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Umwelt

Flugzeuge werden schon bald mit Rinderfett betrieben

AltAir Fuels, ein Unternehmen aus Kalifornien, rüstet derzeit eine Talgraffinerie in Paramount um, in der schon bald erneuerbarer Treibstoff für Flugzeuge aus Rinderfett hergestellt wird.
15.6.15

Wenn ich an meinen CO2-Fußabdruck denke, überkommt mich immer ein unwohliges Schuldgefühl: jedes einzelne Mal, wenn ich in einem Auto sitze und zum Tanken anhalten muss, wenn ich unbekümmert einen Müsliriegel futtere und plötzlich bemerke, dass er Mais, Soja oder Palmöl—deren Anbau Lebensräume zerstört—enthält, der Moment, in dem ich mir ein Stück von einem saftigen Steak abschneide, während ich versuche zu verdrängen, dass die unzähligen Liter Methangas, die eine Kuh an einem Tag produziert, 21 Mal mehr Hitze in der Umwelt speichern als die gleiche Menge an Kohlendioxid. Mein existenzielles Grauen erreicht jedoch seinen Höhepunkt, wenn ich ein Flugzeug besteige und an die tausenden Gallonen Treibstoff denke, die die Maschine während meiner Reise verbrennen wird.

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Das Reisen mit kommerziellen Fluglinien trägt maßgeblich zum Klimawandel bei und macht zwischen vier und neun Prozent des von Menschen verursachten Einflusses auf die Umwelt aus. Für die durchschnittliche Person ist Reisen mit dem Flugzeug die schlimmste Umweltsünde, die sie in ihrem Leben begehen wird—und das meist immer wieder. Ein Hin- und Rückflug von Europa nach New York oder San Francisco sorgt für gleich viel Erderwärmung wie zwei oder drei Tonnen Kohlendioxid pro Person. Wer das zwei Mal pro Jahr macht, hat schon die Hälfte des durchschnittlichen jährlichen CO2-Ausstoßes pro Person in Deutschland erreicht.

Vergangenen Mittwoch machte die amerikanische Umweltschutzbehörde auf die enormen Auswirkungen auf die Umwelt des Reisens mit dem Flugzeug aufmerksam und verkündete die Absicht, die Emissionen der Industrie im Laufe der nächsten Jahre zu regulieren. Flugzeuge müssen von saubereren Treibstoffen betrieben werden und Wissenschaftler arbeiten bereits fleißig daran, diese zu entwickeln. Die Rohstoffe, die dazu verwendet werden, sind überraschend: Unter anderem wird an Treibstoff aus Öl von Pflanzen wie Tabak, Erdnuss und Hellerkräuter sowie Fett von Tieren wie Schweinen, Hühnern und Kühen gearbeitet. Innerhalb der nächsten paar Monate werden in den USA bereits die ersten Flugzeuge mit diesen alternativen Biobrennstoffen im Tank abheben.

Für Steve Csonka, den Geschäftsführer der Commercial Aviation Alternative Fuels Initiative (CAAFI), war die Bekanntgabe der Umweltbehörde keine Überraschung. Seit acht Jahren testet und forscht seine Organisation an den verschiedensten Biotreibstoffen, von denen viele versprechen, den CO2-Fußabdruck von Flügen zu verringern.

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„Mit den Treibstoffen, mit denen wir uns derzeit beschäftigen, können wir die Netto-Kohlendioxid-Emissionen um 50 bis 90 Prozent senken", sagte er.

Biotreibstoff, erklärte Csonka, kann aus verschiedenen Rohstoffen produziert werden, von Naturgas bis hin zu Alkohol und Zellulose, die aus den nicht essbaren Teilen von Pflanzen hydrolisiert wurde. Eine besonders viel versprechende Rohstoffgruppe, sagte er, sei tierisches Fett, das zu sauberem Brennstoff weiterverarbeitet werden kann.

„Der Prozess ist ziemlich robust und es gibt mehrere Produzenten, die in diesem Feld mitspielen", sagt Csonka.

AltAir Fuels, ein Unternehmen aus Kalifornien, rüstet derzeit eine Talgraffinerie in Paramout nach, um Treibstoff aus Rinderfett zu produzieren. Das Unternehmen verkündete kürzlich eine Partnerschaft mit United Airlines. Mit der Fluggesellschaft wurde der Erwerb von 15 Millionen Gallonen erneuerbarem Kerosin mit niedrigerem Kohlengehalt sowie grünem Biodieseltreibstoff über eine Spanne von drei Jahren vereinbart mit der Option, mehr zu kaufen. AltAir geht davon aus, dass die ersten fünf Millionen Gallonen noch dieses Jahr an United Airlines geliefert werden. Die Fluggesellschaft wird die Biotreibstoffe für seine Flüge vom Los Angeles International Airport verwenden. Ein Vertreter des Unternehmens, der uns Hintergrundinformationen lieferte, da die Fabrik noch nicht in Betrieb ist, sagte, dass der Treibstoff aus Rindertalg ein sogenannter „Drop-in Diesel" sei, was bedeutet, dass er direkt, Gallone für Gallone, traditionellen Diesel auf Erdölbasis ersetzen kann.

Wie Csonka von der CAAFI erklärte, sind Biotreibstoffe nicht aufgrund ihres geringeren CO2-Ausstoßes „sauberer" als traditioneller Erdöl-Sprit, sondern weil sie weniger bereits vorhandenen Kohlenstoff verwenden, anstatt der Erde mehr zu entziehen.

„Was das Kohlendioxid anbelangt, sind die Treibstoffe identisch. Wenn ein Flugzeug eine Gallone Kerosin verbrennt, stößt es genau gleich viel Kohlendioxid aus wie mit einer Gallone HEFA-Treibstoff", sagte er. „Der Unterschied liegt darin, dass der synthetische, erneuerbare Treibstoff produzierte wurde, ohne dem Erdboden zusätzliche Kohlenstoffmoleküle zu entziehen, oder zumindest in viel geringerem Maße im Vergleich zu Treibstoff auf Erdölbasis."

Der Pressesprecher von AltAir sagte, die Nachrüstung des Betriebs wäre bald abgeschlossen und in wenigen Monaten sollte die Produktion von Treibstoff aus Rindertalg losgehen. Csonka von der CAAFI fasste die Situation folgendermaßen zusammen:

„Wer innerhalb der nächsten 30 bis 60 Tage mit United Airlines vom Los Angeles International Airport fliegt, könnte in ein mit erneuerbarem Treibstoff betriebenes Flugzeug steigen."