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So lebt es sich als Pakistaner mit Albinismus, den jeder für einen Weißen hält

Imran Zeb ist ein britisch-pakistanischer Muslim, aber aufgrund seiner hellen Haare und seiner blassen Haut halten ihn in China alle für einen weißen Europäer. Ja, das ist so merkwürdig, wie es klingt.

von Nick Chester
21 Dezember 2016, 8:45am

2005 reiste der Anglo-Pakistaner Imran Zeb nach China, um für seinen Doktorabschluss zu forschen. Letztendlich ließ er sich dort nieder, weil ihm die Kultur, die Sprache und die Menschen so sehr zusagten. Sein Leben in China hat aber auch noch einen etwas ungewöhnlicheren Vorteil mit sich gebracht.

Zeb hat nämlich Albinismus und wenn die Leute dort seine hellen Haare und seine blasse Haut sehen, dann halten sie ihn für einen weißen Europäer. Zeb hat in Bezug auf seine Ethnie zwar nie explizit gelogen, aber er hat die Leute auch nie korrigiert und so die Vorteile des Daseins als weißer Mensch genossen. Im Zuge der ganzen Diskussion zum Thema "White Privilege" erzählt Zeb nun seine Geschichte.

Nach meinem Umzug nach China wurde mir schnell bewusst, dass ich dort als Weißer durchgehe. Ich lebe nun in einer relativ homogenen Gesellschaft und steche immer noch als Ausländer hervor. Trotzdem genieße ich aber auch ein paar Vorteile. Die chinesischen Frauen scheinen meine helle Haut zum Beispiel sehr attraktiv zu finden. OK, das kann ich jetzt nicht so verallgemeinernd sagen, denn China ist natürlich ein riesiges Land mit verschiedenen Kulturkreisen und gesellschaftlichen Normen. Ich habe diese Erfahrung aber trotzdem schon öfters gemacht.

In Shanghai versuche ich als "Weißer" des Öfteren, zufällig ausgewählte Frauen anzusprechen und eine Unterhaltung zu beginnen. Und ich bekomme von vielen die Nummer—selbst dann, wenn sie von einem Mann begleitet werden. Wenn Chinesen so etwas probieren, dann kriegen sie normalerweise nur eine Abfuhr. Ich glaube, dass "westlich" aussehende Typen einfach besser ankommen, weil sie in der Promiwelt so präsent sind.

Obwohl die Islamophobie in China nicht ganz so offensichtlich ist wie zum Beispiel in Großbritannien, kann man sie dennoch spüren—und die Tatsache, dass ich als Weißer wahrgenommen werde, schützt mich (trotz meines muslimischen Glaubens) teilweise davor. Die Situation der Uiguren, einer überwiegend muslimischen Bevölkerungsgruppe im Nordwesten Chinas, hat einen deutlichen Einfluss darauf, wie Muslime hier wahrgenommen werden. In einer 2011 im Equal Rights Review veröffentlichten akademischen Arbeit zu den Uiguren werden sie als "gewalttätige, mit Messern bewaffnete und klauende Kriminelle" beschrieben. Das fasst ganz gut zusammen, wie viele Chinesen über die Uiguren denken. Ein wahrer Teufelskreis, denn meiner Meinung nach kam die Kriminalität unter ihnen erst als Reaktion auf diese Diskriminierung auf. Aber ganz egal, was nun der wahre Grund ist, die negative Meinung über Muslime kann man nicht verneinen—und ich kann mich dieser Meinung aufgrund meiner Hautfarbe oftmals entziehen.

Wenn man mich als Muslim ansehen würde, dann müsste ich mich auch mit den üblichen Vorurteilen und falschen Annahmen auseinandersetzen. In meiner Zeit hier habe ich zum Beispiel erfahren, dass viele Chinesen Folgendes glauben: Muslime essen kein Schweinefleisch, weil das Tier ihr Vorfahre ist. Sie halten das Ganze für eine Sache des Respekts—ähnlich wie im Hinduismus mit den heiligen Kühen. Nachdem mir diese Fehlvorstellung mehrmals zu Ohren gekommen war, postete ich eine Nachricht in einem Gruppenchat, in der ich fragte, warum Schweinefleisch im Islam verboten sei. In einigen Antworten hieß es, dass wir Muslime vom Schwein abstammten. Es gab aber auch noch andere falschen Vorstellungen: von "Sie glauben, dass das Schwein Glück bringt" über "Das Schwein ist für sie heilig" bis hin zu "Das Schwein ist Allah".

Video: Unsere Dokumentation zum Albino-Aktivismus in Tansania

Es scheint so, als ob mich meine blasse Haut davor bewahrt, als Verwandter des Schweins angesehen zu werden. Und dennoch ist es nicht so, dass mich der Albinismus komplett von der hiesigen Islamophobie beschützt. Einmal wurde mir zum Beispiel eine Anstellung als Lehrer verwehrt und der Direktor sagte zu mir: "Oh, Sie haben ja einen muslimischen Namen. Vielleicht bringen Sie den Kindern dann ja bei, wie man Terrorist wird." Auf eine solche Aussage findet man nur selten eine passende Antwort.

Obwohl die Vorteile meiner Hautfarbe in China ganz klar überwiegen, haben manche Chinesen dennoch Vorurteile gegenüber Weißen. Ich habe mal in meinem sozialen Umfeld herumgefragt, was man dort über weiße Menschen aus der westlichen Welt denkt. So fand ich heraus, dass diese Menschen einigen Chinesen zufolge Sex mit vielen unterschiedlichen Frauen haben und stinken. Aber hey, eine junge Chinesin sagte auch, dass sie große Penisse hätten.

Unterm Strich brachte mir mein Umzug nach China verschiedene Vorteile. Ich habe mich quasi in einen neuen Menschen verwandelt und genieße nun die Vorzüge, die man hier als Weißer hat. Gleichzeitig bin ich einigen Vorurteilen entkommen, mit denen sich Pakistaner in meiner Heimat Großbritannien konfrontiert sehen. Shanghai ist außerdem riesengroß und ich falle mit meinem Albinismus deshalb nicht allzu sehr auf. Ich bin einfach glücklich darüber, wie sich hier alles für mich entwickelt hat.

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