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Verbrechen

50.000 Pferde sind während des Pferdefleischskandals verschwunden

Der Pferdefleischskandal, der 2013 ganz Europa heimsuchte, soll in Zusammenhang mit dem mysteriösen Verschwinden von 50.000 Pferden stehen. Kriminelle Banden agieren in immer größerem Ausmaß.
2.10.15
Foto von Peter O'Connor via Flickr

Was denkt man sich, wenn man vor einer idyllischen Weide steht, wo Fohlen fröhlich vor sich hin grasen? Kriminelle sahen darin jedenfalls eine Chance auf das große Geld.

Laut Chris Elliott—Großbritanniens führendem Experte zum Thema Lebensmittelbetrug und Professor an der Queen's University Belfast sowie Leiter des Institute for Global Food Safety der Universität—könnte der Pferdefleischskandal 2013 in ganz Europa in Zusammenhang mit dem mysteriösen Verschwinden von 50.000 Pferden stehen.

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Der Experte, der von der britischen Regierung beauftragt wurde, eine unabhängige Überprüfung der Lebensmittelsysteme des Landes zu leiten, sagte den Teilnehmern bei der Food Fraud Conference, die kürzlich in England stattfand, dass der Skandal sehr wahrscheinlich die Ursache für das Verschwinden von rund 50.000 Pferden in ganz Europa gewesen sei. Er fügte hinzu, dass solche Vorfälle erneut auftreten könnten, wenn man sich dem zugrundeliegenden Problem—ein krimineller Markplatz für Pferdefleisch—nicht widmet.

Professor Elliott sagte bei der Konferenz, dass der Lebensmittelbetrug in den letzten Jahren zu einem organisierten, globalen kriminellen Unternehmen gewachsen ist mit Mafias und Kartellen, die um die Kontrolle über die immer größer werdenden Märkte wetteifern. Mit dem Verkauf von Pferdefleisch kann man verdammt viel Geld machen.

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Elliott glaubt, dass das Verschwinden einer enormen Zahl an Pferden mit der Finanzkrise 2008 begann. Pferdebesitzer konnten ihre Lasttiere nicht mehr füttern, was dazu führte, dass die Tiere verkauft wurden und so ins Lebensmittelversorgungssystem gelangten.

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Kriminelle Banden hatten die Finger im Spiel: „Die Vorstellung, dass 50.000 Pferde einfach verschwinden können, kommt manchen glaublich vor, aber das Ausmaß, in dem manche dieser Banden tätig sind, ist enorm. Wo auch immer Geld gemacht werden kann—und die Summen beim Lebensmittelbetrug bewegen sich im Milliardenbereich—, werden Kriminelle einen Weg finden."

Ja, viele Europäer haben, ohne es zu wissen, Pferdefleisch verspeist und viele Konsumenten waren entsetzt. Beim nächsten Mal könnte der Lebensmittelbetrug jedoch zu Krankheiten oder gar zum Tod von Konsumenten führen. Elliott nannte den Skandal ein Alarmsignal für Großbritannien. Er deutete außerdem an, dass sich das Land an einem kritischen Wendepunkt befindet: „Während es keine direkten Beweise für eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit gab, haben sich in anderen Ländern Lebensmittelbetrugskandale abgespielt, die hunderte—und in manchen Fällen tausende—Menschen betrafen. In China erkrankten 2008 mehr als 300.000 Säuglinge durch verseuchte Milch, traurigerweise starben sechs daran."

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Elliott lobte die Einführung von Großbritanniens National Food Crime Unit als notwendige und kluge Maßnahme, wies jedoch im gleichen Zuge daraufhin, dass noch mehr Umsicht und Bemühungen wichtig sind.

Er fordert auf: „Organisierte Banden werden vom Lebensmittelbetrug angezogen und wir müssen sofort handeln, um Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit vorzubeugen."