Na Nachs feiern jeden Tag ihre eigene religiöse Loveparade und wie über die Loveparade wurden auch über die Na Nachs mehr Artikel verfasst als ihnen, uns oder irgendjemandem gut tut. Aber da wir uns bei der Rezeption der erstaunten Mainstream-Medien so brutal gelangweilt haben, sind wir einfach selber noch einmal mit ihnen zum Party machen um die Häuser gezogen.
Die Na Nachs sind ziemlich genau wie gewöhnliche orthodoxe Juden. Ausser, dass sie glauben, Gott zu dienen, würde dröhnende Trance Musik bedeuten, auf dem Dach von Kleinbussen zu tanzen, ihr Mantra an Wände zu malen und mit Partybussen durch die Stadt zu fahren, um Juden wie Nichtjuden eine fantastische Zeit zu bescheren. Sie leben hauptsächlich in Israel aber es gibt auch Na Nach Gemeinden in der Ukraine und in Teilen Brooklyns und in anderen großen Städten dieser Welt. Auch wenn sie wie bekiffte Hippies aussehen – sie sind eigentlich fromme, tiefreligiöse Männer, die das Leben ziemlich ernst nehmen, wenn sie nicht gerade tanzen und auf Djembe Drums trommeln.
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Die Wurzeln ihrer Sekte können bis zu einem berühmten Brief zurückverfolgt werden, der von Rabbi Nachman von Bratslav geschrieben wurde, einem berühmten ukrainischen Rabbi, der um 1800 gestorben ist. Nach 100 Jahren oder so, in den 1920ern, sagte Rabbi Ber Odesser, er hätte einen Brief aus dem Himmel erhalten. Der besagte Brief war Rabbi Nachmans Nachlass, der ihm gezeigt hat, wie man alle Menschen glücklich und gesund machen könne. Der Brief enthielt auch ein Mantra, das ungefähr folgendermaßen klingt: “Na Nach Nachma achman Meuman”.
In seinem Brief schrieb Rabbi Nachman, wenn Menschen überall auf der Welt das Mantra kennen – und Kopien der Na Nach Lehre in ihren Bibliotheken aufbewahren würden, käme der Messias zurück nach Jerusalem. Um es nicht unnötig kompliziert zu machen – die ganze Idee des Judaismus beruht quasi darauf, den Messias zurück nach Jerusalem zu holen – es ist den Na Nachs also ziemlich wichtig, so viel Krach wie möglich zu machen, wenn sie ihre Nachricht verbreiten.
Auf dem Dach von Kleintransportern feiern, unschuldige Zuschauer durch Bullhörner anschreien und Vandalismus im heiligen Land – während sich all das nach unfassbar großem Spaß anhört, zerstört es gleichzeitig die Ruhe und den Frieden. Aber die Na Nachs werden dir sagen, dass sie lediglich Rabbi Nachmans Rat befolgen und neue Technologien nutzen, um ihre Lehre in die Welt hinaus zu tragen.
Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, einen Tag mit drei Na Nachs zu verbringen. Wir starteten im Zentrum von Tel Aviv am Shuk Carmel, einem Open-Air Markt und einer der größten Touristenfallen dieser Stadt. Sobald wir geparkt hatten, sprangen meine Freunde aus dem Wagen und fingen an, etwa zehn Minuten lang exzessiv zu tanzen. Anwohner und Touristen versammelten sich um sie herum, um ihre Bewegungen zu begutachten. Nachdem sie eine heiße Sohle auf’s Parkett gelegt hatten, schnappten sich die Na Nachs einen Klapptisch aus dem Kofferraum ihres Wagens und zauberten mit religiösen Büchern einen improvisierten Bücherladen.
Plötzlich tauchte ein anderer Bus mit wummernder Techno-Beschallung und vier weiteren Na Nachs auf. Sie sprangen raus und fingen an, so laut sie konnten ins Schofar (ein jüdisches Horn für religiöse Zwecke) zu blasen und zu tanzen wie die Verrückten. Sie griffen sich den Überrollbügel des Wagens und schüttelten die Scheiße aus ihm raus. Offensichtlich wussten die Typen, wie man ordentlich abfeiert. Nach einer Weile gingen unsere zwei Gruppen leider wieder getrennter Wege.
Wir bekamen die Nachricht, dass einige der Na Nachs eine Bar Mitzwa in der Nähe crashen wollten. Also fuhren wir auf dem Aylon nach Norden, um ihnen beim Feiern eines der fröhlichsten Tage im Leben eines jungen jüdischen Mannes zu helfen. Auch wenn wir nicht wortwörtlich eingeladen waren zu speziell dieser Bar Mitzwa, taten wir den Gastgebern wirklich einen Gefallen. Na Nachs sind heiße Ware auf jüdischen Hochzeiten und Bar Mitzwas. Sie gelten als besonders gutes Omen bei diesen Anlässen und Israelis zahlen wahnsinnig viel Geld, um sich ihre Anwesenheit zu sichern.
Wir kamen etwas zu früh an und beschlossen, uns auf dem Parkplatz schon mal warmzufeiern. Meine Freunde tranken puren Arak, den einheimischen israelischen Likör, der mehr als 63% Alkohol verspricht. Das Zeug lässt dich zu Boden gehen.
Während ein paar der vermögenderen Leute die Bar Mitzwa betraten, blieben die Na Nachs draußen, bliesen in ihr Horn und tanzten zu der entspannten Trance-Musik.
Als wir dann reingebeten wurden, fühlten sich alle etwas wackelig. Die Na Nachs hoben das Bar Mitzwa-Kind hoch auf ihre Schultern und trugen ihn auf die Party wie einen winzigen König.
Erwartungsgemäß dominierten die Na Nachs die Party auch den ganzen Rest der Nacht.
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