Es gibt für alles eine Maschine, die versucht, das Leben für uns besser und einfacher zu machen. Wahrscheinlich ist dir auch aufgefallen, dass die Dinger meistens nur Ärger machen und für jede Menge Wut, Verzweiflung und Frustration verantwortlich sind. Unsere traurige technische Zukunft hat jetzt aber ein neues, innovatives Feature im Programm, den Gebetsautomaten. Weil sich die Menschen keine Mühe mehr geben wollen, in die Kirche zu gehen, oder überhaupt irgendwie mit den Göttern zu kommunizieren, hat man sich im religiösen Dienstleistungssektor also mal was neues einfallen lassen und einen Gebete-Automaten erfunden. Das Prinzip Bedürfnisbefriedigung on demand hat sich im Lauf der digitalen Revolution immerhin in so weltlichen Branchen wie der Lebensmittel-, Unterhaltungs- oder Kommunikationsindustrie manifestiert und könnte jetzt auch den Draht nach oben optimieren. Um mit der rasanten Geschwindigkeit modernen Lebens mithalten zu können, musste letztendlich eine entsprechend dynamische Lösung für das Problem mangelnden Interesses an langfristigen Investitionen in das höchst unsichere Kapital einer himmlischen Rentenversicherung gefunden werden.
So könnte es gewesen sein. In Wirklichkeit hat sich der religiös relativ liberale Künstler Oliver Sturm 1999 auf einem New Yorker U-Bahnsteig in einer ruhigen Minute überlegt, dass jemand ein Gerät für Instant-Gebete diverser Geschmacksrichtungen erfinden sollte. Der Gebetomat soll als kleinste Form spirituellen Raums gedachte Verrichtungsbox für aktive oder passive Glaubensbekenntnisse an Bahnhöfen, Flughäfen oder anderen öffentlichen Plätzen stehen. Er sieht aus wie ein Fotoautomat mit Touchscreen-Display und wenn du mindestens 50 Cent rein schmeißt, kriegst du das Vaterunser auf plattdeutsch oder russisch, kreolische Voodoo-gesänge, schwarzmagische Gruppenmeditationen, Beschwörungen mongolischer Schamanen und tibetischer Mönche oder ein bisschen Scientology zum Mitbeten.
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In Berlin stehen mittlerweile schon fünf Gebetomaten – und während alles immer unpersönlicher wird und unser Optimismus in einem apokalyptischen Vakuum aus Hoffnungslosigkeit zu ersticken scheint, gibt es neben Kaffe-und Colaautomaten, Condomautomaten, Höschenautomaten, Ticketautomaten, Spielautomaten, Zigarettenautomaten und Fotoautomaten jetzt endlich auch eine Maschine, die dir die vollautomatische Absolution und das ewige Leben- oder wenigstens eine Tour durch das abwechslungsreiche Gebets-repertoire religiöser Organisationen verkaufen möchte. Aber wenn man bedenkt, dass der konventionelle Weg zur Erleuchtung bisher schon allein aus Zeitgründen nur für die Wenigsten eine realistische Perspektive gewesen ist, könnte dieser sakrale Räumungsverkauf als Werkzeug eines gesteigerten Durchschnittsglücks jedes Einzelnen von uns für ein überdurchschnittliches Niveau allgemeinen Wohlbefindens sorgen. Und das wäre doch fantastisch, nicht wahr? Wäre das nicht toll? Wäre das nicht wahnsinnig cool?
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