Eine Sammlung wunderbarer und seltsamer Dialektwörter aus allen Bundesländern

Wenn Burgenländer „grewetzan", Kärntner „umaleckn" und Tiroler „ briaschn", gibt es einiges an Erklärungsbedarf.

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Jän. 8 2016, 6:00am

Einen ausgeprägten regionalen Dialekt zu sprechen ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite ist er das Merkmal an uns, das uns am eindeutigsten mit unserer Heimat verbindet, auf der anderen Seite muss man auch innerhalb Österreichs oft nur ein paar hundert Kilometer wegfahren und dort einmal den Mund aufmachen, und schon erntet man belustigte Reaktionen, die einem das Gefühl geben, man wäre in einer hochexotischen, fremdsprachigen Hinterwäldler-Exklave auf der Rückseite des Mondes aufgewachsen.

Wir wissen, wovon wir sprechen, denn in unserer Redaktion arbeiten fast ausschließlich Menschen mit bundesländischem Migrationshintergrund. Weil wir regelmäßig fasziniert sind von den seltsamen Worten (oder in vielen Fällen eher Geräuschen), die unsere Kollegen aus den jeweils anderen Bundesländern von sich geben, haben wir die Muttersprachler aus jedem Land in unserem Kollegen- und Freundeskreis gebeten, einige der sprachlichen Perlen ihrer Heimat zusammenzutragen.

Die Unterteilung nach Bundesländern ist natürlich auch nicht einfach, weil Dialekte in der Regel auf unsere geographischen Unterteilungen pfeifen und man am westlichen Ende eines Bundeslandes teilweise ganz andere Wörter verwendet als am östlichen. Vorenthalten wollen wir euch diese teilweise etwas befremdlich anmutenden Vokabel trotzdem nicht.

Oberösterreich


Bei euch nennt man das Blechkuchen? In Oberösterreich heißt das Bunki. Foto via Wikimedia / CC 3.0

Die besten Dialektwörter: Schern (essen), Vorhaus (Flur), Bunki (Kuchen), oaschlings (rückwärts), hei (glatt, rutschig), iachtn (stören), Bletschn (Fieberblase), feigeln (Probleme bereiten), schmian (schmusen)

Das Bemerkenswerte an Oberösterreichern ist das Selbstverständnis, mit dem die Bewohner ihre abartigen Wortschöpfungen in jede erdenkliche Konversation einstreuen. Noch bemerkenswerter ist nur das Unverständnis, mit dem sie jenen Menschen begegnen, die nicht sofort wissen, was gemeint ist, wenn sie von ihrem „Vorhaus" erzählen. Aber nach Jahrhunderten des Ausgelachtwerdens haben die lieben Oberösterreicher, die sich sogar selbst manchmal neckisch „Mostschädel" nennen, einfach gelernt, mit dem Ruf der Bauern zu leben. Nein, sie sind sogar stolz darauf und werden auch nicht müde, ihn zu zelebrieren.

Da können Bletschn schon mal beim Bunki schern iachtn, oder das oaschlings Ausparken feigeln. Aber das ist noch längst nicht alles, was Oberösterreich kann: Einheimische sind dramhappert und erschlagen lästige Stallfliegen mit dem Fliangtuscher. Und wenn es draußen hei ist, dann sagen sie das eben auch. Wer auch immer sich diese Ausdrücke ausgedacht hat, wir lieben ihn.

Burgenland

Die besten Dialektwörter: Grewetzan (rülpsen), goamazn (gähnen), Lodiridari (Bohrmaschine), Legwa (Marmelade), Woinba (Trauben), dakeima (erschrecken), gruanbachti wern (erwachsen werden), aududlt (besoffen), kraumpat (verkrampft), Dschumpas (Gefängnis), beigln (saufen)

Unwissende Menschen würden vielleicht meinen, das Burgenland wäre zu klein oder würde erst viel zu kurz existieren, damit es dort überhaupt einen eigenen, ausgeprägten Dialekt geben kann. Doch weit gefehlt: die Leute aus dem Osten Österreichs mixen sich ihre Sprache aus kroatischen und ungarischen, ganz offensichtlich aber auch aus alkoholischen Einflüssen.

Nicht zuletzt sind die Burgenländer ja jene Menschen, die von allen Bundesländern bekanntlich (und statistisch!) am meisten drangeln. Sie produzieren ja auch ganz gutes Zeug. Bevor man den edlen Tropfen aber erst mal beigln kann, muss er aus den Woinba gepresst werden. Dann heißt es aber: wer andudlt ist, ist bekanntlich auch gleich weniger kraumpat. Und ,Lorididari' klingt wie Ned Flanders mit 3 Promille, bedeutet aber schlichtweg ,Bohrmaschine'. Wie kann man ein Volk, das sich anhört wie lallende Franzosen, nicht mögen?

Wien

Die besten Dialektwörter: Bahö (Aufsehen), Beidlpracker (Schlitzohr), beule gehen (abhauen), Breslfetzn (Schnitzel) Hawara (Kerl, Freund) Hieb (Bezirk), hocknstad (arbeitslos), Köch, Wickel (Streit), Peitscherlbua (Zuhälter), Tschocherl (kleines Lokal), Tschinelle (Ohrfeige) Tschurifetzen (Tuch zum Entfernen der Spuren sexueller Betätigung), Wundn (Vagina)

Wienerisch gilt im deutschsprachigen Raum als einer der schönsten Dialekte—das denken zumindest die Wiener. Die Stadt war über Jahrhunderte ein Schmelztiegel für unterschiedlichste Sprachen, besonders des Jiddischen und Tschechischen.

Heute gleicht der gesprochene Wiener Dialekt bis auf den typischen Akzent immer mehr der deutschen Umgangssprache, nur mit mehr nasaler Aussprache. Allerdings wird er noch immer durch fremde Sprachen verändert, etwa durch englische Neologismen, das Deutschtürkisch der Jugendlichen, und das „Piefkenesisch" aus Fernsehen und Internet (die Worte der Wiener, nicht unsere). Der Altwiener Dialekt, den man mit den klassischen Strizzis, hocknstadn Tachinierern, Tschecheranten, Owezahrern und anderen Wiener Urgesteinen aus der Arbeiterklasse verbindet, trifft man in der Realität gar nicht mehr so oft an.

Bei genauem Hinschauen findet man den originalen Wiener Dialekt dann aber doch noch—am Fußballplatz zum Beispiel, teilweise in äußerst unangenehmer Form (ein Spitz ist da zum Beispiel Jud). Besonders intensiv wird das Altwienerische auch immer dann verwendet, wenn's ums Budern geht. Wenn beispielsweise des Zündschnürdel in der Wundn herumstochert, und danach mit dem Tschurifetzen saubergemacht wird, weißt du ziemlich schnell, in welcher Metropole du bist.

Auch das Unterwelt-Milieu mit Peitscherlbuam und Beidlprackern redet noch wirklich Wienerisch, so heißt es zumindest. Besonders eng verbunden ist der Dialekt aber mit der Wirtshauskultur. Dort haben die Besucher nach dem Verspeisen eines Breslfetzns gern mal an Köch, Wickel oder Bahö, (eigentlich kein Wunder, dass es hierfür in Wien gleich drei eigene Wörter gibt)—und gehen dann vor der Kiwarei beule, damit sie nicht im Häfn landen.

Kärnten

Die besten Dialektwörter: Dreachl (drüben), Fock (Ferkel), Frigga (Eierspeise mit allem), Gfret, (Unannehmlichkeit), Gstaudach (Gebüsch), Harpfm (Bett), Ibahaps (querfeldein), letz (schlecht), lumpan (betrinken), napfatzn (schlafen), potschasne (gemütlich), Reibn (Moped), an Schleim haben (auf jemanden sauer sein), Strankalan (Fisolen), Togga (Idiot), Tscholdra (einfältige Frau), Tschreapm (Pfanne), Treapn (blöde Frau), umaleckn (schmusen)

Olta da Hund he! Im Kärntner Dialekt ist bis zum heutigen Tag eine tiefe Verbundenheit zum Slowenischen spürbar—aber immer schön potschasne: Wenn der Togga mit der feschen Taubm aufm Festl dreachl bei der Bank umaleckt, hat man einen Schleim auf die Tscholdra und geht aus Frust lumpan. Armes Haschale.

Wenn man dann letz beinand und auf dem Heimweg ist—meistens ibahaps durch's Gstaudach, oder mit der Reibn—hat man oft noch Hunger auf eine Frigga, die schnell in einer Tschreapm zubereitet wird. Dazu Strankalan? Olta, du Fock. Tschoppale darf man dabei jedoch keines sein, sonst wird die Mutter noch wach, die blöde Treapn, und mit der ist sowieso immer so ein Gfret in der Friah. Da geht man lieber gleich in die Harpfm napfatzn. (Fragt nicht.)

Steiermark

Wir würden uns wünschen, alle Steirer hätten so einen ausgeprägten Dialekt wie der gute alte Stephan Rossegger.

Die besten Dialektwörter: Znaxt (Letztens, Unlängst), Schochn (Wald), Oahandl (kleine Axt), Hodach (Blaubeerlaub) valawariaschtln (verlieren), eahi (drüben) eppa (wahrscheinlich), Herest (Herbst), reimig (raureifig), schroattln (ausrutschen)

Vor allem die Vorarlberger und Tiroler haben den Ruf, dass man in anderen Bundesländern nicht mal im Ansatz versteht, was sie einem eigentlich erklären wollen. In der Realität kann einem das aber auch sehr gut bei einem Steirer passieren.

Während dich die Südsteirer mit ihrer Bellerei vor den Kopf stoßen (siehe Stefan Rossegger), reden die Menschen in der westlichen Steiermark einen derartig verzwackten Bergdialekt, dass du als Nicht-Steirer schnell an deine Grenzen stoßen wirst. Wenn ein Mensch aus dem Ennstal etwa sagt, dass er znaxt im Schochn sei Oahandl valawariascht hat, will er dir eigentlich nur erklären, dass er unlägst seine Axt im Wald verloren hat. Wenn er all diese Wörter in einem Satz verwendet, will er aber vermutlich ohnehin nicht, dass du ihn verstehst.

Salzburg

Die besten Dialektwörter: bachalwoam (lauwarm), biagn (losgehen, losfahren), gneißen (begreifen), lax (heftig), odln (Jauche fahren) Stodinger (Bewohner der Stadt Salzburg)
Wörter aus Salzburg Stadt: gwandt (großartig, super), Lobe (Geld), naschen (gehen) puan (schnell laufen, rasen), putten (essen), schmallern (reden),
schwächen (exzessiv trinken), tschuren (stehlen), zaht mi bzw. zaht ma (mag ich), Wabo (abfällig für Frau, Mädchen) Wos schiabts dir? (Was ist mit dir bitte los?)

Den Salzburger Dialekt von denen seiner Nachbar-Bundesländer abzugrenzen, ist schwierig. Während man im Flachgau ungefähr die selben seltsamen Wörter verwendet wie in Oberösterreich oder Bayern, ähnelt der Dialekt im Pinzgau schon viel eher dem in Tirol und der im Pongau ein bisschen dem in der Steiermark. Heute wollen wir uns deshalb in einem kleinen Exkurs besonders auf die Sprache der Stodinger konzentrieren—insbesondere auf die etwas dubiose Jugendsprache, die sich in der sonst so vornehmen Stadt entwickelt hat.

Interessanterweise haben nämlich besonders viele Wörter in der Salzburger Jugendkultur festen Einzug gehalten, die ursprünglich aus dem Jenischen stammen—einer Sprache, die eigentlich Wandervölker wie die Roma sprechen. Die Jugendlichen in Salzburg essen nicht, sondern putten, reden nicht, sondern schmallern, gehen nicht, sondern naschen und stehlen nicht, sondern tschuren (hier hat sich sogar ein dazu passendes Hauptwort etabliert: der Tschurant).

Besonders wichtig: Salzburger finden ihre Stadt nicht nur schön, sondern gwandt. Sie finden überhaupt sehr vieles gwandt. Gwandtes Putten, gwandte Schwächerei, gwandte Wabo—so ziemlich alles kann gwandt sein. Die einzige Phrase, die noch höher im Kurs steht ist „Zaht mi!", die weiterentwickelte Form „Zaht ma" oder die Profivariante „zaht ma guad!".

Falls ihr also von einem Salzburger Lausbuam mal so etwas wie: „I brauch wos zum puttn, oba i hob ka Lobe mehr—biag ma zur Billa und und tschur ma uns wos?" zu hören bekommt, wisst ihr in Zukunft, was los ist. Ihr könnt dann souverän mit „Zaht ma goaned, i bin ka Tschurant. Wos schiabts dir überhaupt?" antworten.

Niederösterreich

Die besten Dialektwörter: Juchee (Bergspitze, Hügelspitze), entas (auf der anderen Seite) ogschloapft, (nicht ganz fit oder einsatzfähig), e sei tog (damals), Gspodl (verächtlicher Ausdruck für eine Frau), aufitremmln (aufsetzen), rahr (angenehm)

Der Dialekt des südlichen Niederösterreichers ist ein seltsamer, undefinierbarer Hybride, was sich wohl durch die Nähe des Burgenlandes erklären lässt. Zum rearn ist das rollende R, dass dem indigenen Niederösterreicher erst auffällt, wenn er sein natürliches Habitat verlässt. So sehr er sich auch abmüht, das rollende R kann er sich nicht abgewöhnen. In Wien versteht man den Niederösterreicher allerdings ziemlich gut. Massive Sprachbarrieren, wie man sie aus westlicheren Bundesländern kennt, gibt es glücklicherweise nicht.

Vorarlberg

Die besten Dialektwörter: Blägö (weinen), Höttel (Lumpen), reasö (reden), "rote Patrone" (Vorarlberger Export-Bier), agängig (Richtig nervig) Trüllar (Träumer)Schmelg/Schmelga (Mädchen), Löüble (WC), Hääs (Kleidung), Füdla (Arsch),Färkar (Waschbecken),Ribl/Stopfer (Vorarlberger Mehlspeise),Sura (Saurer Radler), kischplö (streiten) Grifflbüx (Federschachtel), Tschuppar (Polizist), Giggölar (Hahn),umbölöt (umfällt)

Insbesondere für den Vorarlberger kann die sprachliche Integration in Regionen jenseits des Arlbergs bekanntlich buz schwierig sein. Wenn in deiner Studentenbude eine rote Patrone umbölöt und dir dein Mitbewohner aus Innerösterreich den Höttel, der im Färkar liegt, ummarwerfen soll, zum Beispiel. Körig agängig. Aber das ist kein Grund zum blägö oder kischplö. Mit dem Trüllar musst nur mehr reasö.

Tirol

Die besten Dialektwörter: fischgidelen (nach Fisch stinken), Flammes, Siach, Lapp, Tercher (Depp), briaschn (schreien), Zuller (Heulsuse), zulln, brilln (weinen), Psiech (Spiegelkasten), Schetti (Lebensgefährtin, nicht Ehefrau), Lalli (kindischer Typ), Karner (Asoziale, Kriminelle, allgemein schlechte Menschen), schieben, eines abbeißen (sich ansaufen), dutschn (schlafen)

Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir anhand der Liste denken, dass es in Tirol ein bisschen wie in einer Swinger-Version des Musikandenstadls zugeht—mit Leuten, die ordentlich schieben, während irgendein Lalli seine Schetti zum Briaschn bringt, indem er mit einer fischgidelnden Lappin zur Sache geht.

Aber zum Glück wissen wir es besser. Und da wir sogar mit echten Tirolern gesprochen haben, ist uns völlig klar, dass es im Land der Adler und Schwüre und Herz-Jesu-Feuer nicht wie in einer Ulrich-Seidl-Neuverfilmung des Musikvideos von „Ziwui Ziwui" zugeht. Stattdessen haben wir erfahren, dass Tiroler auch mal brilln und genau wie alle anderen Österreicher sogar ganz entspannt dutschn, wenn es die Situation verlangt.

Warum es allerdings ein eigenes Wort für Spiegelkasten gibt, wissen selbst wir nicht. Aber das kann man wahrscheinlich nur durch Feldforschung herausfinden. Apropos, falls ihr euch auf eine solche begeben wollt: Hier gibt es ein Album voll mit bestem Tiroler Oberländer Dialekt zum Nachfühlen und Erkunden—inklusive einem Track, der das Gespräch eines Bürgermeisters mit einer 104-Jährigen samplet. Sehr viel Tirolerischer geht eigentlich nicht.

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