Mit diesen Masken wollten Oberwalliser früher Frauen erobern

Mit diesen Masken wollten Oberwalliser früher Frauen erobern

Wie ein Horrortrip auf Pilzen: Bilder von der Lötschentaler Tschäggättä.
24.2.17

Alle Fotos von Joana Fux
Im Oberwallis spielt sich zwischen dem 3. Februar, dem Tag nach Maria Lichtmess, und dem Gigisdienstag, dem Tag vor Aschermittwoch, einer der altertümlichsten Bräuche der Schweiz ab – die Lötschentaler Tschäggättä. Tschäggättä sind Fasnachtsgestalten, die Schaf- oder Ziegenfelle, Kuhschellen sowie handgeschnitzte Masken aus lokalem Arvenholz tragen. Die Tschäggättä streifen nach Feierabend durch die Lötschentaler Dörfer, wo sie alle Frauen und Kinder, die noch auf der Strasse unterwegs sind, verfolgen und ihnen das Gesicht mit einer ordentlichen Portion Schnee einreiben.

Diese fasnächtliche Erscheinungsform, die daherkommt wie ein Horrortrip auf Pilzen, geht auf die regionale Sage der Schurtendiebe zurück. Diese mündlich überlieferte Erzählung handelt von den Bewohnern der Schattenseite des Lötschentals. Diese hätten auf nächtlichen Beutezügen, mit Holzmasken und Tierfellen verkleidet, die Dörfer auf der gegenüberliegenden Sonnenseite des Tals ausgeplündert.

Bis Ende der 1950er-Jahre herrschten im Oberwallis rigide Rollenbilder und der Brauch war ausschliesslich ledigen jungen Männern vorbehalten. In diesem Kontext diente die Tschäggättä nicht zuletzt der Anbahnung von Liebesbeziehungen und stellte somit als ritualisierte Geschlechterinteraktion die gesellschaftliche Reproduktion sicher.

Heute geht es bei der Tschäggättä eher um die Festlichkeit und die Tradition als solche, als um das Liebeswerben – mittlerweile dürfen auch verheiratete Männer sowie Frauen und Kinder die Masken tragen und am Umzug teilnehmen. Zudem sind die typischen Holzmasken zu einer relevanten Einnahmequelle des Wintertourismus geworden, dem wichtigsten Wirtschaftszweig des Lötschentals. Es gibt in der Region um die 30 Tschäggättä-Maskenschnitzer, die nicht selten untereinander verwandt sind.

Wir haben die Oberwalliser Fotografin Joana Fux an die Tschäggättä geschickt, um diesen altertümlichen Brauch in Bildern festzuhalten:

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