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Die ultimative Liste der coolsten Frauencharaktere in Videospielen

Mehr als 35 Jahre Gaming-Geschichte haben viele geniale weibliche Figuren hervorgebracht – teilweise charakterlich enorm vielseitiger als die männlichen Counterparts. Hier sind die wichtigsten, seit es Pixelgrafik gibt.

von Josef Zorn
08 März 2017, 1:31pm

Screenshot vom Autor 'Horizon Zero Dawn' (c) Sony

Headerbild: Screenshot vom Autor 'Horizon Zero Dawn' (c) Sony

Es gibt so derartig viele Videospielfiguren. Und neben der generischen öden Masse an weißen, heterosexuellen und meist dunkelhaarigen Männern erstrahlt auch eine gigantische Palette an selbstbestimmten Frauen, unvergesslichen weiblichen Figuren oder zumindest als feminin einzuordnende Wesen. Um eine angemessene "ultimative" Liste dieser Girls of Gaming zusammenzustellen, haben wir mit Kolleginnen und Kollegen, darunter zum Beispiel Verena Pschandl und Andreas Capek, die Köpfe zusammengesteckt.

Die Kriterien, mit denen hier bewertet wurde, sind grob gesagt "Kompetenz", "Selbstbestimmtheit" und "faszinierende visuell-charakterliche Eigenständigkeit". Cool eben. Also alle eure mühselig erstellten RPG-Kriegerinnen, eure High-Level-Göttinnen aus World of Warcraft und die vielen CommanderInnen Shephards aus Mass Effect passen nicht so wirklich auf diese Liste. Auch wenn sie natürlich unglaublich super sind. (Eigentlich ist das sehr interessant. Lasst uns gerne bei Gelegenheit eure besten Custom-Heldinnen zukommen.) Nun viel Spaß mit der geballten Fem-Power.

Aloy 
Horizon Zero Dawn

Aloy ist eine Ausgestoßene. In einer Welt voller Matriarchaten und Muttersymbolik in jeder Ecke ist sie eine Waise. Darüber hinaus führt aber niemand einen High-Tech-Bogen zielsicherer als Aloy, bezwingt keiner mehr haushohe mechanische Dinosaurier und reitet keine erhabener in alle Sonnenuntergänge. Sie ist aufopfernd, smart – aber auch manisch und aggressiv selbstkritisch. Sie schimpft manchmal in sich hineinmurmelnd über ihre Fähigkeiten, bisschen wie Batman. Aloy und ihre mysteriöse Herkunft ist eine der spannendsten Spielnarrative seit langem. Sie hat jetzt schon 2017 gewonnen.

Sarah Kerrigan 
Starcraft-Reihe

Kerrigan ist eine der ambivalentesten und erbarmungslosesten Videospielfrauen überhaupt. "Violence is a tool. I use it when I have to. A leader uses the right tool for the job. To true leaders everything and everybody is a tool!" Gänsehaut. Betrogen und als Telekinese-Soldatin auf einem Planeten voller insektoider Aliens zurückgelassen, wurde sie von ihnen kurzum zur halbgottartigen Königin der Zerg gekürt. Die haben sofort gemerkt: Furchteinflößender und selbstbestimmter als Kerrigan geht es fast nicht mehr. Besonders deutlich wird das, wenn die geflügelte Herrscherin, die wie aus einem Iron-Maiden-Cover geboren scheint, ihren Freund Raynor, den zweieinhalb Meter großen Marine mit Dreitagebart, ständig aus verschiedensten Lebensgefahren retten muss. 

Jill Valentine
Resident Evil-Reihe 

Jill ist eine Polizistin der Spezialeinheit STARS, hat den T-Virus überlebt, der normalerweise alle zu Zombies mutiert, und ist auch schon kurzzeitig zur Umbrella Corp. übergelaufen. Ah, und sie hat auch eine gefühlte Milliarde Mutantenangriffe hinter sich. Jill ist eine Horror-Ikone, deren Bad-Assness richtungsweisend für das Genre war. Auffallend ist, dass sie nie wirklich gleich aussieht. Einmal brünett, einmal blond, einmal junger Look, mal älter und ständig wird das Outfit gewechselt. Sie ist quasi die Madonna der Videospiele.

Jellax / Jāmanen
Bishoujo Senshi Sailor Moon R

Dieses Schleimmonster, das gleichzeitig ein weiblicher Droid ist, stammt aus der Sailor Moon-Serie und kommt auch in einem Schlägerspiel für SNES und Game Boy vor. Jellax besteht aus magischer, knallroter Gelatine und ähnelt in ihren Fähigkeiten am ehesten T-1000. Sie hat nicht wirklich eine Herkunftsgeschichte, ist auch eigentlich nackt und Untertan ihrer Meisterin Petz, was somit eigentlich keiner selbstbestimmten, mehrdimensionalen Frauenfigur entspricht ... ABER SIE IST TROTZDEM SAUCOOL! Und wenn es bei Empowerment und Feminismus um irgendwas geht, dann doch darum, dass jede alles sein und tun kann, was sie will.

Ellie Moxxi
Borderlands 2

Diese unglaublich übergewichtige Mechanikerin verließ aufgrund konstantem Bodyshaming ihren Clan, die Hodunks. Dass ihr eigener Bruder in sie verliebt war, hatte VIELLEICHT auch etwas damit zu tun. In "Dust" hat sie sich selbstständig gemacht und bereitet dort den verfeindeten Clans und auch ihrer Mama viele Sorgen. Ellie ist der Inbegriff von Chaos liebender Selbstständigkeit und inspirierender weiblicher Scheißdrauf-Mentalität. 

Vella Tartine
Broken Age

Screenshot vom Autor 'Broken Age' (c) Double Fine

In diesem wasserfarbenen Point-n-Click-Adventure treffen wir auf Vella, die die einzig normal denkende Person in ihrer Lebenswelt zu sein scheint. Sie soll verpackt in einem Kleid aus Mehlspeisen an das Ungetüm Mog Chothra verfüttert werden – zu dessen Besänftigung – und ist so ziemlich die einzige, die das nicht ganz so toll findet. Oma, Papa und die ganze Familie feiern stolz ihre Opferung wie eine Sponsion, bis sie abhaut. Sie ist mutig, anarchistisch und auch leicht lebensmüde in Punkto Schwerkraft.

Samantha Greenbriar
Gone Home

Über Briefe, Tagebücher, Kassetten und Song-Texte lernen wir Sam, die sympathischste Punk-Lesbe der 90er Jahre äußerst intim kennen, und viel genauer als so manche andere Hauptfigur in Videospielen. Mit ihren Problemen kann man sich leider sehr schnell identifizieren: Erste Liebe, erster Sex, erste Teenage Angst, erste erwachsene Konfrontationen, erste Band, erster Aktivismus und alles was dazu gehört. Nach dem Spiel will man Sam auch als kleine Schwester haben und sie fest in den Arm nehmen.

Paula
EarthBound

Sie kommt aus Twoson und ist das Kind von zwei Leitern einer Vorschule. Sie ist circa 11, hat telekinetische Kräfte und schlägt am liebsten mit Pfannen zu. Oh, und Paula kann in deine Träume einsteigen. Obwohl ihr Charakter sehr schemenhaft bleibt, hat sie sich in unserer Fantasie zum coolsten kleinen Mädchen der Welt entwickelt

Olivia 'Central' Gladstone
Invisible, Inc.

Die weißhaarige Oberchefin hat die Infosec-Behörde geleitet, bevor ein "Ressourcen-Krieg" die ganze Welt ins Chaos stürzte. Ihre Führungsposition direkt mit übernommen, gründete sie die Separatisten- und Spionage-Einheit "Invisible, Inc." mitten in diese Dystopie hinein. Ob dieser Wortwitz im Namen der Corporation auch von ihr ist? Das bleibt geheim. Da Gladstone die besten und perfektionistischsten Agenten der Spielgeschichte befehligt, ist sie die meistgesuchte Person des Planeten mit dem höchsten Preis auf ihrem Kopf. Beste Pensionistin EVER.

Adwoa  
MURI

Screenshot von Andreas Capek 'MURI' (c) Remar Games

Adwoa sieht unter ihrem Raumanzug aus wie – und, Vorsicht, dass euer Kopf jetzt nicht explodiert – ein ganz normaler Mensch. In dieser Liste muss man in Bezug auf Körperbilder dort und da doch einige Augen zudrücken, aber Adwoa ist die herrlich mediokre Ausnahme. Das Spiel MURI hat eine simple Geschichte, die keine Körperideale forciert, und spielerisch auch eine wirklich wunderbare Hommage an DOS-Jump-and-Runs á la  Duke Nukem 1 und  Commander Keen darstellt. Adwoas spannendes Heldenpotential kann aber so was von mit dem dieser hüpfenden Dudes mithalten – wenn es das nicht sogar weit übersteigt.

Red
Transistor

Eine stumm geschlagene Jazz-Sängerin findet ein überdimensioniertes elektronisches Schwert, das die Seele ihres Liebsten in sich trägt und so mit ihr spricht. Dafür, dass Red in diese bizarren Umständen geschubst wird – ein bisschen wie John McClane plötzlich in der Scheiße landet –, schlägt sie sich hervorragend, vor allem durch komplizierte Tech-Battles mit schrägen eiförmigen und synthetischen Gegnern. Das vierköpfige Verbrecherkartell Camerata hat nicht den Hauch einer Chance gegen ihren unaufhaltsamen Rachefeldzug. 

Lady Vashj
Warcraft-Reihe

Vashj ist eine einst wunderschöne Nachtelfin, die in sich in den Tiefen des Meeres in ein Fischmonster verwandelt hat. Sie ist in der Warcraft III-Erweiterung ein derartig harter Gegner, dass ich ihr sogar schon Schlimmeres gewünscht habe. Sie führt die glitschigen Unterwasserkreaturen "Naga" an und lässt sich dann letztlich doch auf die Seite der Guten locken. Ein Paradebeispiel weiblicher Power. Sie ist mutig, loyal und stolz – so stolz, dass sie heute noch die Eifersucht auf ihre ehemalige Königin quält. 

Lenora Kastner 
WATCH_DOGS 2

Bild vom Autor 'Watch Dogs 2' (c) Ubisoft

Optisch ist sie eine Mischung aus Melissa McCarthy und Jonah Hill. Lenni ist als Meister-Hacker ein harter Gegner für den Spieler und DedSec, die den Informationskrieg im San Francisco gewinnen wollen. Sie trägt Meme-T-Shirts, ist Lesbe und hängt in einschlägigen Clubs ab. Wenn du ihr Erscheinungsbild mit abgegriffenen Klischee-Beleidigungen beschreiben würdest, käme wahrscheinlich vorerst mal keine Reaktion. Lenni würde nämlich einfach schief grinsend alle deine Konten leeren, ein Bild von dir auf die "FBI Most Wanted"-Seite stellen und dein Handy-Display mit kackenden Sonnenbrillenkatzen voll-spammen.

Aerith Gainsborough
Final Fantasy VII

Sie war vielleicht eine stereotype Heilerin und immer in süßem Pink gekleidet, aber sie ist eine Hoffnungsträgerin für weibliche Vernunft und essentieller Teil der Storyline um die umweltbewussten Untergrundkämpfer der Widerstandsgruppe AVALANCHE. Aeriths Tod, um es hier wie "Vader ist Lukes Vater" oder "Rosebud ist der Schlitten" zu spoilern, hat Generationen an Gamern zum Heulen gebracht.

Zelda
Zelda-Reihe

Im Gegensatz zu Peach und deren peinlich süße Eigenschaft, permanent als Geisel genommen zu werden, hat Zelda doch einiges mehr zu bieten. Die andere, vielleicht fast wichtigere Prinzessin aus dem Nintendo-Universum, beweist ziemlichen Tiefgang. Auch wenn in den ersten Spielen Zeldas Rolle ebenso auf eine "Damsel in Distress" reduziert ist, ALLE Teile sind nach ihr benannt, verdammt! Mit den späteren Teilen entwickelt Zelda auch eine geschlechtliche Vielschichtigkeit und multiple Persönlichkeiten. Einerseits ist sie die aufopfernde Magierin und Oberhaupt von Hyrule, hat aber als Sheik auch arschtretende Drag King-Qualitäten. Ein anderes Alter Ego heißt Tetra, eine zynische Seefahrerin. Zelda steht einfach für: "Be what you want to be!"

Cate Archer
No One Lives Forever-Reihe

Sie war eigentlich eine der allerersten coolen Protagonistinnen in einer Welt der von männlichen Hauptfiguren dominierten Videospielen. Und Cate spielt man sogar in der Ego Perspektive – genau, man muss sich in eine Frau hineinversetzen beim Zocken und ganz ohne endloses Starren auf den Arsch der Spielfigur auskommen. Archer – lange vor der Animationsserie — hat mehr Gadgets als Bond, zieht schneller als alle Morricone-Cowboys zusammen und muss keine blöden verführerischen Sexspielchen bieten, um Level-Missions zu meistern. Auch dem Chauvi-Sidekick, der sich als Megasack entpuppt, gibt sie Saures. 

Gretel Grösse
Wolfenstein 3D

Schon klar, Nazis sind niemals "cool". Aber als mächtiger Boss aus "Episode 5" und fieser Frauencharakter aus einem der größten Klassiker der Egoshooter-Geschichte verdient sie sicherlich eine Erwähnung. Sie bewacht die Pläne zu Operation "Giftkrieg" und stirbt wie ihr Bruder Hans in einem Berg aus Fleischsoße. 

Laverne
Manic Mansion: Day of the Tentacle

Sie ist extrem nervös, mitten in ihrer medizinischen Ausbildung und hat die Ärmel ihres Pullover schon ziemlich ausgeleiert. Aber Laverne bewahrt uns dafür auch vor der Invasion von unendlich vielen Tentakel-Kreaturen. Ein schräger Vogel fernab von Opferrolle, Vamp oder Girl Next Door. Danke!

Alessa Gillespie
Silent Hill

Sie wurde als Kind gefoltert, misshandelt und schlussendlich von ihrer Mutter und Kultisten lebendig verbrannt. Ihre Qualen waren so unbeschreiblich, dass sie eine alptraumhafte Paralleldimension, die dem Fegefeuer gleicht, erschaffen hat. Dort spielen sich auch die Silent Hill-Teile ab und haben eines der allergeilsten interaktiven Horrorkonzepte begründet. Als Alessa in ihrer eigenen, immer fortwährenden Vorhölle auch noch einen dunklen Gott gebären soll, reicht es ihr dann doch. Sie ist die ultimative Opferfigur, die aber aus all ihrem Leid eine neue Welt erschafft – eine Allmächtige des Schmerzes und Elternhasses. Very Metal! Manche Leute würden an ihrer Stelle vielleicht lieber Heather Mason aus Silent Hill 3 sehen, weil man ihr ein Laser-Schwert freischalten kann. Aber sie ist langweilig im Vergleich zu Alessa, die Schreckenswelten mit vielen Sequels erträumt hat und sich schlussendlich von ihrer eigenen übernatürlichen Pein befreien konnte.  

The Boss  
Metal Gear Solid-Reihe

Screenshot von Andreas Capek 'Metal Gear Solid 3: Snake Eater' (c) Konami

Diese Titel sind voller kaputter Männer, alle traumatisiert durch den Verlust ihres großen Idols, der legendären Soldatin mit dem Codenamen "The Boss". Sie war Anführerin der Cobra-Einheit im Zweiten Weltkrieg und Mentorin von Snake, der wegen ihr im gesamten Metal Gear-Universum immer nur der zweitbeste Soldat der Geschichte bleiben wird. The Boss ist ein Über-Charakter, sie ist eiskalt und liebevoll gleichzeitig, hochintelligent, übermäßig konsequent, übermäßig willensstark und übermäßig inspirierend. Ihr bestes Zitat wäre wohl: "Jack, let's make this battle the greatest ten minutes of our lives."

Voodoo Lady
Monkey Island-Reihe

Sie ist eine der schönsten Roten Fäden, die eine Spieleserie jemals zusammengehalten hat. Jedes Mal, wenn man von ihr Gummihühner, Liebesbomben oder Voodoo-Puppen bekommt, geht einem das Herz auf. Auch wenn man ihre Figur vielleicht als ein karibisches Klischee erachten könnte, sie ist eine starke schwarze Frau in einer lächerlichen und brutalen Welt voller debiler Piraten. Der Legende nach, zieht sie sogar heimlich alle Fäden im ewigen Kampf zwischen LeChuck und Guybrush.

Violet 
Violet

Ziel des gleichnamigen preisgekrönten Text-Adventures ist es, sich hinzusetzen und seine Dissertation fertig zu schreiben, was durch diverse Ablenkungen wie lärmende Zombie-Aufstände vor dem Fenster ("What do we want? Braaiiins! When do we want them? Braaiiins!") erschwert wird. Violet ist die Freundin des Protagonisten, die gleichzeitig als Erzähler-Stimme und Motivatorin dient, aber die ganze Zeit nicht wirklich anwesend ist. Wir lernen sie im Spiel nur als sehr lebensechte Projektion im Kopf der Spielfigur kennen – und das ist eine nie dagewesene Form von Charakter. Außerdem ist sie dadurch eine der psychologisiert interessantesten Frauenfiguren der Videospielgeschichte. Aber trotzdem bleibt sie buchstäblich eine Projektion im Geist eines Mannes! Zählt das dann überhaupt?! Gott, ist das manchmal schwierig.

Bayonetta 
Bayonetta

Hier stoßen wir auf ein seit Ewigkeiten heiß diskutiertes Thema, weil Bayonetta einerseits buchstäblich ein lebendig gewordener Fetisch und das Spiel voll mit über-voyeuristischen Kamerafahrten ist; andererseits hat sie aber auch immer Agency und setzt völlig kontrolliert ihre Sexualität als Waffe ein. Wenn man dann aber wieder bedenkt, dass sie ja nicht einmal wirklich aussieht wie ein Mensch, mit einem zu kleinen Kopf und komplett überzeichneten Körpermaßen, könnte die Strenge und Power von Bayonetta auch wieder nur als ein von Entwicklern geschriebener Domina-Tick interpretiert werden. Warum sie aber trotz alldem zu den wirklich Guten gehört? Es gibt keine Videospiel-Heldin, die selbstbewusster, mächtiger, schillernder, spielerisch beliebter, stylisher ist und fester auf den Tisch haut als sie!

Kat  
Gravity Rush-Reihe

Bild vom Autor 'Gravity Rush 2' (c) Sony

Die liebenswürdige junge Kat hat wasserstoffblondes Haar, macht sich stark im Klassenkampf und würde sich für ihre Freunde Finger abschneiden. Ihr etwas gering ausgefallenes Selbstwertgefühl macht sie eigentlich sogar noch sympathischer – beziehungsweise zu einer besseren Identifikationsperson. Warum sie manche Minenarbeiter, Großgrundbesitzerinnen oder arrogante Schiffskapitäne so auf sich herumtrampeln lässt, obwohl sie die Macht hätte, Schwerkraft zu manipulieren, bleibt fraglich. Kat ist einfach herzensgut, mitfühlend und eine Retterin ihrer schwächeren Mitmenschen – und keine killt mehr schwarze Blob-Monster als dieses Anime-Mädel mit übernatürlicher Fallsucht.

Miss Pac-Man
Ms. Pac-Man

Sie hat zwar keine Background-Geschichte, aber ist eine "noch" allein stehende gelbe Scheibe mit Haar-Schleifchen, die sehr gerne Pünktchen, Kirschen und verunsicherte Geister frisst. Es war das besser gemachte Spiel (im Vergleich zum männlichen Counterpart) und das reicht definitiv, um als eine der besten Gaming Girls der letzten 40 Jahre zu gelten.

Chun-Li
Streetfighter-Reihe

Sie hat mächtigere Schenkel als Beyonce und behauptet zurecht: "I am the strongest woman in the world!" Chun-Li ist eine übergenaue Beamtin von Interpol mit einem obsessiv ausentwickelten Beschützerinstinkt. Ihre Disziplin, ihr Mut und ihre Vernunft zeichnen sie aus, und auch, dass sie einfach nur Leben retten will. Sie hasst Bison, der ihren Vater umgebracht hat, und nutzt jede Chance dies zu vergelten. Sie IST die Stärkste.

Alice Lidell
Alice: Madness Returns

Lewis "Ich steh' creepy auf kleine Mädchen" Carroll und seine psychologisierten Wunderland-Geschichten haben viele Ableger in Film, Literatur und Games. In dieser Fortsetzung von American McGee's Alice bekommen wir aber eine wunderbare, mittlerweile pubertierende Virigina Woolf-Version der sonst so süßen Disney-Alice. Ihre Eltern sind bei einem Brand ums Leben gekommen, das Trauma und die eigene zerrüttete Psyche treiben sie zurück an den wunderländischen Zufluchtsort (diesen super Platformer und Action-Slasher), das riesige Schlachtermesser dabei fest in der Hand. Ich mag dich, Alice, du grausamer schwarzhaariger Emo, du lässt dir nichts gefallen, nicht mal von deinem eigenen Hirn. Und ich will alle deine geheimen Kleider freischalten! 

Ellie  
The Last Of Us

Official Still 'The Last of Us' (c) Naughty Dog

Sie hat uns schon lange vor Aloy die Freuden am Jagen mit Pfeil und Bogen nahe gebracht – besonders in Zeiten von Plünderern und humanoiden Pilzgewächsen. Ihre DLC-Geschichte Left Behind lässt kein Auge trocken und gibt dieser unendlich starken Mädchenfigur eine wunderschöne Backstory, voller Freundschaft und überraschendem homosexuellem Erwachen. Ihre Charakterisierung, nachdem sie einem gewaltsamen Überfall entkommt, der von Spielern zurecht auch als Vergewaltigungstrauma gelesen wird, ist phänomenal. Ich habe selten eine Person mit mehr Facetten gesehen, egal von welchem Medium wir sprechen. 

Elaine Marley 
Monkey Island-Reihe

Wie kann Elaine ihren "Sugar Boots" und außergewöhnlichen dummen Freund, Guybrush – der sie sogar mal versehentlich in Gold verwandelt hat –, immer noch lieb haben? Wenn das nicht ihr unglaublich cooles und nettes Wesen unterstreicht, weiß ich auch nicht. Elaine hat als Gouverneurin einer anarchistischen, surrealen Inselgruppe mit ekelhaften Namen, ziemlich sicher als einzige Person keinen einstelligen IQ. Alle Seeräuber von Dinkey bis Scabb fürchten ihre Macht, ihre Schönheit und auch die tödlichen Piranha-Pudel vor ihrem Haus. Sie ist eine der lustigsten Figuren der Money Island-Spiele, und ohne sie wäre diese Reihe komplett trost- und herzlos. 

Bonnie McFarlane 
Red Dead Redemption 

Bonnie ist der "Mann ihrer Range". Sie hat einen Haufen Brüder verloren und arbeitet härter als hundert Familienmitglieder zusammen. Bonnie und Spielfigur John Marston retten einander gerne aus lebensgefährlichen Situationen, nicht zu vergessen, dass sie in der Erweiterung von RDR  angesichts einer Western-Zombie-Apokalypse nicht einmal mit der Wimper zuckt. Die tougheste Schwester des Westens!

GLaDOS
Portal-Reihe

Seit SHODAN aus System Shock oder Gorty aus Borderlands gab es kein ansprechenderes, wahnsinnigeres und lustigeres weibliches Computerprogramm als GLaDOS. Diese abstrakt feminine Betriebs-AI verwaltet eine gigantische wissenschaftliche Anlage. Ihre so verspielt genial geschriebenen Sprüche mit der Autotune-Stimme machen die Portal-Spiele zu den besten aller Zeiten. Die unterschwelligen Versuche, die Spielerin Chell psychologisch zu verunsichern, sind ebenso unvergesslich. "Killing you and giving you good advice aren't mutually exclusive."  

Jade
Mortal Kombat

Diese Frau im hautengen giftgrünen Leder-Body, dem größten Ausschnitt aller Zeiten und stets mit der Stripper-Stange bei der Hand, löst jetzt vielleicht ein feministisches Kopfschütteln aus. Aber abgesehen davon, dass Jade von der Steuerung her MKs definitiv bestes Stück darstellt – für mich weit vor Scorpion oder Sub Zero –, ist ihre Position als General und Profikiller mehr als beeindruckend und selbstbestimmt. Und in Bezug auf ihre Erscheinung: Sie ist die Irre, die mit dir schmust, dann halbnackt deine Party kaputt drischt und dich dabei verarscht, während alle Typen weinend in Ecke kauern. Wer sie slutshamt, stirbt!

Unhonorable Mentions: Lara Croft 
Tomb Raider-Reihe

Nein, wir haben sie nicht vergessen, sondern nicht als passend für diese Liste hier empfunden. Sie ist eine misogyne Urschablone der männlich dominierten Videospielwelt. Typen bekommen die ultimative Kontrolle über dicke Titten in Hotpants, die man immer und immer wieder in den Tod schickt. Was für ein Spaß! Auch im letzten Teil, der super geschrieben war und ein grafisches Meisterwerk, ist die Prequel-Version von Lara nur von Vaterkomplexen getrieben und mit einer dämlichen, prätentiös britischen Synchronstimme ausgestattet, die anstatt ihrer Belesenheit genau Gegenteiliges suggeriert. Sie zählt oberflächlich gesehen als eine Powerfrau, aber die Ursprünge sind nicht tot zu schweigen.

Unhonorable Mentions: Samus Aran
Metroid

Die Heldin aus Metroid wird ja gerne mal zur feministischen Ikone erkoren, als Überraschung am Ende des Spiels, das die akrobatische, unter einem androgynen Raumanzug verborgenen Spielfigur als eine Frau ausweist. Die sexy Schnitte im hautengen Catsuit und Mega-Boobies, kann noch so ein cooler Kopfgeldjäger sein, die Tatsache, dass wenn man Metroid schneller durchspielt, man eine weniger bekleidete Samus bekommt, spricht für sich selbst. "Eine kleine Belohnung für die Jungs, weil Mädchen spielen solche Spiele ja ohnehin nicht." Adwoa aus Muri  ist wie erwähnt ein tausendfach besseres Beispiel für coole Weiblichkeit in diesem uralten Gaming-Genre. Samus hat sich natürlich in späteren Teilen auch als starke Frauenfigur etabliert, aber die Anfänge waren eher unschön.

Unhonorable Mentions: Alyx Vance 
Half-Life 2

Official Still 'Half Life 2' (c) Valve

Wie schlecht es lange um weibliche Heldinnen im Gaming stand, erkennt man an sogenannten Positivbeispielen. Als Half-Life 2 eine bastelfreudige Mechanikerin und Wissenschaftlertochter Alyx als Nebenfigur eingeführt hat, haben sich wirklich sämtliche Gamer in sie verliebt. Gleichzeitig bot sie allen eine Chance, sich selbstzufrieden über ein fortschrittliches Frauenbild zu freuen: "Schaut, kein Sex-Objekt, und NICHT MAL WEISS!" Sie bedient aber leider abgedroschendste Nerd-Fantasien, indem sie den stummen Protagonisten Freeman durchgehend anhimmelt. Sogar wenn man ihn in die Knie gehen lässt, um Alyx frontal in die hautengen Jeans reinzulaufen, folgen einem ununterbrochen ihre verliebten Blicken. Außerdem hat sie allgemein eine extrem passive Charakterisierung.

Unhonorable Mentions: Lula
Lula: The Sexy Empire

Eine sexy Blondine muss dem Spieler in diesem Business Simulator helfen, ein Porno-Imperium aufzuziehen – dabei sind sie und ihre für Tussis klischeehaften Ansprüche immer genau im Auge zu behalten. Lula ist dein wichtigstes Zugpferd bei der Produktion deiner Pornos, erst Amateurvideos nur mit ihr, dann wird sie das Gesicht der High Class-Titel. Und so sexistisch und ausbeuterisch, wie das klingt, ist es auch. Die ganze Fickarbeit ist in einem Comic-Stil gehalten, von einem deutschen Karikaturisten, aber trotzdem ziemlich unsubtil geschmacklos. Das Spiel kann durchaus kurzzeitig süchtig machen, dann bereut man es aber schnell wieder gespielt zu haben – ein bisschen wie Masturbation an den Feiertagen.

Unhonorable Mentions: Cortana
Halo-Reihe

Sie ist das Hologramm eines hochintelligenten, futuristischen Netzwerks. Sie stellt in der Halo-Reihe eine quasi nackte Computer-Mama dar, ohne die der leicht dämliche Master Chief keine einzige Tür öffnen könnte. Sie ist gehorcht aber stets ihrem Herren mit sexy Stimme und strahlendem Model-Körper. Cortana ist offensichtliches Opfer von horny Entwicklern, da sie mit jedem Teil von Halo und der besseren Grafik, die diese mit sich bringen, größere Busen und runderen Po bekommen hat. Interessante Updates für ein Betriebssystem.

Josef auf Twitter: @theZeffo

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