Eine Frau, die die Pille in der Hand hält, sowie weitere Verhütungsmittel, Illustration
Illustration von Katherine Killeffer
Menschen

Was passiert, wenn man die Pille unregelmäßig nimmt

Mal vergisst man sie, dann schluckt man aus Versehen 2 auf einmal oder man nimmt sie durch, um die Periode zu verschieben—aber wie wirkt sich das auf den Körper aus?
28.6.16

Die Pille gibt es jetzt seit über 50 Jahren. Sie ist ein Wunder in Tablettenform, das viele von uns als selbstverständlich hinnehmen, und macht uns quasi zu den Herrscherinnen über unseren Körper (oder zumindest den Teil, der mit der Reproduktion zu tun hat). Aber was passiert, wenn du anfängst, Gott zu spielen und durch veränderte Einnahme beispielsweise bewusst deine Periode verschiebst?

„Je mehr Pillen du vergisst, desto ineffektiver wird dich deine Antibabypille vor einer Schwangerschaft schützen", sagt Dr. Andrew Rynne von Medical Advice for You. „Bei korrekter Einnahme der Antibabypille liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei 0,1 Prozent und bildet somit einen sehr effektiven Schutz vor einer Schwangerschaft. Wenn sie allerdings so eingenommen wird wie von den meisten Menschen—das heißt, dass man sie ab und an mal vergisst—, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei fünf Prozent. Das ist ein himmelweiter Unterschied."

Um die Risiken sporadischer Schwangerschaftsverhütung nachvollziehen zu können, müssen wir erst verstehen, wie die Pille funktioniert. Die meisten enthalten zwei Hormone: Östrogen und Progestin. (Manche Pillen, die unter dem Namen Minipille kursieren, enthalten nur Progestin). Sowohl Progestin als auch Östrogen verhindern das Heranreifen eines Follikels in den Eierstöcken. Solange die Eizellen in den Eierstöcken noch wie kleine Beeren an einem Stiel heranwachsen, werden sie Follikel genannt. Während jedem Zyklus werden ein oder zwei Follikel ausgewählt, die dann zu voll funktionsfähigen babyproduzierenden Eizellen heranreifen. Diese Eizellen beginnen dann, den Eileiter hinunter zu wandern, treffen auf ihrem Weg unter Umständen auf ein Spermium und nisten sich in die Gebärmutterschleimhaut ein. Die Hormone der Pille verhindern jedoch, dass sich irgendeines der Follikel zu einer funktionsfähigen Eizelle entwickeln kann.

Mehr lesen: Wie gefährlich ist die Pille danach?

Du kannst dir dein Fortpflanzungssystem also ein bisschen wie dieses Jahrmarktsspiel vorstellen, bei dem man Pingpong-Bälle in ein Goldfischglas wirft und dabei ein neues Haustier gewinnen kann. Dein Typ kann den ganzen Tag über so viele Pingpong-Bälle in deine Goldfischgläser werfen, wie er möchte, aber die Goldfische sind alle tot. Progestin verdickt zudem den Zervixschleim, was die Spermien davon abhält, in die Uterus-Eileiter-Bereich vorzudringen. Das ist ungefähr so, als hättest du noch Frischhaltefolie um die Goldfischgläser gewickelt.

Die Pille hat seit ihrer ersten Entwicklung ein regelmäßiges Feintuning bekommen. Ursprünglich enthielt jede Pille sehr viel mehr Östrogen, was zu ernstzunehmenden Nebenwirkungen geführt hat. Gleichzeitig bedeutete das jedoch auch, dass es unwahrscheinlicher war, schwanger zu werden, wenn man seine Pille ab und zu mal nicht genommen hat. Niedrig dosierte Östrogenpillen erfordern die Einnahme nach einem regelmäßigen Zeitplan, damit eine Schwangerschaft verhindert werden kann—und zwar eine Pille alle 24 Stunden. Wenn die Dosis auch nur geringfügig nachlässt, könnten die Follikel anfangen, heranzureifen. „Wenn man die Hormonlevel bei Menschen, die hormonell Verhüten, misst, dann stellt man fest, dass sie sehr niedrig sind. Sie werden sehr tief gehalten", sagt Dr. Jani Jensen von der Mayo Clinic in Rochester, USA. „Drei Tage nach der letzten Einnahme des Schwangerschaftsverhütungsmittels besteht die Chance, dass man einen Eisprung hat."


Mehr von VICE: Von den Slums ins reiche Elternhaus – der Babyschmuggel in Bulgarien und Griechenland


Paradoxerweise kann es genau den gegenteiligen Effekt haben, wenn man die Einnahme aussetzt, um seine Periode zu verschieben. „Einer der häufigsten Gründe, warum Frauen die Einnahme der Pille abbrechen, sind Zwischenblutungen", sagt Dr. Jensen, leichte Blutungen in der Mitte des Zyklus. Laut Dr. Jensen lassen diese im Laufe des ersten Jahres der Einnahme der Pille spürbar nach. „Zu Beginn kommt es wesentlich häufiger zu Zwischenblutungen als wenn man bei der 12. Pillenpackung angekommen ist", sagt sie. „Wenn man die hormonelle Verhütung ständig unterbricht, um dann wieder neu anzufangen, wird man wahrscheinlich niemals erleben, dass es besser wird."

Was soll man also tun, wenn man am Meer ist und nicht die Gefahr eingehen möchte, Haie anzulocken? „Man könnte die Pille ohne Unterbrechung einnehmen, um zu verhindern, dass man seine Periode bekommt", sagt Dr. Mamta Mamik, Assistenzprofessorin für Geburtshilfe, Gynäkologie und reproduktive Wissenschaften der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York.

Ich glaube, viele Patientinnen haben Angst, ihr Uterus könnte überwuchern und dann irgendwann wie eine Wasserbombe platzen.

Anstatt seine Periode vorzuziehen, kann man sie nach hinten verschieben. „Wenn man aufhört, die Pille zu nehmen, kommt es zu ‚Zwischenblutungen'", sagt Dr. Rynne. „Wenn man die Pille ohne Unterbrechung einnimmt, bekommt man dagegen keine Zwischenblutungen."

Es mag vielleicht etwas befremdlich wirken, seine Periode monatelang nicht zu bekommen, aber für den Körper hat das weder Vor-, noch Nachteile. „Ich glaube, viele Patientinnen haben Angst, ihr Uterus könnte überwuchern und dann irgendwann wie eine Wasserbombe platzen", sagt Dr. Jensen, „aber das ist nicht der Fall."

Hormonelle Verhütungsmittel verhindern, dass sich die Gebärmutterschleimhaut, die andernfalls mit der Periode abgestoßen werden müsste, überhaupt aufbaut. Dr. Jensen vergleicht den Uterus mit einem Rasen: „Das Gras wächst, die Gebärmutterschleimhaut verdickt sich und dann muss man den Rasen mähen. Wenn man die Pille nimmt, dann mäht man den Rasen im Grunde jeden Tag."