukommen.

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11 Februar 2016, 8:00am

Foto: Public Domain

Ich bin Raucher und manchmal schäme ich mich ein bisschen dafür. Nicht weil es mir wichtig ist, was andere darüber denken, sondern weil ich mir selbst gegenüber nicht ehrlich bin. Als Raucher bist du süchtig und Süchtige geben einen Teil der Kontrolle über sich selbst ab. Tag für Tag und Zigarette für Zigarette schaue ich der selbstzerstörerischen Abhängigkeit in die Augen, nur um so schnell wie möglich wieder wegzuschauen und sie für eine Weile zu ignorieren.

Zum gefühlt millionsten Mal fing mich letztens also derselbe Gedanke ein: „Ich muss sofort mit dem Rauchen aufhören." Doch mein Verstand fand sofort Ausreden dafür, wieso es besser sei, diese Idee vorerst auf Eis zu legen—heute ist nicht so gut, der Tag wird stressig und am Wochenende steht eine Geburtstagsfeier an. Dann werde ich Alkohol trinken und wenn ich trinke, rauche ich sowieso, also kann ich eigentlich heute und eigentlich auch die ganze Woche und ganz eigentlich auch die nächsten Monate und Jahre nicht mit dem Rauchen aufhören.

Mein x-ter und vorerst letzter Versuch aufzuhören, hatte mal wieder mit dem beschämten Löschen der Nichtraucher-App vom iPhone geendet. Meine persönliche Bestmarke von einem ganzen Jahr als Nichtraucher steht ganz weit oben auf dem Podest, gefolgt von zwei Wochen hier und ein paar Tagen dort. Meine Selbstdisziplin reicht also nicht aus.

Über einen Freund hatte ich erfahren, dass Hypnose eine Alternative zur Rauchentwöhnung sei. Um es sanft auszudrücken: Ich war skeptisch, aber willig einen scheinbar einfachen Weg aus der Sucht zu finden.

So kommt es, dass ich jetzt an diesem sonnigen Samstagnachmittag mit einem fremden aber durchaus sympathischen Herrn in einem abgedunkelten Raum sitze, während im Hintergrund Eso-Musik aus den Boxen trällert (keine Ahnung, ob Eso-Musik als Stilrichtung durchgeht, aber ihr versteht hoffentlich, was ich damit meine. Als wäre Enya ein Wal. Und würde ihre Enya-Wal-Lines über einen reduzierten Wasserplätscher-Beat droppen).

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Der Hypnotiseur bittet mich darum, ihm zu erzählen, wie ich zum Raucher geworden bin. Was sind meine Gewohnheiten? Wann greife ich zur Zigarette? Nachdem er lange zugehört und bloss hie und da eine Frage gestellt hatte, stellt er nüchtern fest, dass ich ein typischer Stressraucher sei.

Daraufhin erklärt er mir in seiner beängstigend ruhigen Art und Weise den Ablauf der bevorstehenden Hypnose. Es gäbe keinen Grund, nervös zu sein und ich könne mich total entspannen. Diesen Satz wiederholt und wiederholt und wiederholt er so oft, bis er sich als Mantra dieses Nachmittags in mein Gehirn eingebrannt hatte. Ich würde während der Hypnose das Gefühl haben, anwesend zu sein und könne auf meinen Wunsch hin jederzeit abbrechen. Oft seien die Leute in totaler Hypnose und merkten es nicht einmal.


Ich schliesse also meine Augen und die Stimme meines nachmittäglichen Gurus führt mich an einen Ort zwischen Entspannung und Konfrontation. Als ich schliesslich in mein Inneres eintauche und mit Guru-Hilfe meine innere Mitte, meinen Wohlfühlort, für einen kurzen Moment festhalten kann, zerstört mein Reiseleiter die Idylle direkt wieder.

Die Nikotinsucht beschreibt er als dunklen Rauch, der jegliche Gelassenheit wegfegt. Ich verstehe—obwohl ich hypnotisiert bin—, was der Eso-Typ da versucht. Er will mir die dunkle Seite meiner Sucht bildlich aufzeigen. Mir würde es ohne diesen dunklen Begleiter neben mir bedeutend besser gehen, will er mir klarmachen. Ich solle meine Ruhe finden, dann verliesse der Rauch meine Welt wieder, rät mir der Hypnotiseur. Zum Schluss führt er mich, stets begleitet von der Wal-Enya, zurück an meinen Wohlfühlort und lässt mich zumindest in meiner Vorstellung die sauberste Luft meines Lebens einatmen. Mit diesem Lungenzug soll ich zurück in die Wachwelt kommen.

Die nächsten Stunden fühle ich mich wie auf Koks, nur besser. Alles ist glasklar und ich zeige meiner Ex-Sucht den Finger ins Gesicht und lache sie aus. Ich bin endlich absolut davon überzeugt, dass ich diesen Tabakdreck nie mehr brauchen würde. Ich habe damit abgeschlossen. Ich kann mich selbst dem dauernden Druck entziehen und werde nie mehr auf das Nikotin angewiesen sein, um mich zu entspannen.

Aber: Mein Gefühlshoch verschwand genau so schnell, wie es gekommen war und nach ein paar Stunden war ich wieder ich selbst, ohne besänftigendes „Kein Grund, nervös zu sein", ohne Eso-Musik. Abends an einer Wohnungseinweihungsfeier angekommen, konnte ich dem ersten Impuls zwar noch widerstehen, doch ein paar Bier später stand ich draussen auf der Terrasse mit all den anderen Rauchern—Kumpel Nikotin-Sucht war zurück und klopfte mir tröstend auf die Schulter.

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Auch die Hypnosetherapie fällt für mich also in die Kategorie: Versucht und gescheitert. Bin ich einfach ein dermassen schwacher Charakter, dem nicht zu helfen ist oder ist die Hypnose zur Rauchentwöhnung Hokuspokus? Christian Schwendimann von Züri Rauchfrei einer Fachstelle für Tabakprävention, arbeitet als Präventionsfachmann und beantwortet meine Frage folgendermassen: „Wissenschaftlich gesehen kann keine Untersuchung eine Wirksamkeit der Hypnose zur Rauchentwöhnung feststellen. Der Effekt kommt dem eines Placebos gleich."

Wiederum könne auch ein Placebo wirksam sein. Abseits der Wissenschaft sehe die Realität so aus, dass es glaubwürdige Berichte darüber gebe, durch Hypnose mit dem Rauchen aufhören zu können. Danach ergänzte der Präventionsfachmann noch: „Man muss halt überzeugt davon sein. Keine Methode bietet eine 100-prozentige Erfolgsquote und die meisten brauchen schlussendlich mehrere Anläufe, um Nichtraucher zu werden." Ich habe da etwas von einer Akupunktur-Methode gehört.

Hilf Ivan, mit dem Rauchen aufzuhören: @iiivanmarkovic

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