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Popkultur

Das /slash Programm 2013 ist der Wahnsinn!

Wir sezieren die feine Filmreihe des besten Genre-Kino-Festivals der Stadt. Freut euch auf Highlights von Marylin Manson, Cronenberg Junior, Rob Zombie bis zu Jesse von Gilmore Girls.
30.8.13

Wie könnte man den September, die frierende Rückkehr der Dunkelheit und des Grauens, besser zelebrieren als mit dem schrecklich-genialsten Filmfestival Wiens im Filmcasino Margaretenstraße 78.

Ab 19.9.2013 bringt uns das /slash täglich über zehn vollgestopfte Tage hinweg wieder eine erlesene Auswahl an Trash, haarsträubendem Psycho-Scheiß und bluttriefendem Gore.

Das diesjährige Programm kann sich echt sehen lassen und unsere Redaktion befindet sich in einem besonders erregten Gefühlszustand, so eine Mischung aus blutrünstiger Vorfreude und cineastischer Euphorie. Wir haben es uns deshalb nicht nehmen lassen einige lesbare Kostproben der Screenings, auf die wir besonders geil sind, zusammenzustellen. /SLASH DANCE!

BLUTGLETSCHER - Do, 19.9. -20:30(Achtung: im Gartenbaukino)

Dieser offensichtlich stark von Alien und The Thing geprägte Psycho-Terror direkt aus Österreich—mit AMA-Gütesiegel—ist nichts anderes als gelungen. Blutgletscher von Marvin Kren eröffnet das /slash Festival und legt mit eindrucksvollen Szenenbild mitten aus der alpinen Einöde einiges vor. Antiheld Janek (Gerhard Liebmann) hat es nicht leicht: Sein Hund ist schwanger mit Mutanten, die Glaziologen-Kollegen finden seinen Alkoholismus ziemlich scheiße und dann kommt auch noch die Ex, die ihn ruiniert hat, zurück auf SEINEN Gletscher. Ich bin voll begeistert, glaube jetzt an Steinbock-Assel-Fuchs-Adler-Hybriden und das mit Überzeugung.

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Blutgletscher im internationalen Vergleich problemlos mithalten kann und sogar richtig brilliert in diesem ohnehin schon ausgeleierten Feld des Suspense-Monster-Horrors. Sicher sehen die Effekte leicht trashig aus und die Deutsche am Anfang nervt etwas (keine Sorge, Erlösung garantiert), aber dafür beweisen die Macher Unmengen an Herz, Detailverliebtheit in der Umsetzung von Ekelnahaufnahmen und großes Talent beim Generieren von richtig guter Hysterie-Atmosphäre. Es ist selten, dass österreichischer Dialekt so passend eingesetzt wird ohne peinlich zu wirken. Janeks "Verreck!"-Schrei ist saucool und als Gletscher-Held gibt er sogar Kurt Russel einen metaphorischen Arschtritt. Das muss jeder unbedingt gesehen haben und deshalb haben wir auch 2x2 Karten für den Eröffnungsfilm Blutgletscher (einfach eine Mail an win@vice.at). ACHTUNG, der läuft aber als einziger im Gartenbaukino, nicht im Filmcasino, nicht verlaufen! Danach gibt es Party im Club U.

HK: FORBIDDEN SUPER HERO und GOTHIC LOLITA BATTLE BEAR - Fr, 20.9. - 1:00 (Nacht von freitag auf Samstag)

Das Doublefeature in der Nacht vom 20. auf den 21. liefert Japano-Irrsinn der gewohnten Meisterklasse und stellt wieder einmal die Wertigkeit der Rasse Mensch komplett in Frage. HK: Forbidden Super Hero (HK: Hentai Kamen) klärt wichtige Fragen. Wenn man nämlich Höschen über das Gesicht stülpt und seiner ultrarstarken Perversion freien Lauf lässt, verwandelt man sich sehr wohl in einen Strapse und Ganzkörpertanga tragenden Superhelden. Die Bösewichte sind mit Wasserfarben bemalt und stehen für den elenden Konformismus des Schulhofs/Turnsaals. Handlanger tragen Zöpfe und haben Pickel mittleren Alters. Ob der sich die Nippel reibende Direktor besiegt werden kann? Darauf folgt direkt Gothic Lolita Battle Bear (Nuiglumar Z), die mit Sticknadeln und Teddy-Kostüm alle Meier macht. Nicht zu verwechseln mit Hit-Girl aus Kickass, auch wenn die Filme einander thematisch nicht unähnlich sind. Allzu viel sollte man sich nicht von den beiden Filmen erwarten, außer gute Unterhaltung, lächerlich aber integer inszenierte Kampfszenen und leicht homosexuelle Tendenzen, die man dann mit nach Hause nehmen darf. Die Vorlage von GLBB ist ein Manga, das Produkt eher Trash, aber was will man mehr an einem Freitag, an dem andere billige Drogen nehmen! WTF-Impfung nicht vergessen bevor ihr euch in dieses doppelte Nachtspektakel setzt.

CLASS OF NUKE 'EM HIGH - Sa, 21.9. - 1:00 (Nacht auf Sonntag)

Wer einmal auf ein geistiges Kaffeewasserl—natürlich mit Schuss—in Tromaville vorbeigeschaut hat, der kommt bestimmt wieder. Nicht unbedingt, weil es in dem Kaff den besten Kirschkuchen gibt (wie in Twin Peaks) oder weil hier irgendetwas herausragend Spannendes, Schlimmes, Schockierendes passieren würde (wie in The Killing oder The Dome).

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Was nicht heißen soll, dass hier NICHT das eine oder andere skurrile Vorkommnis den Kaffeeklatsch bereichern würde: Immerhin taucht hier schon mal ein sprechender schwuler mexikanischer Burger auf und verwandelt die Belegschaft einer Fast Food-Bude, die auf einem Indianerfriedhof erbaut wurde, in Geflügelzombies, wie im sensationellen Szene-Meisterwerk Poultrygeist: Night of The Chicken Dead. Oder die Belegschaft einer High School muss nach und nach feststellen, dass das nahegelegene Atomkraftwerk sich vorteilig auf ihr Verhalten, aber nachteilig auf ihr Überleben auswirkt, wie in Class of Nuke 'Em High (das gleichzeitig ähnlich wie Toxic Avenger voller Art Kommentare auf den Body-Nazi-Kult der 80er Jahre ist).

Aber das alles ist nicht der GRUND, weshalb man nach dem ersten Anfixen immer wieder einen Troma-Streifen einlegt und sich jedes Mal für eineinhalb Stunden durch langatmige Durststrecken und Erzählwüsten schleppt. Nein, der Grund ist vielmehr, dass sich das verschrobene Örtchen einfach ziemlich schnell nach ZUHAUSE anfühlt. Dort ist es meistens auch nicht spannend und wenn doch, dann dafür auf die denkbar absurdeste Art. Und die Fadesse zwischendurch ist nur ein kleiner Preis für Slasher-Finesse, die jedem einzelnen Film von Lloyd Kaufman anhaftet. Troma ist, wie wenn die Oma ihre Zähne bei der Sponsion verliert und knapp zwei Stunden später ein zwergwüchsiger Zahnarzt aus ihrem Unterleib ausbricht. Und wenn ihr jetzt ernsthaft fragt, ob das gut oder schlecht ist, seid ihr sowieso noch nicht fit für das Troma-Trauma.

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LORDS OF SALEM - Mo, 23.9. - 20:00

Dem allmächtigen Gehörnten sei Dank hat sich Rob Zombie nicht zum dritten Mal mit einem Halloween-Diarrheamake an der Menschheit versündigt,  sondern stattdessen eine durchwegs solide Hommage an das Witchploitation-Genre geschaffen. The Lords of Salem knüpft an die Ästhetik seines großartigen Erstwerks House of Thousand Corpses an und wird durch zahlreiche Schauspieler aus Kultstreifen wie I spit on your Grave oder Reanimator ge-i-tüpfelt (Udo Kier ist übrigens auch dabei).

Sherry Moon hat halt jetzt Dreads und damit die Hauptrolle in unserem "Werewolf Woman of the SS"-Feuchttraum verwirkt, wenn sie aber die Salem-Platte rückwärts abspielt, damit einen Jahrhunderte alten Hexenzirkel wiederbelebt und Pentagramme und gamsigen Ziegen nur so die Leiwand fluten, atmen wir erleichtert (und leicht erregt) aus und hoffen weiterhin inständig, dass sich Rob in Zukunft mehr solchen Filmen widmet und Michael Myers (und dann bitte auch gleich "Shock"-Rock) gänzlich aus seinem Vorstellungsspektrum streicht.

BIG BAD WOLVES - Di, 24.9. - 20:30

Dieser Dienstag wird unser Tag! Erstens, weil wir heuer Big Bad Wolves, den Nachfolgefilm zum 2011 auch am /slash gelaufenen Rabies vom israelischen Regisseurduo Aharon Keshales und Navot Papushado, präsentieren, Karten verlosen und wieder eine Ansprache halten werden, die knappe 30 Sekunden dauern und allen Beteiligten sehr peinlich sein wird. Aber dazu später mehr, wenn wir uns ausführlich mit Aharon unterhalten, alles über Once Upon a Time in Palestine erfahren und anschließend alles in einem Blogpost, der von rechts nach links zu lesen sein wird, festhalten.

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Zweitens, weil Jesse endlich in einer Rolle zurückkehrt, auf die wir schon immer gehofft haben. Xan Cassavetes, die Tochter von John Cassavetes, hat einen—zugegebener Maßen—auf den ersten Blick ziemlich dumpfen Vampirfilm gedreht, der qualitativ eher hinter der letzten True Blood Staffel einzuordnen ist. Was aber wurscht ist, denn Milo Ventimiglia, der Jesse aus Gilmore Girls, geht in diesem Film endlich einmal ordentlich zur Sache. Also wer von euch schon immer einmal drauf gehofft hat, dass Rory endlich zum Fick kommt, findet  mit ein bisschen Fantasie Abhilfe.

ANTIVIRAL - Mi, 25.5 - 23:00

Weiter geht es mit den Regisseur-Kindern. Der Papa von Brandon Cronenberg ist niemand anderes als—vielleicht habt ihr es erraten—David Cronenberg und der ist sicher sehr stolz auf den weirden Sprössling. Wie ging der Spruch mit "nicht weit vom Stamm" doch gleich? Man erkennt eine bestimmte Richtung des Cronenberg-Wahnsinns, die sich genetisch und kreativ manifestiert zu haben scheint. Antiviral ist ein Brainfuck mit jener vertrauten, technisch-organischen Verfremdung der Realität. Wir sehen eIne Welt, in der wir das gezüchtete Fleisch, der wenigen großen Berühmtheiten, essen, weil wir sie dermaßen verehren. Den Leuten, dieser degenerierten Rasse von Groupies reichen die feuchten Pantys der Stars nicht mehr, sie wollen die Bazillen und Viren ihrer Lieblinge in sich. Eine Verbindung des Elends zum Super Star. Wir alle sind nun fanatische Fans (kommt der Ausdruck Fan nicht sogar eigentlich von "fanatisch"?).

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Die halbe Zeit wusste ich nicht was passiert in diesem Film und war mehr davon abgelenkt, dass der Ginger-Protagonist wie das unheilige Kind von Simply Red und William Dafoe aussieht. Der arbeitet in einem Labor mit den erwähnten Celebrity-Krankheiten und hat dabei seine eigenen Geschäfte laufen. Viele klinische Bilder einer entarteten Körperlichkeit führen zum Kopfnicken: "Wie der Herr Papa" und ich fühle mich nach Antiviral ehrlich gesagt geistig leer, ähnlich wie bei einem Stoli-Kater. Zum Glück ist auch Malcolm McDowell dabei und rundet das mundige Bouquet des Films von Cronenberg Junior mit Bravur ab. Es ist letztlich ein ziemlich geiler Film und zu diesem Quote daraus sage ich nur Amen: "Being famous is not an accomplishment anymore, it's more a collaboration we all choose to take part in. Celebrieties are not people, they are group hallucinations."

THE HOLE (3D) - Fr, 27.9. - 20:30

Joe Dante hat uns in den letzten Jahrzehnten Kreaturen-/Popkulthorror vom Feinsten geliefert, unter anderen Gremlins, Innerspace, Amazon Women on the Moon, Small Soldiers, Twilight Zone: The Movie (22.9. - 13:00) und den genialsten Film über Nachbarschaftsparanoia überhaupt The 'Burbs (28.9. - 15:30). Diesen Großmeister des selbstkreierten Genres dürfen wir sogar als Gast beim /slash Festival begrüßen. Sein letzter Film The Hole vereint wieder perfekt den Hintergrund einer subtiler Vorstadttragödien, beinahe-komödiantische Charakterdynamik—ich finde es lustig wie sich die zwei Brüder ständig herfotzen—mit relativ klassischen, vielleicht schon einfallslosen aber durchaus funktionellen Schreck-Methoden. Das ist ein echt zahmer Film, zu dem man die neue Flamme mitnehmen darf, Popcorn teilt und mehr ans Schmusen denkt als an einen unerträglich-brutale Eingeweide-Regen (dafür geht lieber am 20.9. um 23:00 zu Zombie Hunter). The Hole bietet eine sexy Lead-Lady mit verkifften Schlafzimmerblick, einen interessanten Einsatz von Stop-Motion, der tatsächlich ziemlich gruselt, und gerade genug Unheimlichkeit, dass es unterhaltsam bleibt und man sich zusammenkuscheln kann. 3D Brillen nicht vergessen, ihr Turteltauben.

WRONG COPS - Sa, 28.9. - 18:00

In Quentin Dupieux cineastischem Universum (und ich hoffe, es handelt sich dabei nur um ein einziges, weil die Vorstellung von multiplen, ähnlich verqueren Filmwelten mein Gehirn nach telepathischen Autoreifen riechen lässt) gibt es eigentlich nur sehr wenige Konstanten. Continuity, sequenzenzielle Hollywood-Logik und das altbekannte Drei-Akt-Schema werden hier gemeinsam mit einer Stange Sellerie zu einer logikbefreiten Cine-Sauce passiert und alles, was bleibt, ist der ziemlich plastische, streng schmeckende Vorstellungs-Cocktail davon, wie echtes Anti- oder Para-Narrationskino abseits vom gefälligen David Lynch-Look aussehen kann. Dabei nützt es auch gar nichts, sich am Trailer oder der Genre-Selbstbeschreibung zu orientieren. Das einzige, was man aber über jeden seiner Werke guten Gewissens sagen kann: Wenn Mr. Oizo Filme macht, sieht das Ergebnis in der Regel genau so aus, wie man sich das vorstellt. Und dafür brauche ich noch nicht mal einen plumpen Witz über Flatbeat.

Nachdem wir euch vor zwei Jahren bereits Rubber präsentiert und beim letzten Slashing Europe auch ein bisschen von Wrong geschwärmt haben, legt der mächtige Mann des Epischen Kinos mit Wrong Cops eine Kiwara-Komödie nach, bei der eigentlich beide Worte unter Anführungszeichen stehen und alle Einstellungen mit einem kurz zwischengeschnittenen Zwinkersmiley enden dürften. Vom Prinzip erinnert das Ganze an Kops, von der Ausführung aber an den Showdown von Rubber; jedenfalls darf Eric Wareheim ein Sandwich essen und Marilyn Manson mit spastischer Komik jemanden mimen, der aussieht wie ein Model aus dem Lazy Oaf-Lookbook. Nuff said. Und (um den Reifen zu zitieren): No reason.

Bilder vom /slash Filmfestival