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Das Schlauste, was wir über Fidel Castro gelesen haben

Warum Castro immer vorne im Auto saß und wie er bis kurz vor seinem Tod die Politik Kubas beeinflusste.

von VICE Staff
27 November 2016, 9:00am

Foto: imago | ZUMApress

Fidel Castro starb am späten Freitagabend | Foto: imago | ZUMApress

Die harten Fakten kriegen wir gerade noch zusammen: Fidel Castro wurde 90 Jahre alt. Er hat Kuba fast ein halbes Jahrhundert lang regiert. In Kuba und auf der Welt feiern ihn die einen als Helden, der die Revolution in Kuba einleitete—im Guerillakampf von den Bergen aus; 1959 den Militärdiktator Fulgencio Batista stürzte und einen sozialistischen Staat aufbaute. Andere verurteilen Castro, weil er politische Gegner drangsalierte und einsperrte, um an der Macht zu bleiben.

Als er schwer krank wurde, gab er seine Macht 2006 an seinen kleinen Bruder Raúl weiter, der seitdem regierte. Was Castro sagte, blieb aber auch unter seinem Bruder wichtig, zum Beispiel nach Obamas Besuch in Kuba, von dem Castro nichts wissen wollte. Kuba brauche nicht, was die USA anbiete, sagte er. Obama war einer der elf US-Präsidenten, die Castro erlebte.

Ironischer Weise starb der Kommunist Castro am Black Friday, dem Lieblingstag amerikanischer Schnäppchenjäger. Es ist der Freitag nach dem Erntedankfest, an dem Geschäfte die Kunden mit Angeboten ködern—und in den USA der umsatzstärkste Tag im Jahr. Kurz gesagt: fünf Fidel-Castro-Shirts für nur zehn Euro!

Wir geben aber zu: Castros Regierung hat ein Teil der VICE-Redaktion nicht einen Tag als volljähriger Mensch erlebt. Zum Glück gibt es aber Leute, die Castro nicht erst mal googeln mussten, um das richtige Alter in den "R.I.P. Castro"-Facebook-Post zu schreiben, sondern sich seit Jahrzehnten mit diesem Menschen befassen. Was bedeutet Castros Tod für das Land? Wer feiert Castro als Held, wer verteufelt ihn? Und warum waren ihm Rinder so wichtig? Unsere Lese- und Videoempfehlungen.

1. Video: Fidel Castro saß immer vorne im Auto, während er über die Insel fuhr, um junge Menschen für Landwirtschaft zu begeistern

Mehr als Liebe für Pflanzen: Castros Interesse an der Landwirtschaft war ein politisches—das Streben nach einer autarken Insel | Foto: Imago | Xinhua

Castro sprach lange und ausschweifend über Politik; er saß—anders als viele anderen Politiker—immer vorne im Auto, um ansagen zu können, wo es hingeht; er fuhr über die Insel und versuchte junge Menschen zu überzeugen, auf den Feldern zu arbeiten. Er wollte Kuba zu einer autarken Insel machen. Diese Eindrücke stammen von New York Times-Journalist und Pulitzer-Preisträger—das ist der wichtigste Journalistenpreis, den es gibt—Richard Eder aus dem Jahr 1964. Hier geht es zum Videobeitrag der New York Times: "My three days with Fidel".

2. Politik und Wirtschaft: Ein "Kuba ohne Kubaner" nach Fidel Castro

"Revolutionäre gehen nicht in Rente", sagte Fidel Castro schon vor mehr als 20 Jahren auf die Frage einer Journalistin. Die NZZ analysierte wenige Tage vor seinem Tod: "Sein Dogmatismus hindert Fidel Castro daran, die Lebensrealität vieler Kubaner zu erkennen."

Schob sein Bruder Reformen an, die ihm nicht passten, veröffentlichte Fidel Castro selbst Schriften als Revolutionswächter. Wegen Raúls Reformen können sich Kubaner jetzt selbstständig machen, was in der Planwirtschaft und im kommunistischen Denken Fidels nicht möglich gewesen wäre. In der Innenstadt von Havanna können Menschen jetzt Kaffee oder Fruchtsäfte verkaufen, Nagelstudios, Restaurants, Reparaturwerkstätten oder Privattaxis betreiben. Eine halbe Million Kubaner machen das. Doch so richtig hilft das der Bevölkerung immer noch nicht, die Reformen gehen nicht weit genug: "Die Altkommunisten tun es lieber Fidel gleich. Sie geben vor, als ewige Revolutionäre das Land vor dem ideologischen Zerfall zu bewahren. Das geschieht auf dem Rücken der Bevölkerung, die von der graduellen Öffnung weit weniger hat, als sie es sich erträumte." Zum ganzen Beitrag der NZZ geht es hier: "Die ewigen Revolutionäre".

Ein Gespräch mit einem Taxifahrer, der durch touristische Gebiete ("Kuba ohne Kubaner") fährt, gibt es bei der Zeit zu lesen.

3. Wer Castro liebt, wer Castro hasst

In Miami feiern Exil-Kubaner, die wegen Armut oder Verfolgung in die USA gekommen waren, den Tod von Fidel Castro, wie dieses Video des Independent zeigt, das wir euch ebenfalls empfehlen. Sie rufen: "Cuba libre". Mehrere Twitter-Nutzer berichten vor Ort auch von "Trump"-Rufen.

Linkenpolitiker trauern währenddessen um den Verlust einer Ikone. Nachdem deutsche Linkenpolitiker dem "Comandante" schon im August zum 90. gratuliert hatten, schreibt etwa Sahra Wagenknecht jetzt:

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