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Das sind die häufigsten Rechtschreibfehler der Österreicher nach Bundesland

Wir haben Google gefragt und herausgefunden, dass die Steiermark kaputt ist, Salzburger kein Niveau haben und Wiener sogar Spaß googeln müssen.

von Markus Lust
04 Juli 2016, 5:00am

Grafik: VICE Media

Es könnte sein, dass Österreich gerade nicht seine Sternstunde erlebt. Nach der Aufhebung der Bundespräsidentschaftswahl titelte der Postillion "Österreicher zu blöd zum Wählen" und liegt damit für viele, die sonst auch zu blöd sind, Satire zu erkennen, nur den Wimpernschlag eines gedächtnisschwachen Goldfischs zu nah an der Wahrheit.

Dass wir auch in Bezug auf Rechtschreibung nicht die Illuminiertesten sind, zeigen seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit erboste Netz-Kommentare über zu viel Gender- und zu wenig Abschiebungsbewusstsein. Damit konnten wir bis jetzt ganz gut leben; die Blöden, das sind ja bekanntlich immer die anderen.

Aber jetzt deutet eine Auswertung von Google darauf hin, dass die Blöden nicht nur am anderen Ende des politischen Spektrums, im Beisl gegenüber oder am intellektuell etwas seichteren Ufer des Internets, sondern mitten unter (und eventuell sogar in) uns stecken könnten. Wir haben mit Hilfe von Google für euch die schönsten und häufigsten Suchanfragen zu "Wie schreibt man" zusammengetragen und nach Bundesländern geordnet. Weil die Antwort auf ein zerfallendes Europa und ein verdummendes Österreich nur rücksichtsloser und totaler Lokalpatriotismus sein kann.

Es ist aber nicht alles nur lustig. In Bezug auf die Wahlwiederholung meinte der Präsident des Verfassungsgerichtshofs Gerhart Holzinger: "Es gibt einen Schlendrian, den wir nicht tolerieren dürfen". Das ist sehr unösterreichisch, aber vielleicht genau deshalb auch sehr unblöd. Vielleicht bekommt man mit dem Hinweis auf Rechtschreibfehler ja auch den Schlendrian aus der Sprache. Das wäre noch unösterreichischer, aber auch nicht ganz verkehrt. Von Intelligenz her. Bitteschön:

Kärnten

Wie schreibt man: Federpennal, Charmeur, chaotisch

Foto: Henry Söderlund | Flickr | CC 2.0

Kärnten hat es ja nur selten leicht: Seine Bewohner werden gerne als "Nazibauern" beschimpft und können traurigerweise "München" nicht richtig aussprechen ("Münhn"). Letzteres finden zwar sicher einige charmant, wissen aber halt nicht, wie man das schreibt. Dasselbe gilt für Federpennal—obwohl die Sensation hier eher ist, dass dieses Wort noch von irgendjemandem außerhalb eines seit Jahrzehnten abgeschotteten Fritzl-Kellers verwendet wird. Chaotisch geht es spätestens seit den drei großen H zu—also: Hypo, Haider, HCB. Und zwar so chaotisch, dass die Kärntner nicht wissen, ob man nicht vielleicht doch eher "kaotisch" oder "K.O.-Tisch" schreibt. Zum Glück gibt es Zeltfeste, Seen und ernsthafte Drogenprobleme, die die Leute davon abhalten, noch mehr zu googlen.

Niederösterreich

Wie schreibt man: Pyjama, Alkohol, Zwetschke

Foto: Jess Cole

Die Suchbegriffe zu Niederösterreich sind eigentlich schon eine fertige Kurzgeschichte. Wenn man die drei Punkte verbindet, so wie früher bei "Malen nach Zahlen", erhält man mit ziemlicher Sicherheit den Haarkranz von Erwin Pröll oder die Umrisse irgendeiner zünftigen, zwetschkenessenden Weinkönigin, die auf zweifelhafte Art Geld mit Flüchtlingen verdient und einen Mammutzahn als Glücksbringer zuhauseliegen hat. Es ist ein seltsames und sehr trauriges Land mit einer Hauptstadt, die nur aus Schlechtwetter und einem Pommes-Automaten am Bahnhof besteht. Wenn ich dort leben müsste, würde ich ebenfalls nur Zwetschkenschnaps im Pyjama trinken.

Salzburg

Wie schreibt man: Buffet, Reparatur, Niveau

Foto: Hanna Herbst für Eine Tour durch Wiens schlimmste Restaurants

Vor Jahren war ich mit einer Palette Bier am Salzburger Bahnhof (fragt nicht), als mich ein Punk anschnorrte und nach einer Dose fragte. Ich habe ihm eine angeboten, er hat sie angeschaut, dann hat er sie mir zurückgegeben und gemeint, das wäre nicht seine Marke. Für mich ist das Salzburg in a nutshell.

Seit damals habe ich natürlich auch andere Seiten der Mozartstadt kennengelernt. Zum Beispiel noble Hotels wie den Goldenen Hirsch, wo man von Gemälden mit Jagdhunden in seine Alpträume gewogen wird, oder Festspiel-Gäste, die vor Leuten in Jogginghosen (sprich mir) Angst haben. Beides verwechseln Salzburger gern mit Niveau, aber dass sie selbiges googlen müssen, zeigt, wie es darum wirklich bestellt ist. Zu reparieren gäbe es auch einiges—zum Beispiel das Öffi-Netz—, aber warum das Brot neu erfinden, wenn man sich auch Kuchen am "Bü h-Fee" holen kann, sag ich immer. Kaputt ist auch das Klima, weshalb die Touristen beim Stadtspaziergang immer durch einen Schleier aus Schnürlregen schauen müssen. Das einzige, was da noch hilft, ist ein Reparaturbier. Am besten ein Trumer und zwar als Fountain-Drink.

Steiermark

Wie schreibt man: kaputt, Radfahren, Highlight

Foto: Andreas Cappell | Flickr | CC 2.0

Die Steiermark ist das grüne Herz Österreichs. Das wissen alle. Abgesehen davon ist sie aber anscheinend vor allem eins: kaputt. Was etymologisch übrigens vom französischen "capot" kommt, das beim Kartenspielen so viel wie "stechen" bedeutet. Das hilft zwar nicht wirklich bei der Frage, ob man jetzt "kapuTT","kaPPut" oder sogar "kaPPuTT" schreibt, aber für Leute, die auch nach "Highlight" googlen, ist dieser Fun Fact ja vielleicht schon eins. Hier ist noch ein anderes: 25 Jahre vor Dracula war die Steiermark der Schauplatz des Vampirromans Carmilla von Sheridan Le Fanuund wurde hier als "a lonely and primitive place" beschrieben. Die Gegend war in England schnell als zirka genauso trostlos verschrien wie England umgekehrt bei uns.

Damit will ich natürlich keine Parallelen zum Brexit ziehen oder die Forderung nach einem Stexit stellen. Ich sage nur, dass sogar Bram Stoker seinen Dracula ursprünglich in der Steiermark statt in Transsilvanien spielen lassen wollte—was auch kein Wunder ist, weil die Knechte und Bauern hier früher gern auf Hüttrauch waren, einer Art Crystal Meth der Alpen, und Vampiren vielleicht nicht ganz unähnlich gewesen sein könnten. Dass man in so einer Gegend nicht gern zu Fuß geht, sondern nach "Radfahren" googelt, liegt auf der Hand.

Tirol

Wie schreibt man: Schifahren, Ingenieur, selbstständig

Foto: Matt Janicki | Flickr | CC 2.0

Ganz ehrlich, Tirol. Ich hätte mir bei vielen Begriffen vorstellen können, dass ihr sie nicht schreiben könnt—zum Beispiel "Es", "bischt", "das" oder "Pferd". Aber dass ausgerechnet bei "Schifahren" so viele von euch nachschauen müssen, schreckt mich dann doch mehr als jeder Krampus-Umzug. OK, ja, ich habe jetzt auch gegooglet, ob man Schifahren wirklich mit Sch wie Schule schreibt, aber erstens bin ich selber noch nie Schi/Ski gefahren und zweitens steht mein Rechner in einer Gegend, wo der höchste Punkt ein Heuriger ist. Man muss echt kein "Inschänör" sein, um den Unterschied zu sehen. Mit "selbstständig" habt ihr mich auch verwirrt. Aber ich gehe einfach mal davon aus, dass es hier ausschließlich um Frage geht, wie viele "st" drin vorkommen und nicht um sowas wie politische Unabhängigkeit. Doch nicht bei Tirol. Niemals.

Oberösterreich

Wie schreibt man: Straße, Kretsche, Raclette

Foto: Andreas Wulff | Flickr | CC 2.0

Typisch Oberösterreich: Auf der einen Seite immer noch auf den Typen stehen, der die Autobahn gebaut hat, auf der anderen Seite nicht wissen, wie man "Straße" schreibt. Aber zwischen latenten Nazi-Problemen und zünftigem Raclette zu jeder Jahreszeit bleibt im Land des Rechtsrucks, der Hackler und Mostbauern auch ein bisschen Platz zum Staunen. Zum Beispiel darüber, was die Oberösterreicher mit "Kretsche" meinen. Eine Erklärung wäre die "Grätsche" im Fußball, die man aber anders schreibt—oder die Menschen suchen wirklich immer noch nach dem Spitznamen von Stefan Kretzschmar. Aber wie sagt man in Oberösterreich: Solange irgendwo ein Flüchtlingsheim brennt, ist alles andere wurscht. Und überhaupt.

Vorarlberg

Wie schreibt man: Cousin, Hieroglyphen, Jalousien

Foto: Frank | Flickr | CC 2.0

Nein, ich werde jetzt keinen Witz darüber machen, dass jeder in Vorarlberg mit jedem verwandt ist—und ich werde auch nicht darüber spekulieren, ob die Vorarlberger nur deshalb Jalousien googlen, um sich einen Sichtschutz für ihre Cousin-und-Cousinen-Schäferstunden online zu bestellen. Zum einen, weil man als Österreicher in Sachen zweifelhafte Familienkonstellationen immer ein bisschen im Glashaus sitzt (egal aus welchem Bundesland man kommt), und zum anderen, weil Inzucht selbst traurig genug ist.

Dass Vorarlberger trotzdem ziemlich einzigartig sind, zeigt sich an ihrer Google-Suche nach "Hieroglyphen"—die passenderweise so aussehen, wie Vorarlbergerisch für den Rest von Österreich klingt. Ich muss aber auch gestehen, dass dieses Interesse für ein doch eher ungewöhnliches Wort Vorarlberg mit einem Schlag kosmopolitischer macht, als man es einem Bundesland zutrauen würde, wo Neonazis wahlweise unbemerkt Feste feiern oder Amok laufen und Bürgermeisterkandidatinnen zurücktreten, nachdem sie bedroht wurden, nur weil sie auch Mütter sind. Zuletzt war Vorarlberg übrigens in den Medien, weil aufgrund der Wahlwiederholung keiner weiß, wer die Bregenzer Festspiele eröffnen soll. Ich hebe meine Finger jalousiengleich zum Facepalm.

Wien

Wie schreibt man: Happy Birthday, zuhause, Spaß

Foto: Kornelia Haslbeck | Flickr | CC 2.0

Nichts sagt schöner Internationalität und Provinzialismus in einem, als eine Google-Suche nach der richtigen Schreibweise von "Happy Birthday". In diesen wenigen Wörtern steckt die ganze Zerrissenheit der früheren Großstadt: Man wär gern weltmännisch, kann aber nicht so richtig. Und anstatt wirklich raus in die Welt zu gehen, bleibt man am Ende sicherheitshalber in spaßbefreiter Schockstarre zuhause. Dass Wiener dieses "Zuhause" googlen, wundert mich vor allem deshalb, weil sie es bei jeder Gelegenheit verwenden—selbst dort, wo andere richtigerweise "nachhause" verwenden, wie in "Ich komm um fünf z'haus", "Wenn gemma endlich z'haus?" oder "Ich sag eigentlich immer 'z'haus', um jeden zu verarschen, der Deutsch lernen will". Dieses Verarschen ist übrigens auch der einzige Weg, wie Wiener so etwas wie Freude empfinden können, weshalb die Suche nach "Spaß" sehr viel Sinn ergibt.

Burgenland

Wie schreibt man: chillen

Foto: GillyBerlin | Flickr | CC 2.0

Es kann kein Zufall sein, dass "Burgenland" und "Benkö, Ilse" mit demselben Buchstaben beginnen. Beziehungsweise könnte es das schon sein, rein rational betrachtet, aber wer in Sachen Burgenland mit Vernunft argumentiert, der sollte ganz dringend sein Leben chillen. Ilse Benkö hat das verstanden. Genau wie das Burgenland als Abstraktum kann ich mir das Konkretum Benkö bildlich dabei vorstellen, wie sie an einem lauen Sommernachmittag gemütlich einen Doppelliter trinkt, dazu lebensfroh 30 bis 40 Zigaretten raucht und einfach nur relaxt. Oder sogar ein bisschen chillaxt.

Wie sonst soll man auch Seefestspiele, "Echte Frauen"-Kampagnen des RFJ und die toten Flüchtlinge auf der A4 aushalten? Eben. Im Dialekt ist es noch dazu nicht ganz eindeutig, ob man jetzt "chün", "chühn", "chülln" oder "chillen" schreibt. Und für sehr viel mehr braucht man das Internet hier anscheinend auch noch nicht.

Oder aber, die Burgenländer sind die einzigen Österreicher, die abgesehen von dieser einsamen Ausnahme über eine perfekte Rechtschreibung verfügen. Könnte das sein? Ist im Burgenland, der Wein- und Witze-Region, eigentlich die orthografische Elite des Landes zuhause? Macht Traubensaft klug? Hat Wein versteckte Superkräfte? Ich google mal schnell, wie man "mindblown" schreibt.

Markus auf Twitter: @wurstzombie