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Sex

Ich stehe auf harten Sex, obwohl ich Feministin bin

Männer verstehen kaum, was ich von ihnen will—und ich habe mich selbst schwergetan, diesen Widerspruch zu verarbeiten.

von Kat Hamilton
27 September 2016, 11:00am

Illustration von Julia Dickens

Er war jung, Multimillionär (wie alle Bewohner von Monte-Carlo) und wunderschön. Wir hatten ein Date auf der Terrasse des Hermitage Hotel in Monaco. Im Laufe des Abends sagte er mir, dass alle Frauen tief im Inneren dominiert werden wollen, das gebe die Biologie nun einmal so vor. Ich hob nur eine Augenbraue und widersprach sofort. Ich möchte in meinem Leben in keiner Hinsicht von einem Mann kontrolliert werden—aber beim Sex mache ich zu einem gewissen Grad eine Ausnahme. Das sagte ich in dem Moment allerdings nicht, denn ich wollte nicht, dass er sich in seiner Ansicht bestätigt fühlt. Ich wollte ihn auch nicht ermutigen, Frauen weiterhin als Bedienstete zu sehen, die ihm von der Natur gegeben worden sind. Also hatte er auch nicht die leiseste Ahnung, wie geil sein Gerede mich paradoxerweise machte.

Am ersten Abend schliefen wir nicht miteinander. Als ich am nächsten Tag zu ihm ging, um mich vor meiner Abreise zu verabschieden, stellte er sich hinter mich, drehte mich um und küsste mich. Ich atmete tief durch und überzeugte mich selbst, mich ausnahmsweise einfach fallen zu lassen. Die Angst, die ich sonst habe, wenn ich mit Fremden Sex habe, löste sich in Luft auf. Er war in jeder Hinsicht perfekt. Jedes Wort, jede Berührung an Hüfte, Hals, Haar, Gesicht. Ich erlebte Schmerz und Ekstase zur selben Zeit. Er hatte diesen Traum für mich wahr werden lassen.

Aber ich verstehe mich als Feministin, und es ist ganz schön schwierig und verwirrend, gleichzeitig härteren Sex zu mögen. Im Alltag lasse ich mir von niemandem etwas sagen, aber im Schlafzimmer verbiege ich mich wie eine olympische Gymnastin (im übertragenen Sinne).

Es kann auch sehr peinlich und unangenehm sein, über diese Wünsche zu sprechen. Wir leben in einer Welt, in der Frauen die Gleichstellung fordern, und ich erzähle auch gerne beim ersten Date von meinen feministischen Ansichten. Früher suspendierten sie mich unzählige Male von der Schule, weil ich einer "Autoritätsperson nicht gehorcht" hatte. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, keine devote Ja-Sagerin zu sein, die sich nicht traut, ihren eigenen Weg zu gehen. Darauf bin ich stolz, denn Kontra zu geben, ist nicht immer einfach und gleichzeitig sehr wichtig. Und dann muss ich irgendwie eingestehen, dass ich hart rangenommen werden und harten Dirty Talk hören will. Es ist schwer genug, das alles irgendwie selbst zu begreifen—wie soll ich es da auch noch Anderen erklären?

Früher dachte ich, so richtig heftige Erregung gebe es bei mir einfach nicht. Nach meiner Begegnung mit dem Millionär wurde mir klar, dass mangelndes Vorspiel und zu wenig Bestimmtheit seitens meines Partners meiner Erregung im Weg standen. Weil ich es nicht schaffte, meine Gefühle auszusprechen, musste ich mich mit Blümchensex und jeder Menge Gleitmittel abfinden. "Aber warum hast du ihnen nicht einfach gesagt, dass sie dominanter sein sollen?", haben mich schon einige Leute gefragt. Das wäre der logischste Schritt, nicht wahr? Denkste. Kaum haben die Wörter "hart" und "dominant" meinen Mund verlassen, schon versuchen sie, mir den Schwanz hineinzurammen. Was dann folgt, ist ihre eigene Version irgendeiner 50 Shades-Szene und lauter kranke Scheiße, die sie auf Pornhub gesehen haben. Ich schätze, ein Problem mit "Kink" oder "Fetisch" ist, dass diese Begriffe alles Mögliche abdecken, von einem leichten Po-Klaps bis hin zu Nadeln, Stromschlägen und anderen richtigen Foltermethoden.

Hart muss nicht immer BDSM heißen, und BDSM muss nicht immer hart sein.

Es ist wirklich furchteinflößend, nach einem Mann zu suchen, der dieses empfindliche Gleichgewicht versteht und mir so viel Sicherheit vermittelt, dass ich ihm die Kontrolle über meinen Körper geben kann. Selbst wenn er willens ist, das zu versuchen, wird er häufig mit Vorstellungen an die Sache herangehen, die mir völlig zuwider sind. Wie sage ich denn dem Mann, den ich gebeten habe, die Kontrolle zu übernehmen, dass er nicht das mit mir tun soll, was er will?

Ich verstehe auch, wie schwierig es für viele Männer sein kann, damit klarzukommen. Ich hatte schon solche, die so nervös und von mir eingeschüchtert waren, dass sie nicht wussten, was sie tun sollten, also rammelten sie einfach drauf los, als hätten sie gerade einen Anfall. Oder solche, die keine Ahnung haben, was sie sich unter sexueller Bestimmtheit vorstellen sollen, und deswegen eine so genaue Beschreibung von mir verlangen, dass ich eigentlich auch gleich Erotikautorin werden könnte. Aber mit Abstand die schlimmsten Männer sind die, die denken, meine Aussage würde bedeuten, dass ich auf Faustschläge ins Gesicht stehe und ihnen die Fußsohlen lecken will. Heilige Scheiße, nein. Wenn ich auch nur das kleinste Anzeichen dafür sehe, dass ich es mit so einem zu tun habe, mache ich mich aus dem Staub.

Es bringt einen unvergleichlichen Nervenkitzel, mit genau dem richtigen Maß an Schmerz zu spielen.


Die Dominanz kommt aus jeder Handlung, jeder Bewegung, jeder kleinen Andeutung. Sie zeigt sich in der Art, wie jemand mit klarer Absicht und Kontrolle Hände und andere Körperteile positioniert. Es geht hier um einen komplexen Tanz mit jemandem, der weiß, wie man führt—nicht um rohe Gewalt und Erniedrigung.

Und ich musste überhaupt erst lernen, mich so führen zu lassen. Ich war schon immer zierlich und obenrum flach, also erlebte ich viel Mobbing und Selbstzweifel. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich beim Sex immer ein T-Shirt oder einen BH getragen. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich sexy fühlen konnte. Dieses wilde Gefühl, dass mich jemand begehrt, dabei bestimmt und dominant ist, ohne mir Angst zu machen—das ist das höchste der sexy Gefühle, bei dem ich alle Komplexe vergesse. Auch heute klappt das nicht immer, aber zumindest weiß ich inzwischen, dass ich sehr wohl dazu fähig bin.

Es bringt einen unvergleichlichen Nervenkitzel, mit genau dem richtigen Maß an Schmerz zu spielen. Wenn sich ein Mann genug Zeit nimmt, um mich zu erforschen, dann gibt er mir damit seine ungeteilte Aufmerksamkeit, und das ist es letztendlich, was mich so anturnt. Wenn mein Körper physisch positiv auf etwas reagiert, das ich im Kopf normalerweise ablehne, ist das gleichzeitig verwirrend und überwältigend. Ich möchte nicht aufgrund von Prinzipien darauf verzichten. In den Situationen, von denen ich spreche, habe ich die Möglichkeit, mich aktiv dafür zu entscheiden, die Kontrolle über meinen Körper aufzugeben—niemand nimmt mir die Kontrolle gegen meinen Willen. Diese Geste kann an sich schon etwas Befreiendes haben.

Das größte Problem an der Sache ist tatsächlich, einen Mann zu finden, der Dinge mit mir tun kann, die schon fast erniedrigend sind, und der mich hinterher immer noch als ebenbürtig respektiert. Nur weil ich in einer gewissen Situation gerne vor dir knie, will ich noch lange kein Leben auf Knien.

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