Eigentlich ist ja alles irgendwie interessant – die Frage ist nur, für wie lange. Da kann man die Hipster so viel verarschen, wie man will, im Grunde genommen ist ja doch niemand anders, wenn es um die Halbwertszeit von Popkultur geht. Zum Beispiel habe ich während der letzten Staffel DSDS auch ganz gebannt hingesehen, als das schnöde Studio dem schönen Karibikstrand wich und der fette Bohlen wie eine fette Boje aus dem fetten Bild herausleuchtete, während alles nach Postkarte aussah und überall blaue Wellen hochschlugen; ich war ganz hin und weg von den extravaganten Kamerafahrten zwischen Palmen, der hohen Tiefenschärfe und der seltsamen Low-Key-Ausleuchtung und total angetan vom generellen Lost-Flair der Sendung, aber nach zirka einer Stunde ging ich dann doch lieber kacken und wer am Ende weitergekommen oder rausgeflogen ist, war dann auch schon gar nicht mehr so viel interessanter als die Frage, in welchem Aggregatzustand meine Nahrung mich an diesem Sonntag wieder verlassen würde (die Antwort lautet: Plasma).
Ich weiß, angeblich gibt es auch Leute, die trotzdem eine ganze Staffel von dem endlosen Entschleunigungstheater ausgehalten haben (wie oft kann man dieselbe Szene bitteschön zeigen, ohne dass den Zuschauern das Gehirn durchschmort, ich war nach einer Stunde schon so fertig, wie nach zehn abgebrochenen Orgasmen, brennen muss Bohlen!!!), aber dasselbe heißt es auch bei der zweiten Staffel von The Walking Dead und diesen urbanen Mythos glaub ich ja genauso wenig.
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Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass es sich mit dem meisten Pop-Zeug wie beim Karussellfahren verhält: Entscheidend ist nur, wann man zusteigt, aber übel wird jedem nach derselben Dauer (und manche unterdrücken den Brechreiz einfach besser als andere, weil sie Übermenschen mit kleinen Penissen und riesigem Geltungsdrang sind). So haben einige von euch wahrscheinlich noch nicht mal irgendwas davon gehört, dass die Dinosaurier sich womöglich zu Tode gefurzt haben (mehr dazu hier), während die anderen in den letzten 24 Stunden mit dieser Meldung förmlich zugegast worden sind. Und weil Dinosaurier und Hipster sich doch auch ein bisschen ähnlich sind, möchte ich euch diesmal als Missing Link den arten- und völkerverbindenden Furz-Fetisch vorstellen.
BACKGROUND
Aber immer schön der Reihe nach. Damit ihr die geistige Genese dieses Gedanken auch wirklich versteht, muss ich wohl, wie so oft, bei Hundekacke anfangen. Die wird in Mexiko City nämlich bald zur neuen WiFi-Währung, was zu dieser schönen Schlagzeile geführt hat: “Dog Poop Can Pay for WiFi”, was wiederum dieser Nachrichtenmeldung (wenn man es so nennen möchte) stilistisch nicht ganz unähnlich ist: “Dolphins Died of Heroin Overdose After Rave at Zoo, Report Says”. An dieser Stelle könnte man sich natürlich fragen, ob der Aggregatzustand der eingelösten Wauzi-Kacka in irgendeinem direkten Verhältnis zur Verbindungsqualität steht, oder was zur Hölle diese verdammten Delfine auf einem Rave verloren hatten (ich mochte Haie immer schon viel lieber), aber hier ist wohl kaum der Ort für solche Abwegigkeiten.
Widmen wir uns lieber ohne weitere Umwege dem Furzen der Dinosaurier. Scheinbar waren ihre massiven Blähungen nämlich mit ein Grund für ihr Aussterben, was gar nicht so verwunderlich ist, wenn man sich erst mal überlegt, wie viel Methan in diesen Mägen Platz gehabt haben muss und sich dann kurz zurück erinnert, wie knapp man selbst bei der letzten spaßigen Furz-ins-Gesicht-während-man-schläft-Attacke von normalgroßen Zweibeinern dem Tod entgangen ist. Da bekommen die Wörter Klimawandel und Gasgiganten gleich eine ganz andere Bedeutung (okay, eigentlich nicht, aber ich habe gelernt, dass man das so sagt, wenn man zeigen will, wie lustig etwas Geschriebenes wirklich ist).
BONER
Jedenfalls habe ich mir seither einige Gedanken zur Verschränkung von Dinosauriern und Hipstern gemacht, und bin zu dem Schluss gekommen, dass beides ein ungefähres Symbol für das jeweils andere ist, aber keins das andere wirklich hinlänglich beschreibt. Dinosaurier sind Hipster, weil sie schon mit Armageddon und Apokalypse zu tun hatten, bevor es cool war, und Hipster sind Dinosaurier, weil sie wie alte Kaffeeklatsch-Königinnen an ihrer Szene und ihrer Vorstellung von Avantgarde festhalten, obwohl gerade das total passé und so 1920er ist. Trotzdem sind sie nicht wirklich dasselbe, weil Dinosaurier keine Dreieck-Tattoos haben und keine Hornbrillen tragen und Hipster nie ungeniert furzen würden, solange nicht Performance drunter steht. Von der Furz-Theorie hat mir etwa Kollege Jonas Vogt vor allen anderen berichtet, was ihn vielleicht zum Hipster, aber sicher nicht zum Dinosaurier macht, nur damit ihr die feinen Unterschiede gleich an handfesten Beispielen verstehen lernt.
Noch ein Unterschied: Ich traue mich zu wetten, dass es dem Tyrannus-Männchen keinen Schlagbaum aufstellte, wenn Frauchen-Rex der Darm flattulierte. Der gemeinsame Nenner ist und bleibt aber trotzdem das Gas aus dem Pupsloch, auch wenn es bei uns noch nicht ganz so gefährlich, dafür aber wesentlich weirder um sein Vorkommen bestellt ist. Hier ein bisschen was Geiles für Freunde von Bud Spencer-Diäten und unanständige Stinkemädchen:
Und jetzt stellt euch mal vor, Furzen wäre bei uns Menschen ein mehrheitsfähiger Fetisch – wobei es eigentlich heißen müsste: Stellt euch vor, Furzen wäre ein mehrheitsgesellschaftlicher Sexakt und kein spezieller Fetisch mehr. Vielleicht würden wir dann längst draußen mit Masken durch eine postapokalytische Pups-Landschaft torkeln, nur um uns wieder nach drinnen zu unsren geruchsneutralen YouTube-Clips zu flüchten. Schön wäre das wohl nicht. Aber vielleicht spricht da auch nur der konservative Dinosaurier aus mir. Mahalo!