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Darum sind WGs mit Anfang 30 erst so richtig die absolute Hölle

Zum Beispiel, weil wir auch als Erwachsene noch warten müssen, bis das Klo frei wird. Oder beim Orgasmus das Gesicht ins Kissen drücken, damit niemand was hört.

von Emma Garland
17 Juni 2019, 3:45am

Alle Fotos: Emily Bowler

Die Wohnungsnot in fast allen deutschen Großstädten ist real. Die Mieten steigen, und Menschen mit niedrigen oder mittleren Einkommen müssen sich immer neue Lösungen einfallen lassen. In der Praxis läuft das inzwischen darauf hinaus, dass auch Leute jenseits der 20er noch in WGs wohnen.

In Zeiten, in denen manche sogar eine zum Zimmer umfunktionierte Abstellkammer anmieten würden, sind viele von uns also gezwungen weit übers Studium hinaus wie Studierende zu leben. Außer natürlich, deine Eltern haben dir eine eigene Wohnung gekauft oder du wohnst einfach weiter zu Hause.

Das WG-Leben kann auch unterhaltsam und bereichernd sein. Aber das gilt vor allem, wenn man noch jung ist und sich eine Wohnung mit Freunden teilt, zu denen man gerne nach Hause kommt. Es geht aber auch ganz anders. Darum haben wir für euch die Dinge zusammengefasst, die das WG-Leben – vor allem für Menschen über 30 – zur absoluten Hölle machen.


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Die Sache mit der Dusche, dem Klo oder dem Herd

Es gibt nichts Demütigenderes, als mit Ende 20 auf der Bettkante zu sitzen, die Arschbacken zusammenzukneifen und durch den Türspalt zu lauschen, wann die Dusche endlich aufhört zu rauschen. Eigentlich willst du nur in Ruhe deinen morgendlichen Stuhlgang über die Bühne bringen, aber einer deiner Mitbewohner hat sich um 08:13 Uhr entschieden, heute mal eine neue tiefwirkende Haarkur auszuprobieren. Jetzt musst du entscheiden, ob du schon wieder zu spät zur Arbeit kommst, oder auf die andere Toilette gehst, wo es aber kein Fenster gibt und du dir die Knie wegen der Enge an der Wand aufscheuerst.

Wenn du mit anderen Menschen zusammenwohnst, musst du Opfer bringen. Eins dieser Opfer ist die Möglichkeit, jederzeit zu scheißen, zu kochen oder zu duschen. Und so etwas wie ein Familienoberhaupt, das im Haushalt für Ordnung sorgt, gibt es in einer WG nicht. Dort gibt es nur Chaos.

Die Sache mit dem Rauchen

Eine rauchende Frau

Es hat schon seine Gründe, dass richtige Raucher-WGs eher selten sind. Niemand hat Lust, beim Auszug mehrere Tausend Euro für die Entfernung dieses ekligen, abgestandenen Geruchs und die Renovierung vergilbter Wände zu bezahlen. Darum hat man in WGs eigentlich nur zwei Optionen: entweder ein absolutes Rauchverbot oder ein in den Türschlitz gestecktes Handtuch, damit sich der Geruch nicht verbreitet – was allerdings auch kaum was bringt.

Dabei ist es gerade im Sommer unglaublich verlockend. Deine junge Mitbewohnerin steht abends vor ihrem geöffneten Fenster, ihr weht eine leichte Brise durchs Haar, der Sonnenuntergang färbt die Wolken malerisch ein, im Hintergrund läuft Lana Del Rey. Eigentlich fehlt da nur noch eine Zigarette, um diesem Augenblick die romantisch-verträumte Krone aufzusetzen. Und du ärgerst dich nur über den Rauch, der durch dein Fenster reinzieht und sich in deinen Arbeitsklamotten festsetzt. Super, WG-Klima im Arsch.

Die Sache mit den Drogen

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Als du zum Anfang deines Studiums in deine erste WG gezogen bist, waren Drogen noch in Ordnung, gehörten fast schon dazu. Sie standen irgendwie für Freiheit und für die Möglichkeiten, die dir in deinem jungen Erwachsenendasein offenstanden. Jetzt bist du um die 30, gehst höchstens noch einmal im Monat richtig feiern, und gibst das Geld, das du früher in Drogen investiert hast, für Yogastunden und Bio-Lebensmittel aus. Und dann kommst du nach einem besonders anstrengenden Arbeitstag nach Hause, als dein Mitbewohner mit seinen drei Kumpels "aus der Heimat" gerade ein paar Lines auf dem Wohnzimmertisch legt, aus den Boxen dröhnt ihre Vorglühen-Spotify-Playlist. Wie reagierst du da? Natürlich setzt du dich dazu und ruinierst den Rest deiner Woche. Und deine Gesundheit.

Die Sache mit dem Sex

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Du bist irgendwas zwischen 18 und 50 und befindest dich damit entweder in den aufregendsten oder verzweifeltsten Jahren deines Sexlebens. Dann triffst du plötzlich jemanden, der dich durch Prostatamassagen zum Orgasmus bringen kann und dir dabei Laute entlockt, die du nicht mehr unterdrücken kannst. Und das zieht entweder wütende "Was sollte der Lärm letzte Nacht?"-Nachrichten oder schier endlose "Späßchen" vonseiten deiner Mitbewohner nach sich.

Die meisten Menschen denken sich bei Sexgeräuschen nicht: "Ah, da hat jemand Sex, das freut mich aber!" Nein, sie denken sich verärgert: "Ah, da hat jemand Sex, wieso habe ich keinen Sex?" Du musst schon mit extrem lockeren Leuten zusammenwohnen, um bei sexuellen Aktivitäten mit mehr als 50 Dezibel Lautstärke keinen Rüffel zu bekommen.

Die Sache mit dem Smalltalk

Kein unabhängiger erwachsener Mensch sollte sich an einem Sonntagmorgen in der Küche genötigt fühlen, Smalltalk mit den One-Night-Stands zu machen, die die Mitbewohner nach ihrer Partynacht angeschleppt haben. Kann man nicht einfach mal in Ruhe seinen Kaffee trinken?

Die Sache mit den Kompromissen

Washing up in sink

Eine WG ist wie ein Job oder Latexunterwäsche: Je länger du dich darin befindest, desto eingeengter fühlst du dich. Nur wenige Menschen können jahrelang in einem auf Kompromissen basierenden Wohnmodell leben, ohne irgendwann wegen Kleinigkeiten an die Decke zu gehen. Sei dennoch gewarnt: Wenn du alleine lebst, kannst du die Schuld am dreckigen Geschirr, am Zigarettengestank und an der schimmelnden Duschkabine nicht auf andere Leute abwälzen. Dafür schreibt einem das eigene Selbstwertgefühl aber keine Nachrichten wie: "Können wir uns später bitte mal zusammensetzen und über die Müllentsorgung reden, langsam wird es lächerlich!"

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